Heft 
(1881) 298
Seite
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Wessely: D

Gardener und Beresford), die den Hymen decoriren, bei allem Raffinement der Technik etwas von einemlebenden Bilde". Porträts einzelner Damen erheben sich fast durchgehends über das Niveau all­täglicher Auffassung; das Bildniß der Chambers (s. Abbildung S. 485) zeigt wie so viele andere, daß er die großen alten Meister sehr wohl verstand und zu verwertheu wußte.

Thomas Lawrence (1769 bis 1830) endlich ist ein geborener Porträtmaler. Im Beginn seiner Künstlerlaufbahn wollte er historische und mythologische Darstel­lungen malen, aber seine Helden trugen die untrüglichsten Physiognomien stadt­bekannter Persönlichkeiten. Zum Glück sür ihn ging er zum Porträt über. Er war bald ein Maler der Mode, ein Lieb­ling der Frauen, besonders der schönen und verliebten, da er sie noch schöner und verliebter zu malen verstand. Vor seiner Wohnung stand stets eine Reihe der glänzendsten Equipagen; man wartete gern, wenn man mir überhaupt an die Reihe kam. An der Thür seines Ateliers war der Preiscourant angeheftet: Büste 200, Halbfigur 400, Kniestück 500, ganze Figur 600 bis 700 Lstr. Ein Porträt malte er in zwei Tagen. Da er kein j

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vornehmes Haus führte, überhaupt ein­gezogen lebte, so sammelte er ein großes Vermögen. Seine Bildnisse sind in Eng­land meist auf den Landsitzen der Reichen zerstreut, der Kunstwissenschaft also wenig zugänglich. Was ihn der großen Welt näher brachte, sind die Bildnisse der be­rühmtesten Männer seiner Zeit, wie eines Wellington, Blücher, Metternich, Pius VII., des Cardinals Consalvi.

Wir stehen am Ziele. Die moderne Porträtkunst haben wir absichtlich nicht in den Kreis unseres Artikels gezogen, weil erst die Nachwelt zu nrtheilen hat, wie sie sich zum Ideal der Kunst stellt. Auch kann man leicht an ihre Werke die Sonde kritischen Urtheils legen, zu dessen gerechter Anwendung wir wohl im All­gemeinen wie in der historischen Excur- sion Winke gegeben haben. Daß sich ein gesunder Sinn vielfach bewährt, ist nicht zu leugnen. Maler wie Bild­hauer arbeiten um die Wette, den kom­menden Geschlechtern ein treues Bild der Gesellschaft von heute zu hinterlassen. Möge die Zukunft vor diesen Werken mit derselben Bewunderung stehen, wie wir sie vor einem Meisterwerke der von uns hervorgehobenen Künstler em- j pfinden!