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Jllustrirte Deutsche Monatshefte.
Wege dorthin sahen wir einen Seiltänzer, einen Wahrsager, einen Taschenspieler, eine Fran mit abgerichteten Vögeln, einen Mann, der wilde Thiere zeigte re.
Der Circns war mit Menschen überfüllt ; aber man hatte uns auch dort gute Plätze reservirt. —- In der Mitte der Arena befand sich eine kreisförmige Estrade, die vielleicht zwei Fuß über dem Erdboden erhaben war und einen Durchmesser von ungefähr zwanzig Fuß zählen mochte. Ueber den Boden aus starken Brettern war eine Lage Stroh gebreitet und darauf eine dicke Schicht Sand gestreut. Man erklärte mir, daß dies der eigentliche Ringplatz sei. Was die Ringer anbetrifft, die ans der einen Seite der Estrade, am Fuße derselben, saßen, so habe ich selten in meinem Leben so schwere, dicke Gesellen gesehen. Es waren wahrhafte Ungethüme, nicht so sehr durch ihre Größe als durch ihre Corpulenz. Der schinächtigste wog zweihundert Pfund, der Häuptling der Gesellschaft, wie man uns mit Stolz erzählte, nicht weniger als dreihundertnnd- vierzig! Die Wahl von solch unbeholfenen Burschen zu Ringern muß seltsam erscheinen; aber sie erklärt sich ans der Art und Weise des japanischen Wettkampfes. Es handelt sich dabei nämlich weniger darum, den Gegner niederzuwerfen, als denselben ans dem kleinen Ringplatze zu stoßen oder zu verdrängen; deshalb werden die Ringer unter den schwersten Menschen, die man anffinden kann, reerutirt. Diejenigen, die sich vor uns producirten, waren fast ganz nackt; sie trugen nichts als eine schmale grünseidene Schärpe, die um die Hüsten geschlungen war. Am Boden kauernd, anscheinend gleichgültig für die Menge, die sie umgab, boten sie einen sonderbaren, aber keineswegs gefälligen Anblick dar.
Als wir uns im Circns niedersetzten, war ein Ringkampf soeben beendet worden. Ein Offizier trat auf die Estrade und verkündete dem Publikum die Namen der beiden Athleten, die nun vor ihm erscheinen würden. Darauf verlas er eine lange Reihe von Eigennamen und Zahlen. Es war die Angabe der für den nächsten
dadurch anznfeuern, beiden:bevorstehenden Wettringen mit Aufgebot aller Kräfte zu kämpfen. — Nach beendigter Lectüre stellte sich der Offizier abseits, um die Mitte der Arena frei zu lassen. Zwei Ringer traten hervor, begrüßten das Publikum, indem sie die Arme über den Kopf erhoben, und schickten sich zum Kampf an. Die Vorbereitungen währten lange. Die Menge, die daran gewöhnt war, beklagte sich nicht darüber, aber die Fremden verloren die Geduld, und ihr Ruf: „IMmküo!" (Beeilt euch!) wurde zur großen Belustigung der Japaner, die so gern und laut wie Kinder lachen, mehrfach wiederholt. — Die Ringer begannen damit, einige Reiskörner und Wassertropfen auf die Arena zu werfen, um den Gott der Gladiatoren günstig für ihr Beginnen zu stimmen. Darauf befeuchteten sie ihre Schultern, Arme und Beine, rieben die Hände mit Sand und führten einige groteske Bewegungen ans, die zu bezwecken schienen, die Glieder geschmeidig zu machen und deren Gelenkigkeit und Kraft dem Publikum zu zeigen. Endlich stellten sie sich in der Mitte der Arena einander gegenüber, in der Stellung von Menschen, die sich mit aller Gewalt Bahn brechen wollen. Auf der Spitze ihrer breiten Füße niedergehockt, die Ellenbogen fest an den Körper gedrückt, mit ausgestrecktem Hals, den: Brustkasten nach vorn gebeugt, erinnerten sie an zwei sich gegenüberstehende Kampfhähne. Auf ein vom Festordner gegebenes Signal stießen sie einen rauhen Schrei ans und warfen sich auf einander. Der Zusammenstoß war äußerst heftig; der dumpfe Widerhall davon ertönte in: ganzen Circus, und die Körper der Ringer bedeckten sich an den Stellen, wo sie sich berührt hatten, mit dunkler Röthe. Aber der Stoß war auf beiden Seitei: mit gleicher Geschicklichkeit und Kraft ansgeführt und die Wirkung dadurch neutra- lisirt worden. Die beiden Menschen waren gegen einander geprallt wie zwei Massen von gleicher Schwere, die mit gleicher Geschwindigkeit an einander getrieben werden. -— Dieses Gegeneinanderrennen wurde mehrere Male wiederholt, ohne
Kampf eingegangenen Wetten, d:e, dem japanischen Gebrauche gemäß, den: Festordner angezeigt worden waren, um den! Ringern mitgetheilt zu werden und diese >
daß es einem der beiden Kämpfer gelungen wäre, den anderen ans der Arena ! zu stoßen. — Eine kurze Pause trat ein, > um den Riesen Zeit zu geben, sich zu