Heft 
(1881) 295
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man sofort, in welcher schwierigen Lage ein Institut sich befindet, welches sich neben der astronomischen Forschung und den akademischen Lehraufgaben auch noch in dem erwähnten Umfang dem an sich so berechtigten und so erfreulichen Inter­esse des Publikums an den von einem großen Fernrohr dargebotenen Himmels­erscheinungen zu widmen hat.

Als im Jahre 1858 der bekannte nach seinem Entdecker Donati benannte Komet mit der wundervollen Schweifentwicke­lung, die wie ein Springbrunnen von Licht über dem Horizonte emporstieg, am Himmel stand, war der Besuch der Stern­warte so zahlreich geworden, daß gerade in denjenigen Wochen, welche für die messende Untersuchung der an dem Kopse dieses Kometen hervortretenden höchst merkwürdigen Erscheinungen am > günstig­sten waren, den hiesigen Astronomen die beste Zeit durch die Beschauer verloren ging. Fast an jedem Abend lösten ein­ander Hunderte von Personen ab, und es erwies sich als völlig unmöglich, diese Besuche abzulehnen, wenn man nicht zu einer absoluten und ausnahmelosen Ver­sagung schreiten wollte, die aber aus vielen Gründen ganz undurchführbar er­schien.

In den letzten Jahren ist mitunter in solchen Zeiten, in welchen die geringe Anzahl der sternhellen Tage und Abende es zur unumgänglichen Pflicht machte, jeden Anblick des Himmels, den die Wol­ken gestatteten, für dringliche Zwecke der Forschung zu verwerthen, die Annahme und Berücksichtigung von Meldungen zu Abendbesuchen auf günstigere Jahreszeiten verschoben worden; aber auch diese Ein­schränkung wird sich nicht vollständig durchführen lassen, da hiermit offenbar auf die Dauer eine wirkliche Beeinträch­tigung der Interessen und Wünsche des Publikums hinsichtlich astronomischer Be­lehrung und Anschauung verknüpft sein würde. Es liegt auch auf der Hand, daß in dieser schwierigen Sachlage dem Ein­zelnen, welcher nach langem vergeblichen Sehnen und Bemühen endlich zu einem Abendbesuche auf der Sternwarte kommt, mitunter so wenig dargeboten wird, daß nicht selten (vielleicht sogar in der Mehr­zahl der Fälle) verdrießliche Enttäuschun­gen eintreten, welche natürlich in dem ge-

che Monatshefte.

meinsamen Interesse aller Betheiligten, sowohl des Publikums als der Astrono­mie und der öffentlichen astronomischen Institutionen, vermieden werden sollten. Oft genug kommt es z. B. vor, daß Mel­dungen viele Monate lang wiederholt werden müssen, bis es ermöglicht wird, irgend eine zahlreiche Gruppe von Ge­suchen zu berücksichtigen. Es ist dann schon ein ungewöhnlicher Glücksfall, wenn an demjenigen Abend, für welchen Jemand den Zutritt zu der Sternwarte erlangt hat, das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht und die Besuchenden, ungestört durch Bewölkungen, einige Blicke auf den Mond und die Planeten durch das große Fraunhofer'sche Fern­rohr erlangen können. Sehr oft aber ist an solchen Abenden, sowohl infolge wieder­holter Störungen der vorangegangenen Besuchsabende durch Wolken als infolge anderer unvermeidlicher Aufschübe, die Zahl der Besuchenden so groß geworden, daß vielleicht aus jeden in dem Fernrohr dargebotenen Gegenstand von jedem Be­sucher nur ein einziger kurzer Blick ge­worfen werden konnte, der dann trotz rastlos hinzngefügter Erläuterungen sehr oft im Auge und im Gedächtnis; des Be­schauers nur einen räthselhaften Eindruck hinterließ, ohne ihn irgendwie im Ver- ständniß gefördert, geschweige dem: ihm auch nur annähernd einen solchen Genuß bereitet zu haben, wie er erwarten zu dürfen geglaubt hatte.

Wie in dieser Beziehung für das Publi­kum der anderen großen Städte gesorgt wird, ist mir nicht erschöpfend bekannt, besonders vermag ich nicht anzugeben, ob in neuerer Zeit in London irgend welche namhaften Einrichtungen für die Befrie­digung der in Rede stehenden geistigen Bedürfnisse entstanden sind. Ich weiß nur, daß die Sternwarte zu Greenwich zum Schutze ihrer eigentlichen Messungs- anfgaben, welche bekanntlich seit ihrem Bestehen in England besonders populär waren, weil Leib und Leben der englischen Seeleute an dieselben geknüpft erschien, die bloße Besichtigung ihrer Einrichtungen, geschweige denn die Benutzung ihrer großen Instrumente für Beschauungs- und Be­lehrungszwecke populärer Art bis zu einer vollständigen Ausschließung erschwert.

Auch die Traditionen der Pariser