Heft 
(1881) 295
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Jllustrirte Deutsche Monatshefte.

Ceiitreu, welche bis dahin das Monopol besaßen, haben sich fort und fort andere gesellt: von Europa sind die Weltausstel­lungen nach Amerika und Australien ver­pflanzt worden, und Niemand würde sich wundern, wenn demnächst von Bombay oder Aeddo, von Alexandrien oder Cap­stadt aus an die Völker des Erdballs Einladungen zum friedlichen Wettkampf ergehen sollten. Man forderte weiter die Aufstellung gewisser Schranken, damit die allgemeinen Ausstellungen im Sinne der ersten Londoner treue Bilder der je­weiligen gewerblichen und künstlerischen Production sein könnten, nicht aber zu internationalen Volksbelustigungen wür­den, deren Kosten die Industrie zu be­streiten hätte; und thatsächlich haben sie, mindestens bis zum Jahre 1878, immer mehr von eben diesem perhorrescirten Charakter angenommen, und ist das Miß- verhältniß zwischen den Opfern, welche die Industrie bringen mußte, und dem Gewinn derselben ein immer schwereres geworden.

Glänzender Erfolge hat sich also die Reformpartei nicht zu rühmen, und selbst wo einzelne Punkte ihres Programms er­füllt worden sind, kann sie entweder nicht sich das Verdienst zuschreiben oder hat sie doch keine Freude an der Art, wie der ansgestreute Samen aufgegangen ist. Es ist wahr, in mancher Beziehung hat eine nüchternere Betrachtungsweise die Ober­handgewonnen. Die Illusion, daßMinerva den Mars entwaffnen werde, wie man sich gern poetisch ansdrückte, daß die Völker künftig anstatt mit Kanonen nur noch mit Arbeitsmaschinen gegen einander zu Felde ziehen werden: diese Illusion aus den Frühlingstagen des Ausstellungs- Wesens wagt jetzt Niemand mehr Anderen, geschweige sich selbst auszuspielen. Aber diese Aufklärung verdankt man nicht den Deduktionen der Reformer, sondern dem Argument, daß drei Jahre nach der ersten Weltausstellung die noch nicht abgelanfene Periode der großen Kriege ihren Anfang nahm. Und wenn in den letzten Sommern Jemand auf einer Reise durch Europa täglich eine andere Industrieausstellung besuchen konnte, so war bei dem Rufe nach Pflege der Regional- und Fachausstellun­gen eine derartige Fruchtbarkeit weder er­wartet noch gewünscht worden.

Hiernach hat es den Anschein, als sei die Resormpartei von den Thatsachen fast voll­ständig verleugnet worden. Und dennoch ist dem keineswegs so. Jede Niederlage hat sich noch schließlich in einen Triumph für sie verwandelt, indem ihr Scharen neuer Anhänger zuströmten. Jeder will die Erfahrung persönlich und in der Regel mehr als einmal gemacht, die Hände in die eigenen Wunden gelegt haben, bevor er sich bekehrt. Vorher calcnlirt er näm­lich: ich werde es gescheidter einrichten als die Anderen, ich werde mir deren Er­fahrungen zu Nutze machen. Und wirklich hat sich neuerdings wiederholt gezeigt, daß die Lehren der Vergangenheit nicht ganz verloren gewesen sind. Man geht bei der Aufstellung der Präliminarien vorsichtiger zu Werke, richtet sich so ökonomisch ein, daß schon bei einem nur halbwegs gün­stigen Erfolge der Ausstellung der Auf­wand gedeckt werden muß, und anstatt des sonst herkömmlichen Deficits können die kleineren Unternehmungen jetzt mei­stens einen Ueberschuß answeisen. Das ist recht erfreulich. Aber das Deficit, welches gewöhnlich aus dem Staats- oder Gemeindesäckel gedeckt werden mußte, war doch nur einer von den vielen Beschwerde­punkten, und wenn dieser eine aus der Welt geschafft ist, darf uns das nicht gegen das Fortbestehen der ernsteren und schwe­reren Bedenken blind machen. Wir dür­fen nicht vergessen, daß in dieser Ange­legenheit das Wohl und Wehe der In­dustrie allein maßgebend ist, und daß bei einem guten Rechnungsabschluß des ein­zelnen Unternehmens das große Ganze dennoch geschädigt sein kann. Deshalb ist die Frage weder zu ignoriren noch auch leichten Sinnes zu erledigen, etwa mit dem Votum: Man lasse die Dinge gehen, wie sie wollen; wenn jede Stadt ihren Ehrgeiz befriedigt, ihre Ansstellnngslust gebüßt hat, so wird die Mode erlöschen wie jede andere. So kann man sich die Frage nicht vom Halse schaffen, einmal weil, wie gesagt, die Industrie die Kosten des Experiments zu tragen hätte, und zweitens, weil eben im Interesse der In­dustrie gewünscht werden muß, daß das Ausstellnngswesen nicht wie eine alte Mode, deren die Welt überdrüssig gewor­den, bei Seite geworfen werde. Vielleicht werden in Zukunft die Productions- und