Heft 
(1881) 295
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Illnstrirte Deutsche Monatshefte.

dann weiter:Die Sprache bezeichnet

unbestritten auch rein sinnliche Erregungen als Gefühle, und umgekehrt wendet sie mit solcher Bestimmtheit das Wort Em­pfindung im intensiven, geistigen Sinne an", daß er sichschon im ß 404", der von bildender, empfindender* und dich­tender Phantasie handelt, der psychologi­schenSchulordnung" nicht bequemen konnte.

Trotz dieser genauen Erklärung des großen Aesthetikers können wir nicht um­hin, seine Ansicht als nicht ganz richtig zu bezeichnen. Einzelne Andeutungen in den Hauptabschnitten lassen erkennen, daß er selbst nicht so ganz überzeugt ist von dem Grundsätze des musikalischen Zeichnens und Malens der Empfindnngsbewegnngen. So z. B. meint er (Seite 817), daß der Musiker ein Sujet vom Dichter erhält; eine Stimmung ist ihm von diesem im Liede, Operntexte vorempfunden, also ob- jectiv gegeben. Aber dies ist ein unendlich loseres Berhältniß als ein Stofftansch anderer Künste. Denn der Musiker über­setzt den Stoffin eine absolut neue Form", die mit dem Inhalt, welchen ihr die Poesie leiht,nicht in ein direct congrnentes Berhältniß tritt". Wie steht es aber mit dem so bestimmten Zeich­nen und Malen einer Empfindnngs- bewegung, wenn der Musiker eine solche vom Dichter vorempfundene in eineab­solut neue Form" bringt, die im losesten Berhältniß zum gegebenen Stoff steht? Wie soll der Widerspruch gelöst werden, wenn einerseits (S. 829) von der Vocal- musik feststeht:Je strenger an den Text gebunden, je mehr deklamatorisch, um desto weniger echt musikalische Schönheit, je reiner entwickelte Musik, desto losere Ab­weichung vom Texte", und wenn dann (S. 983) doch wieder gesagt wird, die Vocalmnsik sei in gewissem Sinne doch die wahre eigentliche Musik? Dies wird

* Dieseempfindende Phantasie" gestaltetim

Elemente des Hörbaren". Hier ist die Musik vor­

gezeichnet, ihr Stoss ist derempfindende Mensch", und je mehr eine Sphäre des Stoffs Erregungen des innersten Lebens mit sich führt, um desto will­kommener muß sie ihr sein. Zu diesen Erregungen rechnet Bischer auchdie Freundschaft". Diese hat meines Wissens nur ein einziger Musiker als Vor­wurf für ein Tonwcrk gewählt und zwar Kälkbrenner! Er hat ein RondoOnZs N'anritis« geschrieben.

unter Anderen! in folgender Weise argu- mentirt:So tief nun auch die Jnstru- ? mentalmusik durch Reichthum, Großartig- ! keit u. s. w. ergreifen und staunenmachen ! mag, sie geht doch über das unterschei- ! dende, speeifische Wesen der Musik auch ! schon hinaus, sie ist phantasievolle Poesie,

! die sich in freiem Gedankenfluge über den ' einfachen Gefühlsausdrnck erhebt,* sie ist Malerei, die ihn mit mannigfaltigsten Klangfarben nmgiebt, sie ist Zeichnung, die ihn ausschmückt mit einem verschlungenen Gewebe von Figurationen,** deren wech­selnde Formen bereits der Phantasie der inneren Anschauung überhaupt,*** nicht mehr bloß der empfindenden Phantasie als solche oder der, Empfindung selber ! entsprechen. Weil somit hier die Musik über ihren specifischen Charakter hinaus sich erweitert (?) und zugleich Phautasie- kunst, allgemeine Kunst wird ... so macht sich am Ende gebieterisch die Rückkehr zu bestimmtem Gefühlsausdrnck geltend ... von der Instrumentalmusik müssen wir schließlich entweder hinweg zur eoncreteren Kunst der reinen Phantasie, zur Dicht­kunst, zu deren Einleitung und Beglei­tung (?) sie eben darum sich so vortreff­lich eignet, oder wir müssen zurück zum Gesänge, der uns zur ursprünglichen Hei- math der Musik, zum unmittelbar klaren Empfindnngsergusse zurückführt." Es ist bedenklich für eine Kunst, wenn sie erst ^ durch ihre Bereinigung mit einer anderen ^ zu ihrer specifischen Wesenheit gelangen ! kann, und ich glaube, Bischer-Köstlin be- ! findet sich hier in einem Jrrthume, so schön er auch seine Ansicht dargelegt hat. Was das Buch noch über die Einzel­momente, dann über Instrumentation und Form der musikalischen Kunstwerke sagt, bietet überall höchst Anregendes und Be­lehrendes, wenn auch Manches mehr ideell gedacht als der Fachkenntniß und Erfah­rung gegenüber haltbar erscheinen mag.

Köstlin, der eigentliche Verfasser des größeren Theiles der von Bischer ver­öffentlichten Musikästhetik, hat unter sei­nem eigenen Namen eine umfangreiche Aesthetik heransgegeben und selbstverständ-

* Mich dünkt, das wäre eben das speeifische ^ Wesen der Musik.

** Ganz richtig! Wieder etwas specifisch Musi­kalisches !

> *** Wieder specifisch Musikalisches!