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des Boas aus früheren Tagen her sehr wohl erinnert hatte. Der Text aber hatte gelautet: „Und Ruth sprach zu Naeini: Laß mich aufs Feld gehen und Aehren lesen, dem nach, vor dem ich Gnade finde." So waren die Worte gewesen, über die der Alte geredet, eindringlich, liebevoll und kurz. Und als er zuletzt die Formel gesprochen und sie zusammengegeben, hatte sich Hilde von der Bank erhoben, auf der sie gekniet; aber Baltzer Bocholt war noch auf seinen Knieen geblieben und hatte sich erst aufgerichtet, als ihm Hilde zngeflüstert, es sei Zeit. Und danach hatte Jeder sehen können, wie's ihm um den Mund gezuckt, Keiner aber deutlicher als der alte Melcher Harms, der all die Zeit über unterm Chorstuhle der Gräfin gestanden.
Und danach hatte man die Kirche verlassen, und alle Geladenen waren in das Hochzeitshans hinübergegangen, um an dem Schmaus und der Freude des Tages theilznnehmen; an Melcher Harms aber, der seitens des Haidereiters nicht aufgefordert worden, war einer der gräflichen Diener mit der Weisung herangetreten, daß ihn die Gräfin um die sechste Stunde zu sprechen wünsche.
Da hatte sich der Alte verneigt. Und mit dem sechsten Glockenschlage war er erschienen und durch die große Halle hin auf einen mit einem vergoldeten Gitter eingefaßten Balcon geführt worden, aus dem die Gräfin mit ihren Gästen Platz genommen und eben ein angeregtes Gespräch begonnen hatte. Zumeist mit dem alten General, der quer saß und mit seinem zugeklebten Auge — denn die Dinge dieser Welt bedeuteten ihm nichts mehr — in die Landschaft sah. Als aber die Gräfin ihres Schützlings ansichtig geworden, hatte sie sich erhoben und ihn ihren Gästen als ihren „besten Freund" vorgestellt, was bei den jungen Herren ein Lächeln und eine Verwunderung, bei dem alten
Monatshefte, N. 2>>7. — Juni 1381. — Biene Fc
Ulern klipp.
General indessen, der ein Zinzendorf'scher war, eine freudige Zustimmung gefunden hatte.
„Setzt Euch, Melcher Harms. Hierher, bitte. Ich habe den Herren von Euch erzählt. Und der Herr General, der im Bekenntniß steht und an die Wunder und Wege Gottes glaubt, möcht' Euch kennen lernen und ein Wort von Euch vernehmen. Ihr wäret in der Kirche heut' und habt den alten Sörgel gehört. Wie schien er Euch?"
„Er hat mir das Herz getroffen. Und das hat er, weil er die Liebe hat. In der steht er und wirket in Segen, ob- wohlen er den Quell des Glaubens vermissen läßt, um die, die wahrhaft dürsten, damit zu tränken. Er hat nur die zweite Liebe, die Menschenliebe... Zumeist aber liebt er die Hilde, das liebe Kind, das nun heute seines Pflegevaters ehelich Weib geworden ist. Und Gott gebe seinen Segen und thue das Füllhorn seiner Gnaden auf und woll' Alles zum Guten und Besten wenden."
„Aber, Vater Melcher, das klingt ja fast, als fürchtetet Ihr ein Gegentheil! Und ich denke doch, Alles liegt gut. Ich habe wohl reden hören von des Haidereiters Sohn und daß sie den geliebt hätt' und nicht den Alten. Aber Ihr wißt, wir haben ihn in unseren Amtsblättern aufrufen lassen und danach in allen Gazetten, ohne daß er gekommen wär' oder ein Zeichen seines Lebens gegeben hätte. Und ist nun todt befunden und erklärt. Oder glanbt Ihr, er werde wiederkommen?"
„Er wird nicht wiederkommen," antwortete Melcher, indem er seine Stimme hob. „Und wenn er wiederkommt, so kommt er, woher wir ihn nicht rufen können. Und kommt freiwillig, um noch zu ordnen, was zn ordnen ist. Denn ewig und nnwandelbar ist das Gesetz!"
Alle horchten ans.
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