Heft 
(1889) 07
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Deutschland.

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starke Staatsgewalt möchten wir doch dem Vater einen derar­tiger: Eingriff in seine unveräußerlichen Rechte kaum mit Fug zumnten dürfen, daß er sich auch den Arzt von Staats wegen dekretieren lassen soll. Den: Schüler, um den es sich ja nun doch eigentlich handelt, würde das Eertieren des Schul- und Hausarztes gewiß am letzten Teil zu gute kommen.

Weniger Anstoß würde vielleicht das große Publikum daran nehmen, wenn der Lehrer neben Direktor, Schulrat n. s. w. auch noch irgend einen oder mehrere Ärzte als Vorgesetzte be­käme, die ihm, wie es medizinische Heißsporne und ihre Nach­beter wollen, einfach nach Gutdünken in den Unterricht hin­einredeten und denSchulmvnarchen" mit mehr oder weniger Takt es ist immer gut, wenn man irr dieser Beziehung nicht allzusehr Optimist ist zum Schuldiener in den Angen der «llmcivi ^ueri» herabsetzten. Daß das Unterrichten eine Kunst und eine wahre Wissenschaft ist, die gelernt und zwar recht ernst gelernt werden will, ist ja eine Wahrheit, deren An­nahme manches bequeme Räsonnieren mit einem Schlage ver­stummen lassen müßte, und die deshalb in absehbarer Zeit noch nicht als solche zur allgemeineren Erkenntnis gelangen wird. Allerdings giebt es auch Ärzte, die meinen, daß die Schule wissen muß, rvie sie ihre intellektuellen Ziele erreicht, und sich in ihren Lehrplan so wenig Hineinreden lassen kann, wie die Medizin in ihren .Heilplan: aber andere sind auch weniger freundlich und weisen den Lehrern ungefähr die Stelle der antiken paeda-Ao^i an, die bekanntlich Sklaven waren. Ohne ans Details einzngehen, möchte ich nur einen Gesichtspunkt hervorheben, der zeigt, wie allerdings das Elternpublikum, spe- ciell das gebildete, eirr eminentes Interesse daran hat, dem Lehrerstande eine gewisse Selbständigkeit zu wahren und nicht ihn äußerlich herabzudrücken. Es ist dem vorurteilslosen Be­obachter kein Zweifel, daß in unserem Stande viele, ja sehr viele sind, denen der freie Blick, die richtige Beurteilung von Menschen und Dingen, die Fähigkeit des LessingschenAus einer Scienz irr die andere Sehens" irr bedauerlichem Maße abgeht. Die Gründe für diese irr Wirklichkeit viel weiter ver­breitete, rvie aus unseren Kreisen selbst zngestandene Inferiorität des Standpunktes liegen vornehmlich irr dem Material, ans dem sich vorwiegend oder doch im Vergleich zu den anderen Ständen ungewöhnlich zahlreich die höhere Lehrerwelt ergänzt. Gilt einmal der höhere Lehrerstand irr den Augen der Welt ebensoviel wie die übrigen Studien, und wenden sich ihm in­folge davor: in viel größerer Zahl rvie seither mehr die Söhne des nach Bildung und Lebensauffassung maßgebenderer: Teils unserer Nation zu, dann wird nach unserer sicheren Überzeugung eirr gut Teil der Schäden, die heutzutage mit Recht der Schule vorgeworfen werden, verschwinden. Die Unbefangenheit der Auffassung rrnd den Blick für die Realitäten lernt man eben nicht in Philologischen, mathematischen und anderen Serrüna- rien. Jeder, der es gut mit der Schule, also auch mit einem Stück von sich selbst meint, sollte also im Interesse einer in­neren Hebung des Lehrerstandes alles vermeiden, was dessen äußere Hebung zu erschweren oder herabzndrücken geeignet ist. Das letztere würde aber unzweifelhaft erfolgen, wenn wir die ärztliche Omnipotenz in die Schule bekämen.

Daß es wirklich Gebiete giebt, die nur der verstän­dige Pädagog kennen kann, dafür nur ein Beispiel. Unsere ärztlicher: Gutachten über die geistige Anspannung bei dem Unterrichte leiden ohne Ausnahme an dem Fehler, daß sie die angespannte Aufmerksamkeit und Denkthätigkeit des erwachsener: Einzeldenkers zur Grundlage nehmen, aber dabei die notwen­dig eintretende Ausspannung und Erleichterung beim Massen- denken außer acht lassen. Jeder Lehrer weiß, daß in: Massen­unterrichte eirr gut Teil der wiederholten Erklärungen und Übungen nur dadurch notwendig wird, daß es nicht möglich ist, alle Schüler zugleich in gleicher Aufmerksamkeit zu erhalten. Durch die gleichmäßige Thätigkeit und snccessive Äußerung von mehreren erfolgt notwendig eine Ausspannung des einzelnen. Daß die Ärzte diese pädagogisch durchaus bekannte Thatsache unberücksichtigt lassen, ist ihnen nicht zu verübeln, allein sie mögen dafür doch auch dem Lehrer lassen, was des Lehrers ist.

