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winkte zum letzten Male mit der Hand und war gleich darauf in der Dunkelheit > verschwunden. !
Während der Nacht brach ein furchtbarer Orkan los. Walsh und ich hatten unsere Betten verlassen, weil wir fürchteten, der leichte Bungoloo könne ein- stürzen.
„Joung hatte Recht," sagte Walsh. „Der Taifun war seit vierundzwanzig Stunden in der Luft. Morgen werden wir einen schönen Tag haben. — Es freut mich, daß Donng die Heimreise mit gutem Wetter antritt."
Aber für Joung gab es kein Heute und kein Morgen mehr. — Im Laufe des Bormittags erfuhren wir, daß er sich am vorhergehenden Abend, wahrscheinlich unmittelbar nachdem er uns verlassen hatte, erhängt habe. Niemand wußte, warum -— und Niemand fragte danach. — Ich folgte mit Walsh und wenigen Anderen dem Begräbniß des Unglücklichen, der sein schweres Leid still getragen hatte und unter der Last znsammengebrochen war. — Ich habe seitdem noch oft an ihn gedacht, als an einen jener geheimniß- vollen Wanderer, die zu bewegten Zeiten in fernen Ländern auftanchen, ohne daß man sagen könne, woher sie kommen noch wohin sie gehen. — Ein harter Windstoß hatte ihn auf die hohe See getrieben; aber er war kein richtiger Sturmvogel, kein starkes „Küchlein der Mutter Carey", nicht kampfbereit und kampseslustig, Männern gleich wie Wood, Bourquard, Closmadnec und Westwood. Die Flügel waren ihm schnell erlahmt, als der Orkan ihn gepackt hatte, und er war nach fremden, ungastlichen Meeren verschlagen worden.
che Monatshefte.
Kurze Zeit noch hatte er mit ermattenden H Kräften ans der bewegten Oberfläche um ! sein armseliges Leben gerungen, und dann, mit verzweifelndem Blick auf die furchtbare Oede rings umher, war er, ohue einen Laut der Klage, ohne einen Ruf um Hülfe, hinabgesnnken in die stille Tiefe, die ihre dunklen Wasser für ewig über ihn geschlossen hatte.
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Mein Aufenthalt in Nagafacki wurde durch ein unvorhergesehenes Ereignis; in die Länge gezogen. Ich erkrankte an einem Nervenfieber und mußte während mehrerer Wochen Bett und Zimmer hüten. Die beiden Walsh — Thomas war seitdem von Shanghai nach Nagafacki gekommen — Pflegten mich auf das beste; aber selbst als ich alle Gefahr überstanden hatte, blieb ich noch immer so schwach, daß der holländische Arzt, der mich behandelte, einen Klimawechsel für noth- wendig erklärte, um meine Reconvaleseenz einigermaßen zu beschleunigen. — Der „St. Louis" lag im Hafen. Walsh hatte das Project, auf dem Dampfboot eine Rundreise um Japan zu machen, nicht anf- gegeben. Er erinnerte mich an mein Versprechen, ihn zu begleiten, und da mein Arzt der Ansicht war, daß eine längere Seereise mir nur wohlthnn könnte, so nahm ich von Nagafacki Abschied und begab mich am 25. October 1861 an Bord des „St. Louis", um in Gesellschaft von Walsh die kleinen russischen Ansiedelungen an der Ostküste von Asien und später Hakodate, Yokohama und Aeddo zu besuchen.