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Ecker: Hand und f
oder Mittelhand, während der Mittelhandknochen des Daumens frei beweglich ist und gleichsam das fehlende erste Glied dieses Fingers ersetzt. Während die Fingerglieder unter sich nur Bewegungen in einer Richtung, Streck- und Beugebewegungen, aussühren können, ist im Gelenk zwischen Finger und Mittelhand auch eine Seitenbewegung möglich, die jedoch nur im gestreckten Zustande der Finger (Spreizen derselben), in der Beugung dagegen (im Interesse des festen Zusammenschließens der Finger zur Faust) nicht ausführbar ist. Die Verbindung der Mittelhand! mit dem Vorderarm endlich wird durch! sieben kleine, mehr oder weniger rundliche ! Knochen vermittelt, die den obersten, dem Vorderarm nächsten, schmälsten Theil der Hand bilden: die sogenannte Handwurzel (Fig. 7,6), weswegen wir sie Handwurzelknochen nennen. Dieselben liegen in zwei Reihen: einer aus vier Knochen bestehenden unteren oder distalen, welche durch Bänder fest zu einer compacten Masse verbunden sind und die Mittelhandknochen tragen, deren obere (proximale) Enden nicht nur mit denselben, sondern auch unter sich fest verbunden sind, mit alleiniger Ausnahme des Daumens, dessen Mittelhandknochen frei beweglich ist und der deshalb von der übrigen Hand weit abgezogen und in die Handfläche hineingerückt werden kann. Die zweite oder proximale Reihe der Handwurzelknochen, welche nur aus drei Knochen besteht, ist beweglich mit der ersten verbunden und vermittelt zugleich die Gelenkverbindung mit dem Vorderarm und somit die Bewegungen der Hand als Ganzes an diesem. Von den möglichen Bewegungen der Hand als Ganzes haben wir die eine, die Drehung um die Achse, schon kennen gelernt; außer dieser vermag aber die Hand nach der Fläche vor- und rückwärts gebeugt (Flächenbewegung, Beugung und Streckung) oder seitwärts nach den Rändern gebogen zu werden (Ränderbewegung). Während im Gelenk zwischen Vorderarm und Handwurzel namentlich die letztere ausgeführt wird, dient das Gelenk zwischen beiden Reihen der Handwurzelknochen namentlich der ersteren Art der Bewegung.
Was nun aber das Endglied einer Vorderextremität erst zu einer wirklichen Hand stempelt, das ist neben der freien,
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^uß des Menschen.
insbesondere durch Anwesenheit eines Schlüsselbeins bedingten Beweglichkeit der ganzen oberen Extremität die freie Drehbarkeit der Vorderarmknochen und damit der Hand, die Fünfzahl der Finger — während diese bei den Vierfüßern bis auf zwei (Rind) oder einen (Pferd, Fig. 8) schwinden — und vor Allem der Besitz eines den anderen Fingern gegenüberstellbaren Daumens. Erst durch den Daumen wird die Hand zu einer wirklichen Hand, das heißt zu einer fassenden Zange, zu
Fig. 8.
Skelet des Vorderfußes (Hand) des Pferdes.
o Handwurzel. Ll Mittelhand, n Finger. 12 8 Erstes, zweites, drittes Glied.
einem Greisorgan; ohne Daumen ist sie nur eine Pfote. Der Daumen aber verdankt seine große Bedeutung namentlich dem Umstand, daß sein Mittelhandknochen sehr beweglich an seinem Handwnrzel- knochen eingelenkt ist. Durch eine Anzahl besonderer Muskeln beweglich, kann er den anderen Fingern gegenübergesiellt oder von der übrigen Hand weit abgezogen werden und ist dabei einer Krastentwicke- lung fähig, die der der übrigen Finger zusammengenommen fast gleichkommt; er ist der stärkste und kräftigste und deshalb
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