Heft 
(1906) 36
Seite
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Totenklage am Sarg eines aus Blutrache Ermordeten

ausgeht und der es wagen würde, einem Fremden was zuleide zu tun, sondern ein wildromantischer Schwär­mer mit sehr entwickeltem Ehrgefühl, der unter dem Bann einer uralten Volkssitte in wütendem, erbarmungs- und gesetzlosem Familienkrieg Ber- wandtenblut zu rächen gezwungen ist, ein Mann, den diese furchtbare Sitte und sein übertriebenes Gerechtigkeits­gefühl zu dem gemacht haben, was er ist ein rachedurstiger, grimmiger Menschenmörder und zugleich ein ge­feierter Liebling der Menge.

das Vocero eines im Vendettakrieg Erschlagenen bietet einen besonders herzergreifenden Anblick. Roch jetzt lassen die weib lichen Verwandten des Getöteten mit aufgelösten Haaren unter lautem Schluchzen und Verwünschungen ihre wilden, verzweifel­ten Klage- und Lobeslieder an der Totenbahre erschallen. Man kennt Fälle, in denen kleine Knaben veranlagt wurden, am Sarg von dem Blut des ermordeten Vaters zu trinken und gleichzeitig den Schwur zu leisten, den Getöteten später zu rächen; noch heute begegnet man zuweilen Frauen, die sich gelegentlich eines Vocero mit den Fingernägeln die Haut vom Gesicht heruntergekratzt haben und das blutige Gesicht als äußeres Zeichen ihrer Trauer zur Schau tragen.

Und diese furchtbaren, der Zivilisation hohnsprechenden Zustände, mögen sie, auch mit der Vergangenheit verglichen, schon einen gewaltigen Fortschritt zeigen, sind dafür verant­wortlich zu machen, daß die meisten Reiselustigen immer noch das herrliche Korsika meiden, als ob eine Berührung mit diesem Fleckchen Erde den Gipfel der Waghalsigkeit bedeutete. Wer sich aber durch dieses leider tief eingewurzelte Vorurteil ab­halten läßt, das schöne Eiland zu seinem Reiseziel zu machen, begeht einen großen Fehler. Um die öffentliche Sicherheit ist es nämlich in Korsika, was den Fremden anbelangt, besser bestellt wie in vielen Gegenden seines eigenen Landes, und von den Eingeborenen hat der Besucher des Korseneilands, solange er sich nicht in die Angelegenheiten Anderer einmischt, nichts zu fürchten. Vielleicht will es der Zufall, daß der Reisende in Korsika mit einem echten Banditen zusammentrifft, aber nicht einmal diese Möglichkeit braucht den Wandersmann ängstlich zu stimmen, denn der Bandit ist mit ganz geringen Ausnahmen kein Verbrecher, der auf gemeinen Raub und Mord

Gebet ' ^

am Vendettakreuz.

Vorstellungen aus den Zeiten, in denen die Selbsthilfe das einzige Mittel Zum Schutz gegen Unrecht war, hat die grausame Tyrannei der genuesischen Fremdherrschaft in diesem Volk unausrottbar gemacht. Die Lüge, der Verrat, der Raub und der Diebstahl gelten bei diesen Leuten als verächtlich machende Verbrechen; der Mord des Beleidigers aber und seiner unschuldigen Brüder als heilige Pflicht.

Rebhühner!

Lin ^tudentenstreich, erzählt von Hans Arnold.

M^ch, ihr seid ja allesamt Philister! sagte der Onkel Geheimrat und trank sein Glas leer. Allesamt! wie ihr da um mich her sitzt! In der heutigen Jugend steckt kein Zug und kein Murr! Einen harmlos fidelen Streich auszuführen, dazu hat keiner mehr die Courage da waren wir andere Kerle! Manchmal ein bißchen reichlich unverschämt das will ich gern zugestehen! aber dafür verstanden wir es, uns mit Humor und auf eine lustige Weise aus der Patsche zu

ziehen, wenn wir mal drinsaßen ging es nicht anders, wie weiland Münchhausen am eigenen Schopf und mußte man ein paar Haare lassen, so machte man sich auch keine Sorgen darum!

Mir fällt gerade zufällig eine Geschichte aus meinen Studentenjahren ein, die zu dem Thema paßt, die will ich euch mal auftischen, falls ihr Lust habt, sie zu hören. Ja? also los!

Ich studierte dazumal in Berlin und hatte das Glück, daß um die Ecke" eine kürzlich verheiratete Schwester von mir