Heft 
(1881) 295
Seite
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Bücher: Die Ausstellungs-Frage,

8.8

kräftige Lunge hat, sie nicht ausgiebig gebraucht, wer sich auf sein stilles Ver­dienst verläßt, oder wen man abseits von der großen Straße postirt hat, der bleibt unbeachtet.

Zn große Ausdehnung und zu rasche Folge, die beiden Hanptursachen aller der Nebel, welche sich stets neu fühlbar machen, hängen so innig zusammen, daß man hoffen darf, eine mit der anderen zu beseitigen. Darum Schutz gegen die Ver­anstaltung von Ausstellungen mit zu kur­zen Intervallen. Nach Verlauf von zehn oder fünfzehn Jahren wird man Anderes, Neues vorlegcn können, ohne pu>- l'oi-e« Ausstellungsstücke zu machen; da wird Gelegenheit geboten sein, die Bestre­bungen, Versuche, Richtungen vergleichend zu überschauen und die Ergebnisse zu prüfen; die Industrie und die mehr und mehr in den Ansstellungswirbel gezoge­nen gewerblichen Lehranstalten werden von dem hastigen, auf Schau und Schein berechneten Schaffen wieder zu ruhiger, gesammelter Thätigkeit gelangen, und beide werden sich nicht mehr gezwungen sehen, fast Jahr für Jahr beträchtliche Summen für Repräsentation anszngeben oder auf den Verlustconto zu bringen. Län­gere Zwischenräume heben aber zugleich das Concurrenzverhältniß zwischen den einzel­nen Ausstellungen ans und machen es un- nöthig, die Anziehungskraft jeder späteren durch größeren Umfang, größere Mannig­faltigkeit, größeren Luxus zu verstärken.

Blau könnte einwenden, allen diesen Uebelständen sei auszuweichen, ohne daß die Regierungen incommodirt zu werden brauchten, es werde ja Niemand gezwun­gen, sich an einer Allsstellung zu bethei­ligen. Das ist insofern richtig, als die Gesetzentwürfe wegen Eröffnung eines Credits für Ausstellungskosten keine Be­stimmung zu enthalten pflegen, welche die Gewerbtreibenden zur Theilnahme ver­pflichten und die Säumigen mit Strafen bedrohen würde. Allein es giebt ja For­men des sanften Zwanges genug. Der Appell an den Patriotismus, an den Bürgersinn, die Mahnung an das iUobl6886 ndliPe" beugen so manchen Widerstand. Aber auch rein geschäftliche Rücksichten können dazu nvthigen, Opfer zu bringen. Ein Concnrrent zieht den anderen nach, weil die Frage nicht mehr so lautet:

Was kann dir mehr nützen?" sondern: Was kann dich mehr schädigen, die Be­theiligung an der Ausstellung oder das Fernbleiben von derselben?"

Es hat daher wenig praktischen Werth, wenn nach einer großen Ausstellung Tau­sende feierlich geloben, sich künftighin auf keine solchen Abenteuer einlasseil zu wollen: im Momente der 'Versuchung sind die Einen doch wieder schwach und müssen die Anderen sich der Bewährung ihrer Stärke entschlagen. Auch der Bestand der Spiel­banken wurde dereinst init dem Argument vertheidigt, im freien Staate müsse einem Jeden unbenommen sein, sich ans seine Fa^on zu rniniren; wolle das Volk keine Banken, so brauche es ja nur dem Spiele zu entsagen. Aber man verzichtete doch lieber auf jenes Freiheitsrecht, wollte lieber nicht in Versuchung geführt sein, als siegreich ans derselben hervorgehen. Ebenso denken im vorliegenden Falle die meisten Industriellen. In Deutschland hat man sich aus jenen Kreisen bereits an die Regierung gewendet und sich prin- cipiell ausgesprochen gegen die Unter­stützung von europäischen Ausstellungs- Unternehmungen, welche nicht mindestens durch eine zehnjährige Frist von den nächstvoransgegangeneli getrennt wären. Wünschenswerth wäre es allerdings, daß eine internationale Verständigung über diesen Punkt erzielt werden könnte (und ich selbst habe unmittelbar nach der letz­ten Pariser Ausstellung für diesen Ge­danken Propaganda zu machen gesucht); allein es leuchtet ein, daß die Cabinete von anderen Sorgen genug in Anspruch genommen werden, und das Ansinnen, sich zil binden, dürfte auch an mancher Stelle einer entschiedenen Abneigung be­gegnen. Umgekehrt wäre der Zweck zu erreichen, sobald nur einige der wichtigen Staaten sich zu dem ausgesprochenen Grundsätze bekennen wollten. Ein Land, welches dem Trotz bieten wollte, müßte dann von vornherein darauf verzichten, die Welt" zu Gaste zu laden; und dem Beispiele einiger großen würden sicherlich zahlreiche kleine Staaten folgen. Im Jahre 1878 konnte man ja in allerlei Sprachen die Klage vernehmen, daß Deutschland seine Absage nicht eher er­lassen habe, da man sich sonst derselben mit Freuden angeschlossen haben würde.