Heft 
(1889) 25
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25.

Deutschland.

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Asta schwamm in einem Meer von Seligkeit, Ullenins schwamm mit ihr.

Jeden: Bekannten, den er ans der Strasse traf nnd er traf ziemlich viele erzählte er freudestrahlend,daß das Erstlingswerk seiner Fran von einer der bedeutendsten Zeit­schriften Deutschlands angenommen sei."

Er ging wieder ins Kasino, wo er sich seit Wochen nicht mehr hatte blicken lassen; er ging in die Redaktionen der drei städtischen Zeitungen; er ging in die beiden Cafes, abends auch in das besuchteste Restaurant. Am nächsten Tage wußte es die ganze Stadt. Aus Freundschaft für Stillfried, der den Redakteur darum gebeten hatte, ließ dieser die Skizzen bereits in einem der nächsten Hefte erscheinen. Ullenius abonnierte natürlich sofort ans die Zeitschrift und war empört, sie nicht in den Kaffeehäusern lind Konditoreien der Stadt zu finden, die er deshalb mit dein EpithetonKrähwinkel" belegte. Na­türlich bestellte er sie auch für diese auf eigene Kosten, ebenso im Kasino. Alan gratulierte ihm zu dem Erfolge seiner Frau; man riß sich die Hefte ans der Hand. Die Familien bestellten sie bei den Buchhändlern, die diese Nummer mit den aufge- schlageueu Reiseskizzen in ihre Schaufenster legten. Plötzlich fand man Asta bedeutend.Eine höchst bedeutende Fran!" versicherte sogar die Geheimrütin Köberling, die bei ihr gespeist hatte und einer neuen Einladung entgegcnsah. Ein völliger Um­schwung zu Astas Gunsten trat ein. Eine Dichterin von Re­nommee, eine Zierde der Vaterstadt nannte man sie nun. Denn es galt ihren Landsleuten als ausgemacht, daß dieseSkizzen" überall solche Beachtung fänden, wie hier bei ihnen.

Seitdem sie der Erfolg, wenn auch nur flüchtig, berührt hatte, fieberte Asta Berlin entgegen. Kein Wunder, daß ihr hier die Arbeit nicht leicht von der Hand ging. Sic verkam in der Ode und Langeweile dieser Stadt und dieser Menschen.

Langsam nnd vorsichtig machte sie den Gatten mit ihren Plänen bekannt. Statt ans Widerstand, wie sie erwartet, stieß sie ans Zustimmung. Die Emission der Aktien jenes großen Unternehmens stand in den nächsten Monaten bevor. Ullenius mußte mehrere Wocheu in Berlin znbringen und von Zeit zu Zeit dahin zurückkehren. So war es ihm erwünscht, sie ganz bei sich zu haben.

Er reiste voraus und mietete eine möblierte Etage, die er durch den Dekorateur verschönern ließ. Asta fand auch hier wieder ein behagliches Arbeitszimmer vor.

Stillfrieds freuten sich sehr, sie wiederzuseheu. Und wäh­rend Ullenius den geschäftlichen Beratungen und Kvmiteesitznngen beiwohnte, durchstreifte sie mit den Freunden die Residenz. Sie stürzte sich in einen wahren Taumel des Vergnügens, sie berauschte sich an dem Leben der Weltstadt, die sie zun: ersten­mal besuchte. Welch ein Genuß war nicht schon ein Spazier­gang durch die Hauptverkehrsadern! Dieses wogende, brau­sende Treiben, das sie umgab, war ihren Ohren Musik. Gie­rig saugten sich ihre Augen an dem Lupus der Schaufenster, an den Toiletten der Damen fest. In Verzückung kam sie aus den Theatern zurück. Und dann die Restaurants, in denen man nach dem Theater soupierte, die Cafäs, in denen man nach dem Souper bis in die tiefe Nacht verweilte! Stillsried zeigte ihr die Berühmtheiten, die Maler, Dichter, Musiker und Kritiker, die sich zu den Premieren nnd großen Konzerten ein­fanden. In der ersten Zeit wollte sie nichts von Gesellschaften

