Die Ausstellungs-Frage.
Vvn
Bruno Bücher.
eit etwa zwölf Jahren erfreut sich unsere so fragenreiche Zeit auch einer Ausstellungs-Frage, welche mit so mancher anderen das gemein hat, daß die Bemühungen, zu einer Lösung derselben zu gelangen, sie wenigstens scheinbar immer mehr verwickelt haben. Während und nach der zweiten Pariser Weltausstellung, 1867, war es, daß zuerst Zweifel darüber laut wurden, ob denn der Weg, aus welchen man gerathen war, wirklich zu dem Ziele führe, welches 1851 gezeigt worden war und die ganze civilisirte Welt enthusias- mirt hatte. Und kaum irgend Jemand besaß den Muth, zu sagen: Ja, der Weg ist der rechte, geht nur getrost vorwärts. Höchstens erklärte man die Untersuchung der Angelegenheit für verfrüht, für nicht opportun aus diesem oder jenem Grunde, suchte man der Erörterung auszuweichen, während ernsthafte Betrachter der Sache einander in der Ansicht begegneten, es müsse so bald als möglich Halt gemacht und Umschau gehalten werden. Dies Verlangen ging — das darf wohl ohne Scheu ausgesprochen werden — von aufrichtigen und unbefangenen Freunden der Kunst und der Industrie aus, welche sich für die Ausstellungen überhaupt nur insoweit interessiren, als diese den Gewerb- fleiß und den Kunstsinn zu fördern geeignet sind; auf der anderen Seite aber hatte sich eine große, weitverbreitete Partei gebildet, welcher die Ausstellun
gen Selbstzweck oder Mittel zu Sonder- zweckcn waren. Die Reformpartei behauptete nun, daß Ausstellungen allerdings eine sehr nützliche Institution sein können und daß man eben deshalb dahin trachten müsse, sie nicht von ihrer eigentlichen Ausgabe abschweifen, sich nicht vor der Zeit abnutzen zu lassen. Dies Beides aber schien unvermeidlich bei dem bisherigen Entwickelungsgange. Die Losung war daher: Der ursprüngliche Zweck der großen Ausstellungen muß wieder fest ins Auge gefaßt, sie dürfen nicht zu Schaustellungen für die müßige Neugier werden, dürfen einander nicht in zu kurzen Fristen folgen. In den Zwischenzeiten mögen Local- und Specialansstellungen als die Canäle dienen, welche die Früchte der großen Expositionen den entlegeneren Gegenden zuführen, Vorbilder verbreiten, den Wetteifer rege erhalten. Auf solche Weise kann der Industrie großer Nutzen gebracht werden, ohne daß man ihr übermäßige Opfer anferlegt und gleichzeitig das Förderungsmittel, die Weltausstellungen, vorzeitig abnutzt.
So lautete in Kürze das Programm einer Agitation, welche ohne Verabredung von den verschiedensten Punkten aus gleichzeitig ins Werk gesetzt wurde. Mit welchem Erfolge, das liegt vor Jedermanns Blicken offen da. Man forderte längere Rnhesristen zwischen den großen Ausstellungen, und diese sind sich in immer kürzeren Intervallen gefolgt. Zn den beiden