Ecker: Hand und Fuß des Menschen. 101
indem anstatt der beiden Linien, der gemeinen und Kopflinie, in der Regel nur eine gleichmäßig für die Gelenke aller vier Finger bestimmte Furche quer durch die Hand zieht (die sogenannte Affenfalte).
In dem Bisherigen habe ich das Skelet der Hand und der ganzen oberen Extremität, die anatomische Grundlage, das eigentlich Formgebende des ganzen Apparates, betrachtet und daran die Schilderung der Form der Hand überhaupt geknüpft. Es ist nöthig, nunmehr, an das Erstere anschließend, auch den
L>g. 10.
Haiidflächc des Menschen mit den Gelenksaltcn und den Tastleisten der Fingerballen.
Weichtheilen, welche das Skelet umgeben und der eigentliche Sitz der Lebenseigenschaften der Hand sind, eine kurze Betrachtung zu widmen. — Als die Lebens- eigenschaften der Hand, welche sie für uns zu einem so wichtigen Organe machen, habe ich oben genannt die große Beweglichkeit, das genaue Muskelgefühl und den feinen Tastsinn derselben. Es würde die mir gesteckten Grenzen weit überschreiten, wenn ich zur näheren Erläuterung der erstgenannten Eigenschaft genauer auf die Beschreibung der circa fünfzig Muskeln des Armes und der Hand eingehen wollte; ich muß mich darauf beschränken, einiges Wenige über die Anordnung derselben, was mir von be
sonderem Interesse scheint, zu erwähnen. Das Eine ist die Thatsache, daß trotz der sonstigen Scheu der Natur vor unnöthiger Kraftvergeudung in Betreff der Befestigung der Muskeln an den Knochenhebeln — wie an den Armmuskeln gerade besonders deutlich zu sehen — der Geschwindigkeit der Bewegung einerseits und der schlanken Form der Extremität andererseits ein erhebliches Opfer an Kraft gebracht ist. — Ein zweiter Punkt ist folgender: Wie die Zugkraft dreier Pferde durch ein einziges dünnes, aber starkes unelastisches Tau auf einen zu ziehenden Balken übertragen wird, so kann die Kraft eines Muskels von bedeutendem Querschnitt durch eine dünne Sehne auf einen Knochen übertragen werden. Wären alle Muskeln, die die Hand bewegen, an dieser selbst angebracht, so befände sich diese in einem wahren smlmrins Ü8 i-i('bs886, das heißt vor lauter Muskeln wäre die Hand so plump geworden, daß sie kaum zu bewegen wäre. Nun aber liegt die Mehrzahl der Muskeln, welche Hand und Finger bewegen, oben am Vorderarm, und nur dünne Taue (Sehnen) erstrecken sich von demselben an diese, ein Verhältuiß, das schon äußerlich durch die nach unten konisch sich verjüngende Form des Vorderarms ausgedrückt ist.
Betrachten wir nun die Hand zunächst als Bewegungsorgan, so erscheint sie uns in der That, wie Galen sie genannt hat, als das Werkzeug der Werkzeuge (oi-Za- non anik orSÄim). In erster Reihe ist sie dem Menschen ein Werkzeug zum Ergreifen, Fassen, Halten — eine Zange. Wie tauglich sie dazu sei, darüber wollen wir unseren alten Doctor aus Rom reden lassen: „Sieh einmal hin aus alle die
Körper, die ein Mensch zu ergreifen vermag, vom größten, wozu er beide Hände braucht, bis zum kleinsten, einem Hirsekorn, einem feinen Dorn oder einem Haar, und sieh die Hand jeden dieser Körper für sich fassen, jedesmal wirst du finden, daß die Hand so genau zum Gegenstände paßt, als ob sie gebaut wäre, um nur ihn zu fassen." Mit ihr schafft er sich seine Werkzeuge, seine Waffen, von den einfachsten bis zu den kunstvollsten. Welche Stufenleiter in den Bewegungen der Hand von den unbehülflichen Ver-