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sind — dann gehen Sie jetzt da außen herum und holen sich vorn Ihren Hut und gehen hübsch nach Hause. Ich kann das nicht ansehen, wie man Sie da drinnen auslacht. Es macht mich wütend . . . auch über Sie . ." ^
„Aber . ." Kilian Böhm brach ab und schluckte ein paarmal heftig. Die Tränen standen ihm in den Augen. Aber jetzt hatte sie kein Mitgefühl mit ihm. Sie wiederholte nur
noch einmal: „Ich bitte Sie . . . kommen Sie nicht mehr in den Saal!" und trat dann in das Haus zurück.
Dort traf sie auf Erich Bardefleet. Er war ihr gefolgt. Andere Herren drängten sich dazu. Sie lachte und sprach mechanisch mit ihnen und schaute dabei immer wieder nach der Tür. Aber ihre Angst war unbegründet. Kilian Böhm erschien nicht wieder. (Fortsetzung folgt.)
Meine Aasemsttenhakt in Anstatt.
Von Karl Blind.
I.
s war nach dem schmachvollen Waffenstillstand von Malmö, dem ersten fürstlichen Verrat an Schleswig-Holsteins Sache, dem sich leider zuletzt auch das Frankfurter Parlament gefügt hatte, daß der zweite Freischarenzug in Baden unter der Führung von Gustav von Struve, Herrn von Löwenfels, einem ehemaligen preußischen Offizier, und mir stattfand. Ganz Deutschland war über jenen Verrat tief empört. In Frankfurt erfolgte ein Volksaufstand, der blutig niedergeschlagen wurde. Tschechische Truppen, die kein Wort Deutsch verstanden, wurden dabei vielfach verwendet!
An uns, die wir von der Heckerschen Erhebung her teils im Elsaß, teils in der Schweiz als Verbannte weilten, erging durch eine Abordnung angesehener Bürger die dringende Aufforderung, herüberzukommen und die Freiheitsfahne gegen eine immer bedrohlicher werdende Rückschrittsbewegung aufzupflanzen. Nur wer solche stürmische Zeiten durchlebt hat, weiß, wie plötzlich da die Entschlüsse reifen. Ein Tag, einige Stunden entscheiden oft über eine bedeutsame Wendung.
Professor Wilhelm Zimmermann, der Verfasser der Geschichte des „Bauernkriegs" und der „Deutschen Revolution von 1848", Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, zollt der edeln Gesinnung und dem Opfermut Struves hohe Anerkennung. Nur habe ihm „die Kühle des Verstandes gefehlt, der Blick, der die Dinge sieht und nimmt, wie sie sind." „Sein Enthusiasmus", heißt es weiter, „riß den klaren Verstand anderer Flüchtlinge, selbst den Karl Blinds, eines der klügsten Republikaner, um so leichter mit sich fort, als sie selbst ungeduldig waren."
Nicht vergessen sei, daß damals die revolutionäre Bewegung in ganz Deutschland wirklich noch stark im Ansteigen war. Gleich auf unfern Freischarenzug folgte die große Oktobererhebung in Wien, zu der aus der deutschen Nationalversammlung Robert Blum, Julius Fröbel und Moritz Hartmann, der Dichter, stießen, und die die kaiserliche Familie in Österreich schon vorher zur Flucht gezwungen hatte. In Berlin herrschte fortwährend eine starke demokratische Strömung. Zwischen der preußischen „Nationalversammlung" und den Staatsstreichgelüsten des Hofes war die Wrangelsche Entscheidung („Die Kugel im Lauf, die Schwerter scharf geschliffen") noch nicht gefallen. Überall gärte es gewaltig.
