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bei langsamer Bewegung der Platte zu registriren vermag. Mit diesem Apparate ist das dem Erfinder vorschwebende Ideal seiner Bestrebungen, versendbare gesprochene und wieder sprechende Briefe herzustellen, verwirklicht; ja ein ganzes Buch vermag mau auf diese Weise zu phouo- graphiren. Auch das Telephon hat Edison derart verbessert, daß daran kaum noch etwas zu thun übrig bleibt. Die feinsten Stimmnuau- cen, Accente, Ton- farbc, musikalische Töne werden uns durch seinen Apparat mit einer Deutlichkeit zugetragen, als wären sie im nämlichen Zimmer erzeugt. Edisons Fernsprecher basirt auf dem Princip, die Stärke eines elektrischen Stromes genau den Hebungen und Senkungen der hinein- gesprocheneu Tone gemäß zu verändern. Noch wunderbarer ist Edi- fons Gesangstelephon. Wie die Töne einer sanften Flöte, Klarinette oder einer Aeols- harfe quellen die Melodien „in ungetrübter Reinheit", wie Herr Ocker schreibt, aus dem kleinen Apparat hervor, dessen Kurbel Edison drehte und der diese Sphärenmusik bald harmonisch anschwellen, bald flüsternd ersterben ließ. Das Sprachtelephon re- produzirt allerdings Worte und Töne, letztere aber nicht musikalisch rein; auf Edisons Apparat jedoch werden nur wortlose Töne, gleichviel ob durch Vokal- oder Jnstrumentalmittel erzeugt, durch die Wirkung des elektrischen Stromes auf einen Papierstreifen hervorgebracht, der in eine chemische Mischung getaucht ist.
Es scheint, so schreibt der angeführte Berichterstatter, gar kein Ende bei all den Erfindnngszanbereien des einzigen Mannes zu geben. Ae
länger man sich bei ihn: umblickt, desto mehr interessante Gegenstände fallen ans. Es ist bekannt, daß Edison der Erfinder der elektrischen Feder ist, die fast zahllose Vervielfältigung von Briefen und Cirknlaren gestattet und von der bereits 18,000 Exemplare verkauft sind.
Er hat auch eine elektrisirte Stimmgabel konstrnirt, die eine Nahmaschine in Bewegung setzt, so daß sie 180 Stiche in der Minute aus führt. Am überraschendsten ist wohl sein phonogra- phischer Uhrenapparat, der im Gehäuse der Uhren angebracht, die Stunden mit menschlicher Stimme ausrnft, statt mit dem bisherigen Anschläge. Man mag dies natürlich als phonogra- phische Spielerei bezeichnen. Dagegen ist Edisons ÄeroPhon eine segensreiche Erfindung. Dieser Apparat ist bei ungeheuren Tonvo- lnmen auf vier bis sechs englische Meilen zu vernehmen und kann zu Signalzwecken : wie
den Schiffen zur Warnung vor gefährlichen Seeküsten, zu Meldungen beim Truppendienst, zu Feuermeldungen u. s. w. benutzt werden.
Wenn alles das in die Praxis tritt und sich im ganzen Umfange bestätigt, dann gebührt Edison allerdings die Bezeichnung, die man ihm in Amerika beilegt: der Zauberer von Menlo - Park.
Edisons Phonograph, p/s der natürlichen Größe.)
Amalie von Lasauts.
Ein Charakterbild aus der katholischen Kirche.
Nachdruck verboten. Ges. v. 11./VI. 7v.
Von v. Wilhelm Herbst.
Handeln und Leiden sind die Fäden, aus denen das Gewebe dieses Erdenlebens gewirkt ist, und oft ist das eine die Ursache des andern. Das hat in unseren Tagen kaum ein Leben so nachdrücklich erfahren und kaum ein anderes kann es beredter lehren als das der edlen Frau, von der wir reden wollen. Ihr Lebensbild in knappem Rahmen zu zeichnen, ist uns leicht gemacht, vielmehr erst möglich geworden durch zwei Erinnerungsschristen von berufener Hand*), die, dicht einander folgend, aus den ursprünglichsten Quellen der Anschauung und Mittheilung geschöpft, mit treuer Liebe zu der Person und mit freiem Ueberblick über die umgebenden Zustände geschrieben,
*) Erinnerungen an Amalie von Lafaulx, Schwester Augustine. Gotha, F. A. Perthes, 372 S. gr. 8; und A. v. L., Eine Bekennerin. Von I. H. Reinkens, kath. Bischof. Bonn, P. Neuster, 368 S. 12. Beide Schriften verdienen einen weiten und aufmerksamen Leserkreis.
das Andenken ihrer Heldin für lange Zeit festhalten und sichern werden.
Für die engere Heimat, wo ihr Leben und Wirken unmittelbar gekannt war, bedürfte es kaum solcher Auffrischung, aber nun wird dies kirchliche Charakterbild ein Eigenthum auch der weitesten Kreise werden.
In Koblenz, der schönstgelegenen rheinischen Stadt, wo Rhein und Mosel zusammenfließen, steht die Wiege der Amalie von Lasaulx. Sie ist geboren gerade, als die Rheinlande Preußisch wurden, im Jahre 1815. Ihre Vaterstadt war damals, ehe die Bonner Hochschule ins Leben getreten war, das geistige Centrum der Rheinlande. In wenigen Jahrzehnten hatte die alte kurtriersche Residenz wunderbare Wandlungen durchlebt: das Idyll des Krummstabes, die Asylzeit der französischen Emigration, die Freiheitsbäume der Republik, die Konskriptionen