Heft 
(1881) 297
Seite
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Fontane: Ellernklipp.

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langsam und vorsichtig ihnen nach. Und nnn waren es keine zehn Schritte mehr, und er blieb stehen und horchte nach der Tiefe hin und sagte zu dem dicht neben ihm gehenden Alten:Ich glaub', es ruft... Habt Ihr nichts gehört, Sägemüller?"

Nei..

Baltzer lächelte vor sich hin und wußte nnn, was er wissen wollte, daß es eine Sinnestäuschung gewesen und daß es nicht unten in dem Elsbrnch, sondern in ihm selber gerufen habe. Dennoch erschrak er bis in seine tiefste Seele hinein, als der Alte, der wieder hinabgehorcht hatte, mit einem Male sagte:Awers nu, Haide­reiter. Joa. Nu hür' ick't... Et röppt."

Und wirklich, es war, als riefe was. Und als der Haidereiter in eben diesem Augenblicke sich umsah, sah er, daß der Vollmond hinter dem Tannenwald auf- stieg. Und er schrie laut ans und sagte, während er seine letzte Kraft znsammen- raffte:Geht nur. Geht immer vorauf. Ich muß sehen, was es giebt. Und sagt meiner Frau, daß ich Nachkomme. Geht."

Und der Sägemüller, dem es unheim­lich geworden war, ließ ihn allein und ging in raschem Schritte den Anderen nach, die schon, am Außenrande von Knnerts-Kamphin, wieder abwärts stiegen.

Und an eben diesem Gelände hin zog auch der Vortrupp, die Burschen und Mädchen, die dicht hinter Ellernklipp ihre frühere Weise wieder ausgenommen hatten:

Cr nahm aus seiner Taschen Ein Messer schars und spitz . . .

Und nnn schwieg das Lied und brach ab, denn ein Schuß siel und hallte durch die Berge wider. Aber es war ja Jagd­zeit und Besuch ans dem Schloß, und in einem weinerlichen Tone sangen sie gleich­gültig danach weiter:

Ach, reicher Gott vom Himmel,

Wie bitter ist mein Tod.

Auch Hilde hatte den Schuß gehört, ohne sich viel darum zu kümmern, und sang nur leise mit und freute sich; denn das Kind auf ihrem Arme war einge­schlafen und athmete so still und ruhig, als ob es der erste Tag seiner Gesundheit wäre.Ach, wenn es leben bliebe!"

Und so stiegen sie gemeinschaftlich die ; Berglehne hinunter, und Hilde horchte ! noch dem Gesänge nach, als sie sich vor ! des Haidereiters Hanse von ihrer Beglei­tung getrennt hatte. Gleich danach aber kam Griffel und nahm das Kind und ließ sich erzählen, und war wie gewöhnlich voll guter Lehren und wußte ganz genau, wie's hätte gemacht werden müssen. Auch das mit dein Jagdwagen. Aber mit dem ^ Alten, da sei nichts mehr. Er sei zu ! eigensinnig und wolle immer mit dem Kopf durch die Wand.

! Eilie ganze Weile ging so das Geplau- > der, und Beide waren eigentlich froh, den Haidereiter nicht mit dabei zu haben. End- ^ lich aber wurde Hilde doch stutzig und wunderte sich, daß der Vater noch nicht da sei. Denn sie nannte ihn noch im­mer so. Griffel aber wollte von Angst und Sorge nichts wissen und sagte nur: Er hat den Schuß gehört, und da ver- ! steht er keinen Spaß und sieht, was es ist.

! Es fängt ohnedies das Wildern wieder ' an, weil er's eine Weile hat gehen lassen, i Und das verdrießt ihn. Und gieb Acht,

! er macht's ein Ende." l Hilde ließ es gelten. Als aber wieder ! eine Zeit um war, sagte sie:Wir müssen ! ihn suchen gehen. Und sage nicht nein. Und wenn Niemand geht, so geh' ich selber. So furchtsam ich bin."

! Und all' das sagte sie so bestimmt, daß ^ der Griffel auch der Gedanke kam, es könne was passirt sein. Und so ging sie , zu Joost in den Stall, um ihn fortzn- i schicken.

Der machte sich auch auf den Weg, und der jungen Frau wurde wieder freier