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wissen; erst mußte sie ihren Heißhunger an der Weltstadt selbst stillen. Sie durchstreifte die Gallerieen und Sammlungen, die Schlösser nnd Sehenswürdigkeiten bis hinunter zu den Lokalen, die man inkognito besucht. Erst dann, als ihre Neil- und Wissbegierde gestillt war, ließ sie sich herbei, Besuche zu machen nnd zu empfangen. Jetzt kamen die Einladungen -- man Mar­in der Hochsaison. Einige dieser Berühmtheiten, von denen sie früher als wie von etwas unnahbar Fernem und Unerreich­barem gelesen, lernte sie persönlich kennen. Es war ihr, als wenn sie jetzt erst lebte. Was hinter ihr lag, war wie ein

^.raUM. (Fortsetzung fotgt.)

Graf Saint-Simon-Sandricourt,

der Vater des Sozialismus.

Von

Arthur Kteiuschrniöt. (Schluß.)

Suter Mithilfe von St. Anbin, Thierry und Auguste Comte ließ St. Simon 18171818 vier Bünde «I/Incllmtrio on Dmmmsioim ^okitigno», inorulcm et, chckko8ochckgne8, <llui8 l'intäret cke tou8 1o8 Kom­men kivrä» rt <le.8 trnvmix utile» et iiullPeckumit«» unter dem Motto «Routine Uinckustrie, tont >>on>- olle!> erscheinen. Eine öffentliche Demütigung blieb ihm nicht erspart; er hatte im Cir- knlare unter seinen Subskribenten eine Anzahl Bankiers genannt; diese, unter ihnen Pärir, protestierten dagegen, daß sie mit seinen Ansichten übereinstimmten, und erklärten am 30. April 1817, sie Hütten mit ihrer Unterschrift ihm nur ein Almosen geben wollen. Während er noch an diesem Buche schrieb, sagte sich sein Mit­arbeiter Thierry von ihm auf immer los. St. Simon War­ans dies Werk, das eine Art sozialer Revolution einführen sollte, besonders stolz; er verhehlte sich nicht, daß es die Or­ganisation des Eigentums nahe berühre; da ihm aber das Eigentum als Grundlage der Gesellschaft dünkte, so hielt er sür berechtigt, wenn sie die Bedingungen ihres Grundgesetzes fixiere; dies Gesetz betrachtete er als abhängig von dein all­gemeinen Naturgesetze, welches den steten Fortschritt unseres Geschlechtes bedinge und darum nicht in eine zeitweilige Form gebunden werden könne. Im großen Ganzen bestand sein System darin, das Eigentum au Grund nnd Boden in indu­strielles, das unbewegliche in bewegliches umznwandcln. Viel Chimäre war neben guten und mit der Zeit fruchtbar gewor­denen Gedanken in diesem Werke vereinigt: merkwürdigerweise sah St. Simon völlig davon ab, letztere in seinem weiteren Wirken zu klären, auszuführen nnd zu vervollkommnen; er­wach seine Ideen aufs Papier und überließ ihr Geschick meist dem blinden Zufälle; so kehren denn diese Pläne der Mobili­sierung des Bodens nnd der Revolution des Eigentums in seinen Schriften nicht mehr wieder, und seine Schule hat sie später entstellt. 1818 erschienenVno» mir kn xu-oprietä et ln läch-ckntionch 1819 zwölf LieferungellOe. läüitchue" und derIm lAu-ndole" betitelte Allfang des 1819 - 1820 folgen­den WerkesO'0ro-ani8nt6lir." Die von Paul Fallet als beste, Schrift des Grafen bezeichneteOnrallole" war mit der eleganten Insolenz eines Beaumarchais geschrieben und erregte große Sensation. Ihm erschien die Produktion zum Leben nützlicher Dinge als soziales Ziel; er schied die Menschen in produzierende und nichtproduzierende, in Bieneil und Hornissen, und potenzierte diesen Gegensatz in derUurnllokoch indem er es als weit wesenloser bezeichnete, wenn alle Prinzen, die er namentlich anfführte, alle Großen und Reichen Frankreichs, zusammen ca. 30000 Menschen, lauter Figuranten, stürben, als wenn die 3000 besten französischen Gelehrten, Künstler und Handwerker, die unentbehrlichsten Glieder des Staatskör­pers, vom Tode ereilt würden. Die Regierung nahm diese

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