Heft 
(1881) 299
Seite
558
Einzelbild herunterladen

Znga S v e n d s o n.

Novelle

von

Otto Roquette.

a ist sie ja wieder, die räthsel- hafte Erscheinung!" sagte ein alter Herr, welcher in einer Gruppe von Curgästen saß, indem er mit den Augen gelassen nach einer bestimmten Richtung deutete.Wer? wo?" fragten einige Stimmen, sich lebhafter nach der angedeuteten Seite wendend.Das schöne Mädchen," fuhr der Sprecher fort,wel­ches, in hocheleganter Toilette allein durch die Menge wandelnd, uns neulich auffiel." Dann wird Baron Mühlich wohl auf ihrer Fährte sein!" meinte die Gräfin Spach.Er fehlt seit fünf Minuten in unserem Kreise." Die Uebrigen lächelten, die Gräfin aber wendete sich zu ihrem Nachbar mit der raschen Frage:Sollten Sie nicht schon etwas über die Fremde erforscht haben, Herr von Schellborn?" Sie warf die Worte mit einem gewissen boshaften Blick und Ton hin, dessen Ab­

sichtlichkeit dem Angeredeten nicht entgehen konnte. Dieser, ein wohlgebildeter, statt­licher junger Mann mit blondem Voll­bart, verneigte sich und entgegnete:Be- daure, nicht dienen zu können, Frau Gräfin! Erst seit zwei Tagen am Orte und nur auf der Durchreise, besitze ich eine geringe Kenntniß der anwesenden Gäste." Die Gräfin ließ das Thema fallen, um sich mit ihrem Nachbar über andere Dinge zu unterhalten. Plötzlich aber sich unterbrechend, sagte sie zu ihrem Gemahl:Max, ich weiß, der Boden brennt dir unter den Sohlen! Ich gebe dir die Erlaubniß, eine Weile allein zu promeniren. Geh' nur und dann erzähle uns etwas von Baron Mühlich!" Der Graf, auch noch ein junger Mann, lachte, aber die Schnelligkeit, mit der er sich erhob, zeigte, daß er von der Er­laubniß seiner Gemahlin gern Gebrauch