Heft 
(1881) 297
Seite
279
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Wovor? Vor mir?"

Nein, vor ihm! Und er ist überall. Und daß ich dir's nur gesteh', es ist mir oft, als ob die Wände unseres Hauses Ohren hätten und als wär' ein Auge be­ständig um mich und über mir, das Alles sieht."

Und das ist auch! Aber vor dem Auge fürcht' ich mich nicht."

Und ich auch nicht, Martin, auch wenn es ernst und streng sieht. Aber das Auge, das ich seh', das ist nicht Gottes Auge, das ist seines und ist finster und glüht darin, auch wenn es freundlich sieht. Fühle nur, wie mir das Herz schlägt und wie ich zittere..."

Weil du mir's versprochen hast ..

Was?"

Daß wir uns sehen... Nicht unter diesem Dach, ängstige dich nicht, aber unter Gottes freiem Himmel, oben aus Ellernklipp."

Sie schmiegte sich an ihn, und ihre Seele wuchs in der Vorstellung eines solchen Sichtrefsens aus einsamer Klippe. Martin aber fuhr fort:Oder lieber auf Knnerts-Kamp, da, wo deiner Mutter Hans stand... Und um sechs ist die Sonne weg, und da komm' ich und finde dich! Und vorher pflückst du Beeren. . . Es giebt ihrer noch, und die rothesten .. "

Aber er brach ab, weil er vom Flur her Grissels's Stimme zu hören glaubte.

Martin und Hilde, als sie gestört wur­den, hatten ihren Weg über die Brücke genommen, wie wenn sie zu Sörgel hin­über wollten. An der Kirchhofsmauer aber kehrten sie wieder um und gingen auf die Steine zu, die durch den Bach gelegt waren und in ihrer Verlängerung gerade auf den Hof zuführten. Hier tra­fen sie Griffel, die ganz Geschäftigkeit war, und hörten, wie sie zu Joost sagte:

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Mach' flink. Et is all an twelven. Un he kann mit eens wedder doa sinn."

I, he is joa all," antwortete Joost. All lang. He käm joa so glieks nah elven, un ick soah em, as he de Grastrepp' runner koam. Un denn dicht ant Hnus vorbi. Heft em denn uich siehn? . .. Nei, nei, du kunnst joa nich. Du stunnst joa noch mang de Stoakens."

Hilden überlief es wie der Tod.

Jott," fuhr Griffel fort.Du bist joa binoah as uns' oll Jätesru is, de seiht ook Allens vorut, un man künn sich ornt- lich grulen vor di. Na, en bäten will ick noch töwen. Ick segg di, he kümmt nich vor twelwen. Un an mi kümmt keen een vorbi, dat ick't nich weeten deih. Awers kuck eens in. Wenn he doa is, möt he joa doch in fiene Stuv sinn."

Joost ging hinein und kam verblüfft wieder.Nei, he is nich in. Un ook nich in Küch' un Keller... Awers mi wihr doch so."

Joa, mi wihr so," wiederholte Grissel. Di is ümmer so. Du hest ümmer een Paar Ogeu to veel iu'u Kopp. Uu denn Gvk nioal wedder en Poar to wen'g."

Unter diesem Gespräch, das sich noch weiter fortsetzte, waren die Geschwister vom Hof her in den Flur getreten, und Martin ging an den Rechen, wo die Jagd­taschen und die Gewehre hingen. Er nahm eine der aus Hanfgarn geflochtenen Taschen und flüsterte, während er die Schwester an sich zog:Und nun vergiß nicht, Hilde. Du weißt doch: Ein Mann, ein Wort!" Und danach rief er den Hund, der aber nicht kam, und ging auf Diegell's Mühle zu.

Hilde sah ihm von der Treppe her nach.

Und nun wollte sie sich wieder auf die Steinbank setzen, aber sie konnte es nicht, weil ihr alle Furcht und Angst znrück- kehrte, die Martin's Zuversicht auf wenig Augenblicke nur aus ihrem Herzen ver­bannt hatte. So schwankte sie denn, wohin

Ellernklipp.