Was nun mich betrifft, so kann ich, in bezug auf Dr. Zimmermanns Äußerung, nur sagen, daß mir die Aussichten in Baden gleichwohl keineswegs vielversprechend dünkten. Nach der Märzerhebung hatte ich im engeren Freundeskreise stets darauf gedrungen, im Südwesten sofort starke Tatsachen zu schaffen, auf deren Grund das angesagte Vorparlament zum kräftigen Handeln gezwungen würde. Selbst Hecker vertröstete uns jedoch auf Frankfurt. Nachdem das Vorparlament beisammen war, schien mir zu seiner Deckung die Schaffung eines Parlamentsheeres vor allem notwendig. Doch auch dieser Rat fiel auf unfruchtbaren Boden. Ich nahm dann an Heckers Erhebung noch in den letzten Tagen teil.
Als nun in der Schweiz unter den Flüchtlingen der Beschluß gefaßt war, jener Aufforderung von Bürgern zum Herüber
kommen Folge zu leisten, da war ich sofort dabei. Die Gesinnungsgenossen wollte ich nicht im Stich lassen. Mein ganzes Streben war nun darauf gerichtet, mit aller Kraft mitzuwirken. Wie ich dies Tag und Nacht getan, dafür geben Struves „Geschichte der drei Volkserhebungen in Baden", und die „Erinnerungen aus den badischen Freiheitskämpfen" seiner Gattin Amalie Struve genügend Zeugnis.
Bei Staufen im Schwarzwald erlitten wir die Niederlage. Es geschah nach zweistündigem Kampf, der im Innern der Stadt mit Beharrlichkeit noch um den Besitz einzelner Häuser fortgesetzt worden war. Dieses beschreibt in seinem Bericht der Kriegsminister General Hoffmann, der zusammen mit General von Gayling an der Spitze von Fußvolk, mit vier Geschützen und einer Dragonerschwadron unter Rittmeister von Frepdorff, unsere schlechtbewaffnete Freischar angriff. Zwar waren, zufolge der Staatsanwaltschaft, die später den elftägigen Staatsprozeß in Freiburg gegen Struve und mich führte, unserm Aufgebot im Süden Badens, unter der Losung: „Wohlstand, Bildung und Freiheit für alle!" etwa 10 000 Männer nachgekommen. Allein über ein weites Gebirgsgebiet verstreut, waren sie infolge einer vorhergegangenen Entwaffnung nur schwach gerüstet. So konnte der Kampf bei Staufen gegenüber einem regelmäßigen, mit Geschützen versehenen Heer nicht anders enden. Ein Teil der Stadt stand zuletzt in Flammen.
Wir traten den Rückzug an mit den: Vorhaben, neue Mannschaft zu sammeln. Nach allerhand Fährlichkeiten sielen wir durch die Tücke eines Führers in Gefangenschaft. Er hatte uns, offenbar in böser Absicht, über die Berge eine Zeitlang in der Irre umhergeführt.
Struves Gemahlin, die vom Beginn des Freischarenzuges an darauf bestanden hatte, alle Gefahren zu teilen, litt bei dieser Gelegenheit außerordentlich. In jenen erregten Zeiten taten sich mehrere Frauen mutig hervor; keine aber in solchem Maße wie Amalie Struve. Kaum hätte man sie dessen für fähig halten mögen, wenn man sie früher in ihren: traulichen Heim in Mannheim so rührend mit lieblicher Stimme zur Gitarre hatte singen hören. Sie war 24 Jahre alt; ihr früh ergrauter Gatte 19 Jahre älter.
Unter mancherlei Gefahren in Wehr angelangt, wurden wir, im ganzen fünf Leute, dort von bewaffneten Reaktionäre!: überfallen und gefangen genommen. Eine Zeitlang schien dabei unser Leben auf dem Spiel zu stehen. Die nähere Schilderung muß ich hier übergehen.
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Ein paar Tage vorher hatten wir an der Spitze einer „Provisorischen Regierung" gestanden, und unsere Befehle wurden genau ausgeführt. Viele Tausende von Bewaffneten erhoben sich begeistert. Jetzt legte man uns vier Männer in schwere eiserne Ketten, die eher an Bord eines Schiffes paßten, als für die Fesselung von Kriegsgefangenen.
Die Kette für jeden wurde vom rechten Handgelenk zun: Knöchel des linken Beines befestigt. Das Gehen — und ab