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Förster: Abcndbesuch
Jahren von Seiten der Sternwarte in engeren Kreisen lebhafte Anregung zur Entwickelung eines ähnlichen Observatoriums gegeben worden.
Da bei der bescheideneren Lage unserer j öffentlichen Finanzen zunächst an die Herstellung solcher Einrichtungen aus öffentlichen Mitteln nicht gedacht werden konnte, wurde zuerst der Plan aufgestellt, im Wege der Subscription oder im Anschluß an bestehende mercantile Institute verwandten Charakters ein Observatorium zu ^ Stande zu bringen, dem natürlich die ^ Unterstützung seitens der hiesigen Astro- j nomen in jeder Weise gesichert gewesen! wäre. Leider sind diese Bemühungen bisher gescheitert, obwohl nach den auf der! Berliner Sternwarte gemachten Erfahrungen hinsichtlich der Anzahl der Besuchenden und noch mehr der Anzahl der Meldungen und Wünsche sogar ein finanzieller Erfolg eines solchen Unternehmens ziemlich bestimmt in Aussicht genommen werden könnte,
In den Vereinigten Staaten von Nordamerika hat man dem hervorgetretenen ähnlichen Bedürfnisse bisher durch Associationen zu genügen gesucht; z. B. war ^ in Chicago vor einiger Zeit eine Gesellschaft vermögender Männer zur Begründung eines bedeutenden, mit Instrumenten ersten Ranges ansgestatteten Observatoriums zusammengetreten. Dieses Observatorium sollte zwar in erster Stelle der Forschung dienen, gleichzeitig aber, wenigstens an gewissen Abenden der Woche, den sämmtlichen Familienmitgliedern der zahlreichen Begründer in solcher Weise offen stehen, daß der an dem Institut anzustellende Astronom an diesen Abenden lediglich der Belehrung des Publikums zu dienen hatte, — natürlich eine noch ziemlich unvollkommene und particnla- ristische Form der Befriedigung des in Rede stehenden allgemeineren Bedürfnisses.
Ich wage keineswegs zu hoffen, daß in Deutschland schon in nächster Zeit auch nur irgend etwas Aehnliches, wie neuerdings in Paris geschehen ist, mit öffentlichen Mitteln eingerichtet werden könnte, doch ist es eine unumgängliche Vorbedingung für die Entwickelung derartiger Institutionen, daß von ihnen gesprochen wird, und es war für mich eine schon
M o na tsh e fte, N. 2S5. — April 1881. — Vierte Fol
iuf einer Sternwarte.
seit längerer Zeit tiefempfundene Pflicht, öffentlich über diese Dinge zu reden, hierdurch die schmerzlich gefühlte Verantwortung hinsichtlich des gegenwärtigen für die Sternwarten und für das Publikum gleich unerquicklichen Zustandes zu mildern und einen Keim des Besseren auszustreuen.
Wenn derartige Zeiten wie die jetzigen vielleicht für die Verwirklichung von Absichten solcher Art nicht günstig sind, so dürften sie doch zu Projeeten, so zu sagen zu inneren Schöpfungen dieser Art geeignet sein, denn in äußerlich gedrückten Zeiten hat der Geist der Menschen Anlaß und Muße, sich überhaupt tieferem Denken über öffentliche Fragen zur Entfaltung neuer Stärke zu sammeln.
Man werfe mir auch nicht ein, daß Institutionen der erwähnten Art insofern nicht aus öffentlichen Mitteln begründet und unterhalten werden dürften, als sie so zu sagen Lnxnseinrichtungen für die Gebildeten seien.
Zunächst würde hierauf zu bemerken sein, daß derselbe Einwnrf in gewissem Sinne für viele Einrichtungen auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft gelten würde, bei denen doch Niemand zweifelhaft ist, sie mit öffentlichen Mitteln zu dotiren, und bei denen dies auch völlig berechtigt ist, sobald nur in immer größerem Umfange Jedem aus dem Volke die Aufnahme und die geistige Förderung innerhalb solcher Institutionen gehörig erleichtert und gesichert ist.
Oft genug aber habe ich Gelegenheit gehabt, zu bemerken, daß ein tiefes und warmes Interesse für den Anblick der Himmelserscheinungen, vielleicht sogar eine besondere unmittelbare Fähigkeit des Verständnisses derartiger Wahrnehmungen und Einrichtungen, wie sie eine Institution der erwähnten Art zu bieten Hütte, in der gewerblichen und handarbeitenden Bevölkerung jeder Art lebt, und daß es sich wohl lohnt, auch gerade zu dieser bei solchen Anlässen in beweglicher und erbaulicher Art zu reden.
Was die Ungunst der Lage einer Sternwarte mitten in einer großen Stadt betrifft, so ist zuzugeben, daß diese Ungunst in Berlin, wo es nur sehr geringe Höhenunterschiede giebt, besonders groß ist, doch wird die Bedeutung dieser Verhältnisse meistens sehr überschätzt. Man meint
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