Heft 
(1889) 07
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Deutschland.

.,12 7 ,

die verhaltene Wut in mir empor und ich sprudelte über von .Klagen und Borwürfen.

Seraphine besänftigte mich freilich anfangs mit Beteuerung ihrer unwandelbaren Liebe und vollkommenen Unschuld. Sie könne ja nichts dafür, daß ihr besorgter Erzeuger sie auf ein­mal unter die Haube zu bringen strebe und an dem wohl­erzogenen Juristen einen Narren gefressen habe. Sie liebe nur einen, werde ihr Lebtag nur einen lieben und nur diesen einen heiraten. Und dieser einzig eine sei ich.

Mit der Zeit fand aber das Tenfelsmüdel an meiner tobenden Eifersucht Gefallen, und ihre Eitelkeit, ihre Selbstsucht spiegelten sich wohlgefällig in meiner Erregung. Diese war ihr ein Zeichen meiner großen Neigung, und sie hütete sich wohl, dieselbe erkalten zu lassen, trug vielmehr, ohne daß ich es merkte, immer hübsch klein Brennholz herzu.

Herabsetzen dürft' ich den Referendar nicht mit meinen überschünmenden Scheltworten: sie liebte ihn nicht, aber sie ließ ihm Gerechtigkeit widerfahren. Nach ihrer Meinung hatte der Vater ganz recht, wenn er ihn pcmkeot ywntkerimn, und Miß Parker nicht minder, wenn sie ihn.just lovelv nannte.

Sie dachte nicht im Schlaf daran, sich von ihm heim­führen zu lassen Gott bewahre! Aber sie wünschte dem schönen Alaun ein schönes Weib, dem einsichtsvollen Beamten eine fördernde Lebensgefährtin.

Sie fand die Gewohnheit, immer ein Dutzend Monocles in der Westentasche bei sich zu tragen und dieselben im Laufe des Tages ans den Pflastersteinen zersplittern zu lassen, zwar etwas bizarr, aber auch nicht so lächerlich und geckenhaft wie ich, jedenfalls neu und keinesfalls schädlich für die Mitmen­schen, insbesondere für die Optiker schon gar nicht.

Das mochte ihr nun alles hingehen. Aber als ich mir solchen Widerpart achselznckend gefallen ließ, kam sie darauf, mich durch die Gefahr zu reizen, die ihr der entschiedene Wunsch des Vaters anfdrängte, welcher nicht müde wurde, ihr alle Tage und Stunden die Vorzüge einer solchen Partie ans- einanderzusetzen.

Der Herr Referendar war ans der besten, war aus alt- befrenndeter Familie, viernndzwanzig Jahr alt, von Vater und Mutter her wohlbegütert, auf der sicheren Leiter zum höchsten Dienst, durch den Einfluß seines Vaters und das Wohlgefallen des Herzogs getragen, hübsch, vornehm, elegant, und schien nichts dawider zu haben, sich unter ein bequem angepaßtes, gut ausgestattetes Ehejoch zu schmiegen.

Er selber hatte sich zwar annoch in keiner Weise an­nähernd oder gar verliebt geäußert. . . Aber bei seiner vor­nehin zurückhaltenden, diplomatisch verschlossenen Art wollte das noch kein Beweis fein, daß er sich in seinen verschmitzten Gedanken nicht doch ernsthaft mit Seraphinen beschäftigte.

Die eigene Eifersucht und meiner Liebsten Schadenfreude redeten mir ein, daß jeden nächsten Tag eine Erklärung er­folgen möchte. Und Seraphine setzte dam: wie eine Verzwei­felnde hinzu:Was soll ich denn thun? Was soll ich sagen? Welche Gründe soll ich meinem Vater angeben, solch einem Manne meine Hand zu verweigern?" ,Fortsetzung folgt.,

vonOderts" bisOthello."

(Lin halbes Jahrhundert Künstlerruh IN.

Zu Verdis Jubiläum.

