Heft 
(1897) 06
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'eöer Land und Meer.

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jeder von ihnen trägt daher den Beinamender Reiche". Unter ihnen erlebte Burghansen seine höchste Blüte; zu ihren Tagen erhielt die Burg auch die Gestalt, die sie in der Gegenwart noch trägt; die Spitztürine, hohen Giebel und Dächer in den anheimelnden For­men der späten Gotik.

Die Burg zählt zn den größten auf deut­schem Boden; denn länger als eine Vier­telstunde gebraucht man, um in gutein Schritt über den schmalen, niauer- und zwingerumfaugenen Felsengrat zu wan­dern, dessen beide Enden ursprünglich durch je eine Burg, dasvordere" und dasHintere"Schloß, bewehrt waren. Durch diese Anlage zerfällt das Ganze in drei Abschnitte, deren jeden ein tiefer, aus dem Felsen geschro­teter Graben und ein wappengeschmücktes Thor mit Zugbrücke sicherte. Von der alten Herrlichkeit des Fürstensitzes sind allerdings nur kärg­liche Reste geblieben, da die Gebäude in den letzten Jahrhun­derten zu Amtsstuben und Wohnungen von

Beamten oder als Kasernen dienen mußten, wahrte sie diese Verwendung vor dem Schick zu zerfallen.

Welch malerischer Reiz die alte Feste umschwebt, davon geben die duftigen Bilder des Zeichners eine Probe. Sie

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Partie aus dem imiern Schloßhof.

Indessen be- e, in Rinnen

zeigen das Thor zum mittleren Teile der Burg, eine Partie aus dem inneren Schloßhof, das Haus, in dem der be­rühmte Geschichtsschreiber Bayerns, Johann Thurmayer_

genannt Aventin als Lehrer der jugendlichen Prinzen

Ludwig und Ernst (15l 2) wohnte, fer­ner den von düsteren Sagen umrankten Pulverturm", der mit der Burg durch eine ziunengekrönte Mauerverbundeuist; die letztere sperrt den Zugang zum Becken des Wöhr, und der Turm deckt als Vor­werk die Höhe ober­halb desselben.

Allein nicht bloß von Prunk und Pracht wisse,: die Mauern und die Hallen zu erzählen, auch von bitterem stummer und Herze­leid. lieber das Weh ihrer Ehe trauerten hier, von den Gatten verbannt, Amalie von Sachsen, die Ge­mahlin Ludwigs des Reichen, und die schöne Hedwig von Polen, die Gemahlin Georgs des Reichen, deren überaus glän­zende Hochzeit einst die Welt in Erstaunen gesetzt hatte. Noch sieht inan an ver­schiedenen Orten der Burg das Allianz-Wappen des letzteren Ehepaares, die verbundenen pfalz-bayrischen und polnisch­litauischen Schilde. Nach beinahe vierjähriger Einkerkerung beschloß hier sein unruhiges Leben Herzog Ludwig im Bart, im Alter von 81 Jahren, und acht Jahre saß hier in

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Blick über Heiligenkrenz, Marienberg und Kloster Raitenhaslach.

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