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sehen oder höchstens durch ein kurzes: „Sie sind verrückt!" zu beantworten. Florio hatte sich eben in einen morgenländischen Europäer umgewandelh der seine unentbehrlichen Dienste überschätzte und dem der Kamm des Hochmuts häuserhoch geschwollen war. Jahrelange Arbeiten bei den Ausgrabungen und die ewigen Basteleien im Museum, in welchem ein Seitengebäude sein „Knnstatelier" beherbergte, hatten allmählich den Chevalier Florio geschult und in seinem Kopfe die angeborene Gabe erfinderischer Kraft vervollkommnet.
Sein Stolz bäumte sich ans, sobald ihm im Bereiche des Museums ein Auftrag erteilt wurde, dessen er, seiner Meinung nach, sich zu schämen hatte. In solchen Fällen fand sich der Direktor jedesmal genötigt, feine Zuflucht zu den seltsamsten Hilfsmitteln zu nehmen, um den Eigensinn des störrischen Chevaliers zu brechen. Das folgende Zwiegespräch mag als unterhaltendes Beispiel dienen.
Im Arbeitszimmer des Direktors und in meiner Gegenwart während eines Besuches hat einer der im Hose frei
hernmtnmmelnden Assen eine Fensterscheibe eingeschlagen. Ein Nubier erhält die Weisung, Meister Florio herbeiznrnfen. Dieser erscheint mit den Worten, die an mich gerichtet sind:
„Ah, sieh da! mein lieber Freund Brugsch."
Mariette: „Der und jener mag Ihr Freund sein, aber
nicht dieser Herr hier! Was bilden Sie sich eigentlich ein?"
Florio: „Er ist mein lieber Freund und wird es bleiben."
Mariette: „Ich habe Sie rufen lassen, um an diesem
Fenster eine neue Scheibe einznsetzen."
Florio: „So setzen Sie die Scheibe ein!"
Mariette: „Ich? Wozu sind Sie denn da?"
Florio: „Ich bin kein Glaser."
Mariette: „Was sind Sie denn eigentlich?"
Florio: „Dichter von Gottes Gnaden."
Kunstpause des lebhaftesten Erstaunens von unserer Seite, nachdem der Chevalier die rote Mütze keck ans die Seite gerückt und eine graziös vornehme Stellung eingenommen hat, wobei die rechte Hand in die Westenösfnnng hineinfährt. Hierauf
Mariette: „Gut, so werde ich mir einen arabischen Glaser kommen lassen: die Kerls sind geschickter als Sie und sehen in zehn Minuten die größte Scheibe ein."
Florio: „Was, ein Araber in zehn Minuten? Das leiste .ich in fünf Minuten."
Mariette: „Das glaube Ihnen wer will, ich wenigstens nicht."
Florio: „So, meinen Sie wirklich?"
Er verschwindet in stürmischer Hast, kehrt mit einer Glasscheibe und dem notwendigen Handwerkszeug wieder, hängt den Fensterflügel ans, ersucht uns beide nach der Uhr zu sehen, und setzt die neue Scheibe in kaum fünf Minuten ein. Nach vollendetem Werke wischt er sich den Schiveil; von der Stirn mit dem ganzen Stolz eines Siegers, dabei die Worte ansstoßend: „Sie haben mich unterschützt und mein Ehrgefühl beleidigt. Jetzt sehen Sie, was ich zu leisten im stände bin."
Mariette: „Das wollte ich gerade erreichen! Ich danke Ihnen für die geleistete Arbeit. Sie können abtreten."
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als Träger der Elektricität bei Fernwirknngen.
