Heft 
(1878) 39
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bei langsamer Bewegung der Platte zu registriren vermag. Mit diesem Apparate ist das dem Erfinder vorschwebende Ideal seiner Bestrebun­gen, versendbare ge­sprochene und wie­der sprechende Brie­fe herzustellen, ver­wirklicht; ja ein ganzes Buch ver­mag mau auf diese Weise zu phouo- graphiren. Auch das Telephon hat Edison derart ver­bessert, daß daran kaum noch etwas zu thun übrig bleibt. Die fein­sten Stimmnuau- cen, Accente, Ton- farbc, musikalische Töne werden uns durch seinen Appa­rat mit einer Deut­lichkeit zugetragen, als wären sie im nämlichen Zimmer erzeugt. Edisons Fernsprecher basirt auf dem Princip, die Stärke eines elektrischen Stro­mes genau den He­bungen und Sen­kungen der hinein- gesprocheneu Tone gemäß zu verän­dern. Noch wun­derbarer ist Edi- fons Gesangste­lephon. Wie die Töne einer sanften Flöte, Klarinette oder einer Aeols- harfe quellen die Melodienin un­getrübter Reinheit", wie Herr Ocker schreibt, aus dem kleinen Apparat hervor, dessen Kur­bel Edison drehte und der diese Sphä­renmusik bald har­monisch anschwellen, bald flüsternd er­sterben ließ. Das Sprachtelephon re- produzirt aller­dings Worte und Töne, letztere aber nicht musikalisch rein; auf Edi­sons Apparat jedoch werden nur wortlose Töne, gleichviel ob durch Vokal- oder Jnstrumentalmittel erzeugt, durch die Wirkung des elek­trischen Stromes auf einen Papierstreifen hervorgebracht, der in eine chemische Mischung getaucht ist.

Es scheint, so schreibt der angeführte Berichterstatter, gar kein Ende bei all den Erfindnngszanbereien des einzigen Mannes zu geben. Ae

länger man sich bei ihn: umblickt, desto mehr inter­essante Gegenstände fallen ans. Es ist bekannt, daß Edi­son der Erfinder der elektrischen Feder ist, die fast zahllose Vervielfäl­tigung von Briefen und Cirknlaren ge­stattet und von der bereits 18,000 Exemplare verkauft sind.

Er hat auch eine elektrisirte Stimmgabel konstrnirt, die eine Nahmaschine in Be­wegung setzt, so daß sie 180 Stiche in der Minute aus führt. Am über­raschendsten ist wohl sein phonogra- phischer Uhren­apparat, der im Gehäuse der Uh­ren angebracht, die Stunden mit menschlicher Stim­me ausrnft, statt mit dem bisherigen Anschläge. Man mag dies natür­lich als phonogra- phische Spielerei bezeichnen. Dage­gen ist Edisons ÄeroPhon eine segensreiche Erfin­dung. Dieser Ap­parat ist bei un­geheuren Tonvo- lnmen auf vier bis sechs englische Mei­len zu vernehmen und kann zu Sig­nalzwecken : wie

den Schiffen zur Warnung vor ge­fährlichen Seekü­sten, zu Meldun­gen beim Trup­pendienst, zu Feuermeldungen u. s. w. benutzt werden.

Wenn alles das in die Praxis tritt und sich im ganzen Um­fange bestätigt, dann gebührt Edison allerdings die Bezeichnung, die man ihm in Amerika beilegt: der Zauberer von Menlo - Park.

Edisons Phonograph, p/s der natürlichen Größe.)

Amalie von Lasauts.

Ein Charakterbild aus der katholischen Kirche.

Nachdruck verboten. Ges. v. 11./VI. 7v.

Von v. Wilhelm Herbst.

Handeln und Leiden sind die Fäden, aus denen das Ge­webe dieses Erdenlebens gewirkt ist, und oft ist das eine die Ursache des andern. Das hat in unseren Tagen kaum ein Leben so nachdrücklich erfahren und kaum ein anderes kann es beredter lehren als das der edlen Frau, von der wir reden wollen. Ihr Lebensbild in knappem Rahmen zu zeichnen, ist uns leicht gemacht, vielmehr erst möglich geworden durch zwei Erinnerungsschristen von berufener Hand*), die, dicht einander folgend, aus den ursprünglichsten Quellen der Anschauung und Mittheilung geschöpft, mit treuer Liebe zu der Person und mit freiem Ueberblick über die umgebenden Zustände geschrieben,

*) Erinnerungen an Amalie von Lafaulx, Schwester Augustine. Gotha, F. A. Perthes, 372 S. gr. 8; und A. v. L., Eine Bekennerin. Von I. H. Reinkens, kath. Bischof. Bonn, P. Neuster, 368 S. 12. Beide Schriften verdienen einen weiten und aufmerksamen Leserkreis.

das Andenken ihrer Heldin für lange Zeit festhalten und sichern werden.

Für die engere Heimat, wo ihr Leben und Wirken un­mittelbar gekannt war, bedürfte es kaum solcher Auffrischung, aber nun wird dies kirchliche Charakterbild ein Eigenthum auch der weitesten Kreise werden.

In Koblenz, der schönstgelegenen rheinischen Stadt, wo Rhein und Mosel zusammenfließen, steht die Wiege der Amalie von Lasaulx. Sie ist geboren gerade, als die Rheinlande Preu­ßisch wurden, im Jahre 1815. Ihre Vaterstadt war damals, ehe die Bonner Hochschule ins Leben getreten war, das geistige Centrum der Rheinlande. In wenigen Jahrzehnten hatte die alte kurtriersche Residenz wunderbare Wandlungen durchlebt: das Idyll des Krummstabes, die Asylzeit der französischen Emi­gration, die Freiheitsbäume der Republik, die Konskriptionen