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Fontane: Ellcrnklipp.
Die jungen Offiziere ihrerseits hatten inzwischen ihren Uebermuth wiedergewonnen und zogen sich, ungestört von der Gräfin, in eine Balconecke zurück, die jedem einzelnen einen Blick auf das Thal und das gegenüberliegende Haus des Haidereiters gönnte.
„Sieh, Lothar," sagte der eine, „sie stecken jetzt drüben die Lichter an."
„Aber ohne Hymens Fackel."
„Es wird so schlimm nicht sein," entgegnete der erste wieder. „T'rrppstit viont. .. Und nun gar die: blaß und rothblond, und matt und müde. Wir sagen ,lÄnZuis8o.nt^ ich denke, wir wissen, was es meint."
„Aber llrnAuis8k>nt ist irdisch. Und du hast doch gehört, mit dem Irdischen ist es sür sie vorbei."
„Nicht doch. Er sprach bloß von der Zukunft. Und wenn wir aus die warten, ich mein' ans die Zukunft, so wachsen wir uns auch noch in die himmlische Liebe hinein. Beiläufig, wie denkst du sie dir?"
„Entbehrlich."
Und sie lachten und medisirten weiter.
In des Haidereiters Haus aber wuchs der festliche Lärm, und als spät nach Mitternacht Alles heimkehrte, war Keiner, der nicht versichert hätte, daß dies die lustigste Hochzeit seit Menscheugedenken gewesen sei.
„Und je lustiger die Hochzeit, desto glücklicher das Paar."
Ja, das war der Tag, der unvergessen in Emmerode sortlebte, und nur einer war, der eine beinahe gleiche Theilnahme geweckt hatte, der, an dem es hieß: „Die Störche ziehen, aber in Bocholt's Haus ist einer angekommen." Und so war es; Hilde war eines Kindes genesen, eines Knäbleins mit spärlichem rothblondem Haar, und die weise Frau hatte gesagt:
„Es wird nicht alt. Es ist zu hübsch und zu durchsichtig und sieht aus, als wüßt' es Alles."
Und nur zu bald zeigte sich's, daß die weise Frau richtig gesprochen, obschon es anfänglich gedieh und runde rothe Backen hatte. Doch ehe noch ein Vierteljahr um war, konnte Jeder sehen, daß es krank war, denn mit eins wurde es blaß, und seine Wimpern schlossen sich und das Athmen wurde ihm schwer. Und wenn dann der Anfall vorüber war, schlief es ein und nahm keine Nahrung und schlief viele Stunden lang, als wäre es todt. Und dann kniete Hilde vor der Wiege nieder und seufzte leise: „Armes Kind," und küßte es, erst still und dann leidenschaftlich; ach! sie dürft' es, ohne Furcht und Sorge, es aus dem Schlafe zu wecken. Das müde Kind schlief eben weiter. Und zuletzt kam Griffel, die, seit das Kind da war, wieder ! zu Hilde hielt, und schickte die junge Frau hinaus, in Feld oder Garten, „daß sie ! doch mal was Anderes säh' als das arme kranke Wurm", und setzte sich selbst heran, aus einen Schemel oder eine Fußbank, i und saug ihr „Bukükeu von Halberstadt"
! mit solcher Gewalt über die Wiege hin,
! daß es immer war, als ob sie dem Kinde ! was von ihrer eigenen Lebenskraft eiu- ! singen wollte. Und dabei ging die Wiege i wie auf hoher See. Wenn dann aber ein neuer Anfall kam, so holte sie heiße i Tücher vom Ofen oder aus der Küche her und legte sie aus den Leib des Kindes; denn sie hatte ganz bestimmte Heilmittel und ging davon aus, daß es ein „Reißen" sei; „Kinder hätten immer das Reißen, und sei kein Unterschied, ob in Kopf oder Zahn, oder Ohr oder Leib." Aber die heißen Tücher machten es nur schlimmer, und die heftigen Anfälle minderten sich erst, als Griffel eines Tages mit dem alten Melcher Harms gesprochen und dieser ihr gesagt hatte: sie solle die heißen Tücher lassen und statt ihrer einen