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großartigen Erfindungen unserer Zeit haben der Naturwissenschaft Ruhm und Ehre eingebracht. Mehr und mehr erscheint uns diese Wissenschaft wie ein gewaltiges Zepter, welches wir über die Natur schwingen. Ans tausendfache Weise müssen die Natnrkräfte in unfern Dienst treten, zu unserm Nutzen arbeiten. Dies ist wahrlich etwas Hohes und Großes. Aber die Verwendung der Naturkräfte zum Nutzen der Menschheit ist nicht das höchste Ziel, welches die Naturwissenschaft verfolgen soll. Es giebt noch ein höheres, reineres, geistigeres Ziel. Dies ist die Erkenntnis der letzten Gründe aller Naturerscheinungen, das wirkliche Begreifen der Natur. Freilich liegt das Ziel noch sehr- weit. Aber das Streben danach hat doch schon herrliche Früchte hervorgebracht. Unser Eifer für die Aneignung dieser Früchte wird noch verstärkt werden, wenn wir bedenken, daß die spekulative Philosophie trotz ihres hohen Alters und trotz des eifrigsten Ringens der größten Geister uns keine absolute Wahrheit geliefert hat. Und doch ward mit dem menschlichen Geiste die Denkform der Kausalität, der Hunger und Durst nach der Erkenntnis der Ursachen, innig verknüpft. Diesem höchsten geistigen Bedürfnis — natürlich innerhalb ihres Bereiches — entgegenzukommen, muß der erste und schönste Zweck der Naturwissenschaft sein. Gerade in unseren Tagen wird dies nur zu leicht vergessen. Wir sind entzückt, wenn wir den Glanz des elektrischen Lichtes mit der Wirkung der früheren Belenchtungsapparate vergleichen. Wir staunen den Phonographen an und denken dabei, wie er uns diese und jene Arbeit ersparen und bei größerer Verbreitung uns oder unseren Nachkommen von vielfachem Nutzen sein kann. Aber solche Eindrücke und Gedanken dürfen uns nicht zu einer einseitigen Auffassung über die Naturwissenschaft und ihre Ziele führen. Sie dürfen nicht vermindernd wirken auf unsere Wertschätzung und Anerkennung jener Art der Forschung gegenüber, welche die Naturgesetze um ihrer selbst willen kennen lernt, und welche an der Hand derselben in das geheimste Wesen und Wirken der Materie und ihrer Kräfte einzudringen sich bemüht. Auch das größere Publikum sollte für die Resultate solcher Bemühungen Interesse und Verständnis haben. Für jeden gebildeten Menschen müßte es ein Bedürfnis sein, zu wissen, wie weit seine Zeit in der Erkenntnis der letzten Gründe der Natur erscheinnngen vorgeschritten ist. Freilich führt uns die Forschung bei der Znrückführnng der Erscheinnngen ans die letzten Gründe oft ans einen Boden, wo die direkte Wahrnehmung anfhört und der wissenschaftliche Gedanke, die Hypothese, an ihre Stelle tritt. Aber wir müssen uns nicht scheuen, diesen Boden zu betreten. Er ist nicht so unsicher, wie er beim ersten Anblick demjenigen erscheinen möchte, der ihn noch nicht kennt. Die meisten naturwissenschaftlichen Hypothesen sind keine Nebel- gcbikde, es sind klare Vorstellungen, die oft mit bewunderungswürdiger Einfachheit und zwingender Überzeugungskraft uns große Reihen von Naturerscheinungen mit einem Schlage begreiflich machen. Solche Hypothesen zu kennen, die Vorstellungskraft an ihnen zu üben, sie durch eifriges Nachdenken sich geläufig zu machen, sollte auch demjenigen, welcher nicht Fachmann ist, geistiges Vergnügen bereiten und ihm als eine geistige Förderung erscheinen.
Dieses voransgeschickt, soll hier von einen; Fortschritt berichtet werden, welchen die neueste Zeit in den wissenschaftlichen Anschauungen über das Wesen und die Fortpflanzung der Elektricität gemacht hat.
Keine Naturkraft ist in ihren Wirkungen so vielseitig als die Elektricität. Die Naturforschnng hat die verschiedenen Wirkungen dieser Kraft mit Gründlichkeit studiert, die Technik hat