Heft 
(1881) 295
Seite
78
Einzelbild herunterladen

78 Jllustrirte Dcutß

winkte zum letzten Male mit der Hand und war gleich darauf in der Dunkelheit > verschwunden. !

Während der Nacht brach ein furcht­barer Orkan los. Walsh und ich hatten unsere Betten verlassen, weil wir fürch­teten, der leichte Bungoloo könne ein- stürzen.

Joung hatte Recht," sagte Walsh. Der Taifun war seit vierundzwanzig Stunden in der Luft. Morgen werden wir einen schönen Tag haben. Es freut mich, daß Donng die Heimreise mit gutem Wetter antritt."

Aber für Joung gab es kein Heute und kein Morgen mehr. Im Laufe des Bormittags erfuhren wir, daß er sich am vorhergehenden Abend, wahrscheinlich un­mittelbar nachdem er uns verlassen hatte, erhängt habe. Niemand wußte, warum - und Niemand fragte danach. Ich folgte mit Walsh und wenigen Anderen dem Begräbniß des Unglücklichen, der sein schweres Leid still getragen hatte und unter der Last znsammengebrochen war. Ich habe seitdem noch oft an ihn gedacht, als an einen jener geheimniß- vollen Wanderer, die zu bewegten Zeiten in fernen Ländern auftanchen, ohne daß man sagen könne, woher sie kommen noch wohin sie gehen. Ein harter Windstoß hatte ihn auf die hohe See getrieben; aber er war kein richtiger Sturmvogel, kein starkesKüchlein der Mutter Carey", nicht kampfbereit und kampseslustig, Männern gleich wie Wood, Bourquard, Closmadnec und Westwood. Die Flügel waren ihm schnell erlahmt, als der Orkan ihn ge­packt hatte, und er war nach fremden, ungastlichen Meeren verschlagen worden.

che Monatshefte.

Kurze Zeit noch hatte er mit ermattenden H Kräften ans der bewegten Oberfläche um ! sein armseliges Leben gerungen, und dann, mit verzweifelndem Blick auf die furcht­bare Oede rings umher, war er, ohue einen Laut der Klage, ohne einen Ruf um Hülfe, hinabgesnnken in die stille Tiefe, die ihre dunklen Wasser für ewig über ihn geschlossen hatte.

r!-

Mein Aufenthalt in Nagafacki wurde durch ein unvorhergesehenes Ereignis; in die Länge gezogen. Ich erkrankte an einem Nervenfieber und mußte während mehrerer Wochen Bett und Zimmer hüten. Die beiden Walsh Thomas war seit­dem von Shanghai nach Nagafacki ge­kommen Pflegten mich auf das beste; aber selbst als ich alle Gefahr überstanden hatte, blieb ich noch immer so schwach, daß der holländische Arzt, der mich be­handelte, einen Klimawechsel für noth- wendig erklärte, um meine Reconvaleseenz einigermaßen zu beschleunigen. Der St. Louis" lag im Hafen. Walsh hatte das Project, auf dem Dampfboot eine Rundreise um Japan zu machen, nicht anf- gegeben. Er erinnerte mich an mein Ver­sprechen, ihn zu begleiten, und da mein Arzt der Ansicht war, daß eine längere Seereise mir nur wohlthnn könnte, so nahm ich von Nagafacki Abschied und be­gab mich am 25. October 1861 an Bord desSt. Louis", um in Gesellschaft von Walsh die kleinen russischen Ansiedelungen an der Ostküste von Asien und später Hakodate, Yokohama und Aeddo zu be­suchen.