Heft 
(1881) 295
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Jllustrrrte Deutsche Monatshefte.

und Liebe der Sache gewidmet werden können, möglich sein, die Abendbesucher einer Sternwarte sogar zu Zeugen ge­wisser Vorgänge zu machen, welche ihnen eine Art von Empfindung der Gegenwart auf einem fernen Weltkörper in so er­greifender Weise bereiten, daß daraus Wirkungen auf das Gemüth entstehen, mit denen nur die Wirkungen der schönen Künste verglichen werden können.

In den ersten Abenden nach dem Er­scheinen der jungen Mondsichel bietet z. B. nicht nur das Nebeneinander der strahlend Hellen directen Sonnenbeleuchtung der Mondlandschaften und des Dämmerlichtes, in welchem der übrige Theil der Mond­fläche, bestrahlt von dem sanfteren Schim­mer des Erdscheines, nämlich des von der Erde zurückgestrahlten Sonnenlichtes, ruht, Wirkungen der eigenthümlichsten und an­ziehendsten Art dar, sondern es ist auch möglich, das Vorrücken des Tages auf dem Monde an dem Zurückweichen der Schatten, an der allmäligen Zunahme der Anzahl der von der Sonne schon bestrahlten Bergspitzen, welche wie lichte Inseln in dem dunkleren Theile der Mondsläche austauchen, und an dem all­mäligen Vordringen des Sonnenlichtes in die tieferen Bergschluchten und Thalkessel so deutlich wahrzunehmen, daß man wirk­lich dem Sonnenaufgang auf dem Monde beizuwohnen glaubt.

Auch in die bedeutend entferntere Jupiterswelt lassen sich ähnliche Einblicke gewinnen, wenn man das Eintreten der Trabanten des Jupiter in den von dem­selben im Sonnenlicht geworfenen Schat­tenkegel beobachtet, und wenn man etwa den Schatten eines Trabanten (eine totale Sonnenfinsterniß für kleine Theile der Jupitersoberfläche) langsam über den Ju­piter hinwegwandern sieht.

Sogar in dem schon so weit entfernten Saturnsystem kann man durch sorgsame Beobachtung und Deutung der Schatten­phänomene bis zu einer so unmittelbaren Erfassung der perspectivischen Wirkungen, so zn sagen der Körperlichkeit des ganzen Phänomens gelangen, daß man in ein­zelnen Momenten sich wirklich wie in den Himmelsraum versetzt fühlt.

Nichts aber außer den Wirkungen des Schönen dürfte geeigneter sein, den Men­schen rein und friedlich zu stimmen, als

solche ruhevolle Genüsse, als solche vor­übergehende Loslösungen des Gedankens von den Schranken und den Erregungen dieser Erdenwelt.

Und solche Seelenstimmnngen, sind sie nicht das höchste Bedürfniß gerade einer Zeit, in der so viel gewaltige Energie entwickelt ist, welche nur des Maßes und der Liebe entbehrt? einer Zeit, in welcher so viele künstliche Schran­ken innerhalb der Menschenwelt wieder errichtet oder verstärkt werden mit einer Beflissenheit und Selbsttäuschung, gegen -welche es kaum eine bessere Gegenwirkung giebt als die sanfte Erhebung des Geistes über die Erde hinaus und die verbindende Empfindung des Erdenbürgerthums? Sind nicht gerade jetzt als die wichtigsten Bei­träge zu der eigentlichen Bildung, d. h. zu der Milderung der Sitten, alle die­jenigen Erkenntnißfrüchte zu betrachten, welche dazu helfen, jenem Unmaß, man könnte sagen jener Verwilderung ent­gegenzuwirken, die sich fast in allen Schichten der Gesellschaft wieder zu ent­wickeln droht?

Wie aber, wird man mich nun fragen, kann man zu dem Besitz von Institutionen von solcher ideellen Wirksamkeit gelangen, wenn z. B. die vorhandenen Sternwarten infolge der unumgänglichen Einschrän­kung und Concentrirung ihrer Leistungen auf die nothwendigsteu Forderungen der Forschung und Praxis sich dem Publikum verschließen sollten.

Ich erwähnte vorhin bei einer kurzen Schilderung der bezüglichen Pariser Zu­stände nenere Bestrebungen, die dort be­reits zu Nutz und Frommen des Publi­kums nach dieser Richtung aüfgetancht seien. Diese Bestrebungen haben in der That in letzter Zeit zu der Begründung eines großen öffentlichen Observatoriums auf einem der Thürme des bekannten, vom Staate bei Gelegenheit der letzten Ausstellung erbauten Trocaderopalastes geführt.

Mit öffentlichen Mitteln ist dort also eine Institution geschaffen worden, welche wesentlich und bestimmungsmäßig dazu dienen soll, astronomische Kenntnisse und Anschauungen mit Hülfe der besten vor­handenen Mittel und Einrichtungen zum Gemeingut Vieler zu machen.

Auch in Berlin ist schon seit mehreren