Bon

F. A. o. Minterfeld.

elten ist es den großen Meistern der Tonkunst vergönnt gewesen, auf eine lange Schaffenszeit zurückzublicken. Mozart, Weber, Bellini, Mendelssohn, Schubert, Schumann, Chopin sie alle haben nicht einmal ihr Leben auf fünfzig Jahre gebracht, und hier steht ein Meister vor uns, der, sechs- nndsiebzigjährig, sein halbhnndertjähriges Künstlerjubilänm be­geht und allem Anschein nach sein letztes Wort noch keines­wegs gesprochen hat. Seit Wagners Tode kann dem itali­schen Meister kein lebender Tondichter zur Seite gestellt werden, lind er ist nicht nur der erste, sondern auch der populärste Komponist der Gegenwart, dessen Werke znm stehenden Repertoir aller Opernbühnen der Welt gehören.

Ein so bedeutsames Jubelfest muß die Teilnahme aller, Gebildeten erwecken und zu einer Rückschau auf eine so lange, ruhmreiche Klinstlerlaufbahn anregen, deren Charakteristikum ein unablässiges, ernstes Streben nach Vervollkommnung, ein steter, wenn auch nicht immer in anfsteigender Linie sich bewegender Fortschritt ist. Welch ein Unterschied zwischen der am 17. No­vember 18.R» zuerst ans der Scala in Mailand mit sehr ge­teiltem Erfolge aufgesührten Oper: < »>.>>-,.>. coiwo <1i Rn,

Uonitüoio» und derAida," dem Bcanzoni-Neqniem und dem Othello." Dort eine schülerhafte Erstlingsarbeit, hier die reifen Früchte eines durch stete strenge Arbeit an sich selbst erhöhten und veredelten Genius, die selbst den unnachsichtigsten Kunstrichtern, auch in unserem, in musikalischen Dingen so strengen Vaterlande, aufrichtigen Respekt abgenötigt haben.

Sehen wir uns diese Laufbahn ein wenig näher an.

Ans den ersten halben Erfolg desObertv" folgte zu­nächst der zweifellose Mißerfolg der ans Verlangen des Im­presario Merelli von Verdi unter höchst traurigen Umstünden zwei Kinder und seine junge Gattin waren ihm kurz hinterein­ander durch den Tod entrissen worden geschriebenen komi scheu Oper: l >> xcionno <1i r-e^uo.» Nie wieder hat Verdi

auch nur versucht, eine komische Oper zu schaffen, wozu es ihm auch offenbar an leichter Grazie und Heiterkeit gebricht. Bei ihm ist alles glutvolle, wenn auch oft verhaltene Leidenschaft, und der Hang zur Tragik durchaus vorherrschend.

Ten ersten unbestrittenen Erfolg - wenigstens in Ita­lien- errang die OverNabncev" mit ihrem biblischen Text im Jahre 1842. In Wien machte sie kein Glück; man fand die Musik ebenso roh und genußlos wie den Text, und ein dortiger Kritiker schrieb darüber:Nabncco ist ein König, der sich für einen Ochsen hält und Gras frißt und von Verdi in Musik gesetzt wurde."

Wenn übrigens seine Landsleute in der Musik des jungen Meisters etwas Besonderes, ihn von seinen Vorgängern, Rossini, Bellini, Donizetti, vorteilhaft Unterscheidendes witterten, wäh­rend man ihn in Deutschland tief unter jene zu stellen geneigt war, so haben sie ein feineres Unterscheidnngsvermögen hin­sichtlich ihrer nationalen Musik bewiesen, als die Deutschen. In der That sollte sich Verdi zu einer ganz anderen künst­lerischen Jnd' " ... wie jene Meister.

Dazu politisches Moment. Italien

seufzte damals unter den Fesseln der Fremdherrschaft, und die Italiener glaubten in den feurigen Gesängen des jungen Mei­sters das Wehen der nahenden Freiheit zu spüren. Ja, Verdi wurde, obgleich so unpolitisch wie möglich von Natur veranlagt, zu einer politisch-symbolischen Persönlichkeit von seinen Bewun­derern erhoben, indem man seinen Namen V. IO U. I). I. Vittorlo lOiuunnR- U. D'ltnli'n znm Kriegsruf der Pa­trioten machte.

Fast noch größer als der Erfolg desNabncco" in Italien war der von I Uonil-ni-cki/ zu welcher Oper, wie auch zu