Heft 
(1881) 297
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ums Herz, als sie sah, daß wenigstens etwas geschah. Aber sie hatte doch keine Ruhe und ging hin und her und sah den Weg und das Gebüsch hinauf, von wo der Vater jeden Augenblick kommen mußte. Und wenn nicht er, so doch Joost.

Und so war sie schon viele Male auf die Treppe hinausgetreten. Immer ver­geblich. Aber jetzt klang es ihr wie Stimmen und war ihr, als ob sie dicht an der Stelle, wo die zwei Silberpappeln standen, einen Schatten und eine Bewe­gung sähe. Und wirklich, es war so, und über eine lichte Stelle weg, auf die gerade das Mondlicht fiel, erkannte sie vier oder fünf Gestalten. Und es war ihr, als trügen sie was. Und auf einen Schlag stand wieder der Tag vor ihrer Seele, wo sie den Maus-Bugisch auf eben diesem Wege herangeschleppt hatten, und eine furchtbare Angst befiel sie, daß sich ihr das Grauen jenes Tages erneuern könne.

Sie wollte Gewißheit haben, je früher, je besser, und schritt rasch und entschlossen die Stufen hinunter und dem Zug ent­gegen. Als aber Joost ihrer ansichtig wurde, ließ er halten und winkte, daß sie von der Straße weggehe und wieder ins Haus znrücktrete.

Vergebens! Sie blieb angewurzelt stehen und wartete, bis Alles heran war.

Und nun nahm sie die Tannenzweige fort, die die Träger über das Antlitz des Todten gedeckt hatten.

Es war Baltzer Bocholt, der ihr ein paar Blutstropfen in seinem grauen Bart ernst und beinahe finster entgegen­starrte.

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Wochen waren vergangen.

Ein Heller Octobertag lag über dem Thal, die Sonne blitzte hoch im Blauen, und wer ins Thal kam und sein Auge nicht bloß auf den Weg richtete, der freute sich der Berglehnen, die jetzt ganz in Roth

che Monatshefte.

standen, und der breiten Wiesenstreifen dazwischen, die nach dem Nebel, der über Nacht gefallen, überall jetzt von Thau glitzerten.

Alles war hell und still, am stillsten aber des Haidereiters Haus, das man bei seinen weit offen stehenden Thüren und Fenstern für unbewohnt hätte halten können, wenn nicht das Aufstiegen der Tauben und das Gackern der Hühner und dazwischen ein tactmäßiges Schlagen und Klopfen das Gegentheil verrathen hätte. Das Schlagen und Klopsen aber rührte von Joost und Griffel her, die die Kiffen des hochlehnigen Sophas aus der guten Stube von ihrem Sommerstaube zu rei­nigen trachteten. Und daneben lagen Lein­wandkappen, die für den langen Winter darüber gezogen werden sollten, für den langen Winter und vielleicht für länger noch.

Ja, es waren unsere planderhasten alten Freunde, die sich übrigens heute, so lange sie bei dem lauten und lärmenden Theil ihrer Arbeit waren, eines vollkommenen Schweigens befleißigten. Immer aber, wenn wieder eine der Kappen überge­zogen wurde, benutzte Griffel den stillen Moment, um das vorher unterbrochene Gespräch an bestimmter Stelle wieder aufznnehmen, ein Gespräch, das sich selbst­verständlich um die letzten drei Wochen: um den Tod des Haidereiters und seines noch in derselben Nacht ihm nachgestorbe­nen Kindes drehte. Wohl auch um das Gerede der Leute darüber, ja darüber zu­meist, und wer von dem Garten oder dem Heckenzaune her ihrem Gespräch hätte folgen können, der hätte bald heraus­hören müssen, daß es vorzugsweisedie getrennten Grabstellen" waren, was alle Welt in Verwunderung gesetzt hatte. Dem alten Haidereiter nämlich, von dem es in Sörgel's Leichenrede geheißen hatte, daß er im Kampf erschossen worden sei, hatte man sein Grab an einer neuen, etwas bergan gelegenen Stelle gegeben, während