70
Illustrirte Deutsche Monats h e f t e.
ein kleines, längliches, kupfernes oder silbernes Gefäß, einem französischen Pfeifenetui nicht unähnlich, und findet in demselben einen Schreibpinsel und Tinte. Ist der Brief geschrieben, so wird die Tafel bei Seite gesetzt, und das Zimmer ist wieder leer. — Zur Zeit der zahlreichen, aber gewöhnlich einfachen Mahlzeiten, die der Eingeborene im Laufe des Tages zu sich nimmt, werden andere Tische in das Zimmer getragen, groß wie eine Fußbank oder vielleicht ein Bischen größer. Darauf stehen in hübschen, lackirten, hölzernen Tassen und Schalen und in eleganten porzellanenen Fläschchen: Gemüse und Fisch, Reis, Früchte, Zuckergebäck, Sakki (Reisbranntwein) und Thee. Das Mahl, aus winzigen Gerichten bestehend, ist schnell eingenommen; Tische und Schalen verschwinden, und wiederum ist das Zimmer rein und ordentlich. Der „Chibats" und „Tabaccobon" allein verlassen dasselbe nie; denn der Japaner ist ein großer Rancher und muß immer Tabak und Feuer in seiner Nähe haben. -- Der Tabaccobon ist ein kleines, häufig sehr geschmackvoll und kostbar gearbeitetes Möbel. Er enthält ein Miniaturkohlen- becken und ein Gesäß, in dem die ausgerauchte Pfeife gereinigt wird; ferner ein oder mehrere Kästchen, in denen man den Tabak ausbewahrt.
Kommt die Nacht und wollen sich die Bewohner des Hauses zur Ruhe begeben, so werden seidene oder baumwollene Steppdecken aus dem Boden ansgebreitet. Auf diese Decken wird für jeden der im Hanse Wohnenden ein hölzernes, hartgepolstertes Kopfkissen von der Form eines Bügeleisens und ein sehr weiter und langer, dick gefütterter seidener oder baumwollener Schlafrock bereit gelegt. Der Japaner entledigt sich seiner Oberkleider, wickelt sich im Winter in den warmen Schlafrock, streckt sich im Sommer auf demselben aus und ruht bald unbeweglich, einem Todten ähnlich, das Haupt auf das acht bis zwölf Zoll lange und anderthalb bis drei Zoll breite Kopfkissen gestützt. So liegen in einem und demselben Zimmer, das Gesicht aufwärts gekehrt, Männer, Weiber und Kinder neben einander. In einer kleinen Stube, in die wir nicht zwei Betten stellen möchten, würden wohl ein Dutzend und mehr Japaner Raum genug
zum Schlafen finden. Wie die Chinese», vor denen sie sich übrigens durch ihre große Reinlichkeit vortheilhaft allszeichnen, können die Japaner sich mit sehr wenig Raum begnügen und scheinen den Mangel an frischer Luft nicht im mindesten zu fühlen. — Am frühen Morgen werden Decken, Schlafröcke und Kopfkissen aus dem Gemach geräumt; die großen Schiebe- thüren werden nach allen Seiten hin weit geöffnet, die Matten mit großer Sorgfalt gereinigt und das Zimmer kann alsdann für den Tag wieder als Wohn-, Schreibund Eßstllbe dienen. Decken, Kopfkissen, Schlafröcke, Tische, Bänke werden in einem besonderen Gelaß aufbewahrt. Diese Möbel, Geräthschaften und Kleidungsstücke nehmen einen geringen Raum ein, und der Fremde, der in die Stube tritt, in der sie anfgestapelt sind, wundert sich darüber, wie wenig zu einein japanischen Bürgerhanshalt gehört.
Die großen Herren des Landes setzen einen gewissen Stolz darein, viele Möbel und dergleichen zu besitzen. Wenn ein vornehmer Mann im Lande reist, so ist er oft von Hunderten von Bedienten gefolgt, welche leichte, schönlackirte Kisten ans Holz oder Bambnsrohrgeflecht tragen, in denen sich die zu des Prinzen Haushalte nöthigen Effecten befinden. Darunter befinden sich aber viel Luxusmvbcl und Galakleidungsstücke. Die wirklichen Hanshaltungsbedürsnisse des Japaners können durch sehr Weniges vollkommen befriedigt werden.
Wenn ein Reisender ein oder zwei japanische Häuser gesehen hat, so genügt ihm dies in der Regel. — In den Läden von Nagasacki findet er des Kauf- und Sehenswürdigen auch nur wenig. Mali zeigt ihm dort lackirte Tassen, Schalen, Teller, Schränke, Kasten rc., die mit den schön gearbeiteten Maaren, welche in Yokohama und Aeddo zum Verkauf an- geboten werden, nicht zu vergleichen sind. Manchmal hat man das Glück, einen Kaufmann anzutreffen, der soeben von Osakka oder von Miako zurückgekehrt ist und von dort schöne alte Kunstgegenstände mitgebracht hat. Aber für diese wurden selbst im Jahre 1861 schon hohe Preise gefordert, Preise, die in Europa nur ein Kunstliebhaber oder Curiositätensammler bezahlen würde. Bei anderen Händlern