Heft 
(1881) 298
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Die Indianer C alifornicn §.

_^_Elcho:

ins Grab, beugte sich über dasselbe und rief ihm unter Thränen ins Ohr:

Mein armer Liebling, leb wohl! Ach, du hast einen weiten Weg vor dir zum Geisterland und mußt allein gehen; Nie­mand von uns kann dich begleiten. Höre genau zu, was ich dir sage, und glaube sicher, ich rede die Wahrheit. Im Geister­land giebt's zwei Wege. Einer ist der Rosenpfad, der zu dem Land im Westen führt, weit über dem großen Wasser; dort findest dn deine Mntter. Der andere ist

schlecht, so kommt ein mächtiger Falke und frißt die Seele auf mit Knochen und Federn.

Die Nishinams geben ihren Todten eine kleine Aussteuer mit für die Reise nach dem Land der Seligen im Westen. Ein Häuptling, der den NamenCaptain Tom" führte, hatte einen Sohn, Namens Dick, welcher sehr schlimme Streiche machte. Eines Tages kam der Sheriff, legte Dick Fesseln au und führte ihn fort auf Nimmerwiedersehen. Die Alten wein-

Hölzernes Siegesdenkmal.

mit Dornen und Disteln besetzt und führt ins dunkle Land, das voller Schlangen ist. Hier würdest du ewig wandern und nie zur Ruhe kommen. Geh' den Rosenpsad, Kleine, hörst du, der leitet dich zu dem schönen goldigen Land im Westen, wo ewiger Morgen herrscht. Mag der große Karaya (der Führer der Abgeschiedenen) dir helfen, daß du ans Ziel kommst, denn deine kleinen Füße müssen allein wandern. Leb wohl, Liebling."

Wenn ein Kelta stirbt, so glauben seine Angehörigen, seine Seele fliege als ein leichtbeschwingtes Vögelchen znm Geister­land im Westen. War der Indianer nun

ten bitterlich, und da ihr Sohn für sie todt war, legten sie alle Gegenstände, die demselben gehörten, auf einen Scheiter­haufen. Später starb ein Bruder Dick's. Captain Tom verbrannte dessen Leiche und streute die Asche auf Dick's Scheiterhaufen. Darauf zündete er diesen an und ver­brannte Alles. Die Eltern wurden zu dieser Procedur durch die Annahme ver­leitet, daß der jüngere Sohn im Geister­land zum Ueberbringer der Kleider und Geldgeschenke werde, welche sie für Dick bestimmt hatten.

Als die Spanier sich in Kalifornien niederließen, war das schöne Land voll

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