Abendbesuch aus einer Sternwarte.
Von
Wilhelm Förster.
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ar manchen meiner Leser hat wohl, wie mich selbst' schon in früher Jngend bei den Vorstellungen, welche sich an das meiner heutigen Mittheilnngen knüpfen, eine Bewegung eigener Art ergriffen. Der Gedanke, den Mond mehrere hundert Male größer zu schauen, als mau ihn mit bloßen Augen sieht, als man ihn z. B. schon vergrößert zu sehen meint, wenn in der Nähe des Horizontes hohe Bäume, Häuser oder Thürme wie Miniaturbilder von seiner vollen Scheibe umrahmt werden, der Gedanke, in die Welt der Saturnsringe oder der Jupitersmonde wie aus der Vogelperspeetive hineinzuschaueu, den matten Schimmer der Milchstraße in ein zahlloses Heer glänzender Sterne aufgelöst zu sehen und in Nebelflecken von mildein Glanze und geheimnißvollen Umrissen einen Schimmer von Weltgestalten und Weltaltern zu empfangen, die in Raum und Zeit unaussprechlich und ewig weit von uns entfernt sind — alle diese Vorstellungen üben wohl aus die Gemüther Vieler einen eigenen Zauber ans.
Derjenige aber, dem es von einem gütigen Geschick beschieden wird, sein Leben oder einen Theil seines Lebens der geistigen Arbeit innerhalb dieser Welt von Vorstellungen, welche so Vielen ein ferner Traum bleibt, zu widmen, er wird in der Regel ungemein schnell und mächtig von einer ganz anderen Seite dieses Thätigkeitsgebietes erfaßt. Man kann
sogar behaupten, daß der größere Theil derjenigen, welche sich der Astronomie widmen, von Anfang an mehr von letzterer Seite dieser Beschäftigung, nämlich von ihrer Gedankenstrenge, von ihrer reinen, meinnngslosen Folgerichtigkeit und von der Erhabenheit des in ihr entwickelten Zusammenwirkens der verschiedensten Völker und Zeiten angezogen wird, als von dem unmittelbaren Reiz der Wahrnehmungen, die sie darbietet.
Indessen auch der Astronom von Fach erlebt stets aufs Neue inmitten der nüchternsten messenden und kritisch untersuchenden Arbeiten, welche er den Himmelslichtern zu widmen hat, Augenblicke, in welchen er von einer unnennbar mächtigen Empfindung ergriffen wird, Augenblicke, in denen der Eindruck der herrlichen Lichtfülle und der Reinheit der Formen, wie sie uns ein starkes Fernrohr in den Himmelsräumen vor Augen bringt, sich mit dem geistigen Einblick verbindet, den die Astronomie in das Wesen dieser Erscheinungen gewonnen hat.
Empfindungen dieser Art treten unter Anderem ein, wenn man ein besonderes Wahrnehmungsgebiet, z. B. die Details der Mondoberfläche mit verhältnißmäßig geringen optischen Mitteln näher kennen gelernt hat und dann einmal unter besonders reinen und ruhigen Luftverhält- nisfen das Glück erlebt, mit einem Fernrohr von ungewöhnlicher Stärke einen wahrhaft beseligenden Lichtreichthum über jene Landschaften sich ergießen zu sehen,