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Überschwemmungen m Brasilien
Aus den Erinnerungen eines deutschen Ansiedlers in Südbrasilien.
L,cit Zeichnungen von
ämmerung senkt sich über den brasilianischen Wald. In den Baumkronen ertönen seltsame Pfiffe, von denen der erste laut klingt, wahrend die nachfolgenden immer schwächer werden. Der „Feierabendvogel" ist es, der seine Mahnung erhebt. Wie gern hört man ihn, wenn man mit harter Waldarbeit den Tag über sich gemüht hat. Da hält man inne: „Hast recht, Alter, genug für heute!" Die kurze Pfeife wird in Brand gesetzt, die Axt geschultert, und mit dem richtigen Urwaldshunger im Leibe wandert man vergnügt heimwärts, zu seiner teuren Gattin, die bei den schwarzen Bohnen wartet, dein Nationalgericht der Brasilianer, an das sich auch der deutsche Ansiedler bald gewöhnt hat.
Heute aber ruft uns der freundliche Mahner zur Tätigkeit. Im Rio Preto, etwa drei Kilometer stromaufwärts von unserer Behausung, gibt es viele Inseln, Felsen und Steine, zwischen denen das Wasser braust und schäumt. Hier hinauf steigen gegen die Weihnachtszeit, um zu laichen, die Pintacks. Das ist ein ausgezeichnet schmackhafter Fisch, der einige Kilo schwer wird. Am meisten ähnelt er der Forelle, doch hat er Bartfäden und lange, scharfe Stacheln, mit denen er sich abscheulich fest zwischen den Steinen halten kann, wenn man ihn an der Angel herausziehen will. Diesen Fisch wollten wir in der Nacht fangen. Nun habe ich Zwar eine dunkle Ahnung, daß das Fischen während der Laichzeit nicht gerade vernünftig sein dürfte, aber schließlich ist ja auch der ganze hiesige Landbau ein Raubbau, und wir waren schon immer froh, wenn wir das erbärmliche Fischen
A. Zimm ermann.
mittels Dynamits verhindern konnten. So war ich denn mit meinem zwölfjährigen Buben aufgebrochen und durch Wald und Rohrdickicht nach der großen Bucht gewandert. Hier traf ich die anderen Teilnehmer von der Partie, die mit dem Boot den Fluß herauf sich gequält hatten.
Frisch ans Werk! Die Dämmerung ist hier kurz, und es mußten noch Fackeln besorgt werden. Die bot uns das Flußufer; bald lag dürres Taquararohr in handlichen Bündeln aufgehäuft; und bald brauchten wir sie; denn die Nacht wurde rabenschwarz, der Himmel war von schweren Wolken verhangen, kein Sternlein blinkte zu uns nieder, und Mondschein stand nur im Kalender. Doch das war gerade das beste Wetter für unser Vorhaben.
Also los! Die Jacke herunter, die Hosen aufgekrempelt, in die eine Hand die Fischgabel oder in deren Ermangelung das lange Waldmesser, in die andere die Fackel, und während die einen von uns mit Hilfe des Boots die lange Grundangel von einen: User des Flusses zum anderen legen, Hüpfen wir anderen ins Wasser. Da heißt's aber springen und aufpassen! Von Stein zu Stein, über breites, schäumendes Wasser muß man setzen, nach den Fischen spähen und blitzschnell, wo sich einer zeigt, zustoßen, denn sie warten nicht. So ein Fischstechen ist auch ein Sport, und man kann es auch in ihm zur Meisterschaft bringen. Da war unter uns ein junger Bursch, ein langbeiniger, der kannte das; auch die Steine unter dem Wasser „kannte er schon alle auswendig", und so langte er dahin mit einer Sicherheit, die
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