Freilich sollte es eine Ehrensache für der: Lehrer sein, sich das Maß von hygienischen Kenntnissen anzueignen, das not­wendig ist, um die von den Regierungen zu erlassenden Maß­regeln dnrchznsühren, ja noch mehr, um dem Gesundheitszustände seiner Schüler, die er ja stündlich zu beobachten hat, und an denen ihm, wenn er sein Augenmerk darauf richtet, jede kleinste Veränderung anffallen muß, die Fürsorge zu widmen, die zu jedem Unterricht, wenn derselbe den Namen eines erziehen­den Unterrichts verdienen will, recht eigentlich gehört. Es ist sicher, daß die allgemeinen schnlhygienischen Kenntnisse jeder gebildete Mensch sich aneignen kann. In hervorragendem Maße muß jeder Leiter eines Schulwesens darin zu Hause sein. Aber auch den Lehrern müssen die allgemeinen Gesichtspunkte und die besonderen Einrichtungen, welche dazu dienen, den Sitz- und Sehverhältnissen, dem Gehöre, der Ventilation und ähn­lichen Anforderungen gerecht zu Werder:, zum Verständnis ge­bracht werden. Daß zur Zeit unter ihnen vielfach noch eirr recht geringes Verständnis für die Aufgaben der Schnlgesund- heitspflege besteht, wird man zngeben müssen. Es läßt sich aber voranssehen, daß die Einsicht irr die Bedeutung derselben und in den Wert der Gesundheit für das allgemeine staatliche Wohl im gleichen Maße zrunmrnt, wie bei den übrigen gebil­deten Stünden. Nur sind irr: allgemeinen die Ärzte nicht besser daran. Heines kräftiges Wort im Romanzero von den: Rabbi und dem Mönche wird Wohl nicht ganz mit Unrecht auf beide Teile angewandt werden dürfen. Mit der fortschreitenden Er­kenntnis von der Notwendigkeit einer besseren praktischer: Vorbildung fürs höhere Lehramt wird auch die Frage, wo und wie die Schrilgesundheitspslege zum obligatorischen Stu­dium der höheren Lehrer gemacht werden soll, sich lösen lassen. Es kann dies, wie auch v. Hippel glaubt, in den pädagogischer: Serrrinarien während des erster: Vorbereitrurgsjahres der Probe­kandidaten allein wirksam geschehen. Denn dann geht das praktische Interesse mit der theoretischer: Unterweisung Hand in Hand.

So müssen die drei Faktoren, ans denen die Gesundheits­pflege, auch die in der Schule beruht, noch alle lernen, sich gegenseitig befruchten und unterstützen, und so äußerlich getrennt, aber innerlich irr der Sorge um des Vaterlandes höchstes Gut vereint der: Beweis liefern, daß eine hoch entwickelte Kul­tur die unvermeidlichen Zugaben derselben irr ihrer Schädlich­keit auch einzuschränken versteht. Aber jedem das Seirre, den: Vater, dem Arzte rvie den: Lehrer!

Freiheit.

Eine Plauderei von Heinrich Kana.

<Sohr elegant eingerichtetes Boudoir. An einem Jenster vorn rechts

sitzt Elise über ihre Arbeit gebeugt. Ihr Gatte tritt ein.j

Arthur: Nun, noch immer böse?

Elise Erregt): Böse? Empört!

Arthur: Wie man sich so hartnäckig der besseren Ein­sicht verschließen kann!

Elise twie oben, sieht ihn mit blitzenden Augen an»: Ich soll

vielleicht noch Ja und Amen dazu sagen, daß es Dir plötzlich beliebt, meine Lektüre zu überwachen? Ich bin ja eirr sechzehn­jähriger Backfisch!

Arthur: Von diesen: charmanten Zustand trennt Dich ein Menschenalter von fünf Jahren!

Elise: Das Du aber einfach ignorierst!

Arthur: Weil ich Dir verbiete . . . ich wollte sagen: Dich bitte, die moderner: Realisten noch für eine Weile unge­lesen zu lassen? Dazu veranlaßt mich nicht die Rücksicht ans Dein Alter...

Elise: Sondern?