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gerichtet und Hunderte von Dschunken, Schiffen und Häusern und Tausende von Menschenleben zerstört hatte. — Dagegen sand ich in Hongkong Vieles, was mich fesselte und mir in der Erinnerung geblieben ist.
Die kleine Insel Hongkong — sie ist kaum zwei Meilen lang und ungefähr ebenso breit — hatte im Jahre 1859 einen schlechten Ruf. Man bezeichnete die Insel damals noch als eine der ungesundesten der Küste. Seitdem hat sich herausgestellt, daß das berüchtigte „Hongkong-Fieber" infolge der vielen Neubauten entstanden war, die man während der Jahre 1844 bis 1854 in Victoriatown, der Hauptstadt von Hongkong, unternommen hatte. Die bösartige Krankheit ist aber nun verschwunden, und Hongkong gilt für nicht ungesunder als die meisten anderen Küstenstüdte China's, in denen Fremde sich niedergelassen haben. — Nach meiner Erfahrung ist das Klima im südlichen China nicht gerade ein schlechtes zu nennen; doch sagt es den Europäern auf die Dauer nicht zu. Ankömmlinge mit guter Gesundheit, die einen ungeschmälerten Vorrath nördlicher Energie und Widerstandsfähigkeit besitzen, fühlen sich gewöhnlich ganz wohl in der feuchten, warmen Luft und sind geneigt, die Vorsichtsmaßregeln zu verspotten, welche sie Andere gegen Erhitzung oder Erkältung treffen sehen; aber diese, die älteren Einwohner, wissen, daß sie sich nicht ungestraft den Gewalten des tropischen Himmels aussetzen dürfen. In Südchina spricht Niemand von der „freundlichen lachenden", sondern nur von der „heißen, stechenden Sonne", und wer gezwungen ist, auszugehen, so lange sie hoch am Himmel steht, der sucht sich durch luftige Hüte, durch Schirme, durch Helle Tücher, die den Nacken bedecken, und durch gefärbte Gläser vor den Augen gegen die Sonnenstrahlen zu schützen. Im Allgemeinen werden die Kräfte der Europäer in China schneller verbraucht als in der Heimath, und es giebt wenige unter ihnen, die nach einem Aufenthalte von fünf bis zehn Jahren in Hongkong. Ningpo oder Shanghai nicht gezwungen wären, einen längeren Urlaub zu nehmen und nach Europa zurückznkehren, um dort in der Luft, in der sie geboren sind, neue Kräfte zu
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sammeln. Versäumen sie dies, so werden sie häufig vor der Zeit alt und gebrechlich und siechen schnell dahin. — Ich will hier nicht unerwähnt lassen, daß Brandy und Soda, Cocktail, Sherry-Cobter und ähnliche Getränke zu den wesentlichsten Factvren des ungesunden Klimas von China gerechnet werden dürfen. Man ist durstiger in China als in Europa, und mau kann dort nicht so viel Spirituosen vertragen wie hier. Die Eingeborenen trinken fast nur Thee und befinden sich dabei ganz wohl. Aber es sind kalte, ruhige Menschen, .und wenn man ihnen auch emsigen Fleiß und zähe Ausdauer nachrühmen kann, so besitzen sie doch nur wenig von der auszehrenden Energie der Europäer. Ein junger Engländer, der in der Frühe einen scharfen Ritt gemacht und am Tage angestrengt gearbeitet hat, ohne sich einen Moment Ruhe zu gönnen, will am Abend etwas Stärkeres trinken als „schwachen Thee". Man kann es ihm kaum verdenken, aber in vielen Fällen muß er dies theuer bezahlen. Ich habe in der kleinen Gesellschaft, in der ich mich in China und Japan bewegte, in wenigen Jahren mehrere Personen Opfer des Trunkes werden und am Oslii-ium ti-smsns zu Grunde gehen sehen; und ich glaube, die Leute tranken nicht mehr, als sie es in ihrer Heimath ungestraft hätten thun können.
Victoriatown, die einzige englische Stadt in China, ist die reinlichste und in jeder Beziehung bestgehaltene Stadt des ganzen „Himmlischen Reiches". In der prachtvollen Bai, die von hohen Bergen vollständig eingeschlossen erscheint und einem See gleicht, wimmelt es von Schiffen aller Nationen. Am Ufer erheben sich inmitten blühender Gärten stattliche Häuser, Paläste und Kirchen. Die Stadt zieht sich längs dem Meere hin und lehnt sich an einen siebzehnhundert Fuß hohen, mit einer dunkelgrünen Moosdecke überzogenen Felsen, auf dessen Spitze die englische Flagge weht. Dieser Berg ist so steil, daß eine jede Straße die dem Meere näher gelegene Häuserreihe vollkommen überragt und man von der Bai ans die ganze Stadt auf einen Blick j übersehen kann. Der Victoria-Pie ist kahl. Die ersten Häuser erscheinen vereinzelt dreizehnhundert Fuß unter dem
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