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Illustrirte Deuts
genommen hätte. Vielmehr schloß ihn Mancher in sein Gebet ein und betete zn Gott, daß er ihnen den alten Sörgel, krank oder gesund, noch lange Zeit erhalten möge. Denn er war ein guter, christlicher Mann, christlich in seinem Gemüthe, wenn auch nicht immer in seinem Bekenntniß, und liebte seine Gemeinde, darin er über sünfzig Jahre getraut und getauft und mit all' seiner Aufklärung keinen nachweisbaren Schaden angerichtet hatte.
Und wie drinnen in Pfarr' und Kirche, so war auch draußen auf dem Kirchhof Alles beim Alten geblieben, und wenn ein Unterschied gegen früher war, so war es der, daß die Stechpalmen etwas höher über die Feldsteinmauer hinausgewachsen und zwei Gräber etwas besser gepflegt waren als seit lange: das von Hilde's Mutter und das von des Haidereiters erster Frau. Beide standen wieder in Blumen, und während auf dem einen die Gitterknöpfe neu vergoldet waren, waren auf dem anderen die gelben Buchstaben und das Dach über dem Holzkreuz erneuert worden.
In der That, nichts hatte sich verändert, und wer in die Thalschlucht einbog, der hörte wie früher das Klappern und Stampfen von Diegel's Mühle her und sah wie früher die schrägliegende Tanne, die von Ellernklipp herab ihre Nadeln auf den schmalen, an der Felswand hinführenden Fußweg streute. Nichts hatte Wandel oder Abweichung erfahren, auch das Einerlei des Herkommens nicht, und die Tage dreier Jahre, weil sie so gleichmäßig gewesen, waren auch dem Gedächt- niß gleichmäßig entschwunden.
Alle, nur einen ausgenommen. Und wenn dieser eine, was nicht selten geschah, unter mancher Zuthat und Ausschmückung in der Spinnstube durchgesprochen wurde, so hieß es von der einen Seite: wie schön sie gewesen sei und wie blaß. Aber Andere lachten bloß und bestritten es und
chc Monatshefte.
sagten: sie sei nicht blasser gewesen als sonst. Und warum auch? Es sei doch, trotz seiner fünfzig, ein Glück für sie. Denn was habe sie denn mitgebracht in die Ehe? Natürlich die langen Wimpern. Aber die Wimpern, du mein Gott, die Hütten ja von Jugend auf die Mauser gehabt, und neben einer fehlten immer zwei. Und dann das bischen rothe Haar. I nun, das möchte gehen. Aber woher habe sie's denn? Bon der Muthe nicht, die sei schwarz gewesen; und von dem Rochussen erst recht nicht, der sei pechschwarz gewesen und eigentlich überhaupt bloß ein Zigeuner.
Und so ging das Gerede und Gelach'. Aber an dem Tage, wo die Hochzeit stattgefunden hatte, da war es anders gewesen, und Alles hatte sich herzugedrängt, um das Paar zu sehen. Ueberall, an der Hecke hin, hatten sie schon vom ersten Läuten an gestanden, und in der Kirche hatte kein Apfel mehr zur Erde gekonnt. Und hatte nicht anders sein können, denn auch viele Jlseburger waren herübergekommen, und in dem gräflichen Chorstuhl hatte nicht bloß die Gräfin gesessen, sondern auch ihr Besuch: Offiziere aus dem Preußischen und Sächsischen her, und darunter ein alter General mit bloß einem Auge und einem schwarzen Seidenfleck auf dem anderen. Und dann war der alte Sörgel von der Sacristei her erschienen und hatte vor dem Altar ein kurzes Gebet gesprochen, ernst und schön; aber eine kleine Weile, da war ihm das Zittern gekommen, an dem er noch mehr litt als an dem Schwindel, und sie hatten ihm einen Stuhl bringen müssen. Und weil er nun so niedrig saß, waren Baltzer Bocholt und Hilde niedergekniet, und so zu den Knieenden hatte der Alte gesprochen und ihnen die Traurede gehalten. Er hatte den Text dazu wohlweislich aus dem Buche Ruth genommen, weil er sich der Vorliebe Hildens für das Weib