Deutschland.
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25.
„Auf die Kniee, oder ich trample dich und dein Junges zu Staub."
Da lachte ich: „Aber wenn ich der Stärkste bin?"
„Du, Wurm!"
„ Ich werde mich in deine Haut bohren wie die Viehbremse in die des Ochsen und du sollst über den Oeeau rennen in ohnmächtiger Raserei unter meinen Stichen, wie dein Bruder über die weiten Wiesenflüchen. Nimmst du den Kampf ans?"
Da wälzte sich das Ungeheuer davon, daß das Wasser um dasselbe emporflog wie eine Wolke von Schaum, und mein Fahrzeug glitt sachte über den Oeeau, der still in der Mittagssonne dalag, und vor dem Steven zeichnete sich die ferne Linie des neuen Strandes.
Mber Neurasthenie.
Bvn
Gregor Neymer.
ch^^ie Nervenschwäche ist nicht, wie vielfach angenommen wird, eine „neue" Krankheit, sondern bereits bei den medi- zwischen Schriftstellern des vorigen Jahrhunderts und sogar noch viel weiter zurück, bei Hippvkrates, finden sich Beschreibungen von Zuständen, welche ziemlich genau mit den jetzt unter diesem Begriffe znsammengefaßten übcreinstimmen. Nur der Name Neurasthenie ist eine Errungenschaft der Neuzeit und stammt von dem amerikanischen Arzte Beard, welcher 1868 unter dieser Bezeichnung eine Schilderung des Symptomenkomplexes gegeben hat, wobei er allerdings in der Abgrenzung der Erscheinungen zu weit ging. Die Affektion ist in den letzten Jahren ganz besonders im Publikum sehr bekannt geworden, und man hat sie als die „Krankheit des neunzehnten Jahrhunderts" bezeichnet. Daß sie ungleich viel häufiger zur Beobachtung gelangt wie früher, liegt daran, daß ihre Anzeichen besser bestimmt sind, und daß sie daher viel mehr wie früher beachtet wird, ferner unstreitig in der gerade in unserer Zeit hervortretenden überstürzenden Hast, mit welcher der Einzelne dein Erwerbe nachjagt und, mit der Schnelligkeit der Dampfmaschine wetteifernd, Vermehrung seiner materiellen Güter erstrebt, um sich Vergnügungen zu verschaffen, welche ihrerseits wiederum im Übermaß genossen, in gleichem Maße wie die Sorgen um die Existenz und die damit verbundenen Erregungen die Zustände der Nervenerschöpfung herbeizuführen geeignet sind. Den Kampf ums Dasein kämpft das Gehirn, welches hierdurch in gleicher Weise wie durch den übermäßigen Gebrauch von Genußmitteln der verschiedensten Art überreizt wird. Die Zunahme der nervösen Konstitution in unserer modernen Gesellschaft beruht eben darauf, daß dieselbe wohl „zu viel Nerven, aber zu wenig Nerv" besitzt. Sicherlich wird der Neurasthenie von manchen zu viel Beachtung geschenkt, während andere ihr wiederum eine zu geringe Bedeutung beilegen. Die richtige Anschauung und Schätzung der Affektion liegt, wie es meistens der Fall zu sein pflegt, ungefähr in der Mitte zwischen diesen beiden äußersten Grenzen. Im Folgenden geben wir eine skizzenhafte Beschreibung der am häufigsten bei der Neurasthenie beobachteten Erscheinungen, um zum Schluß einige ganz kurze Andeutungen über ihre Entstehung und ihr Vorkommen hinzn- znfügen.
Sehr viele Menschen halten es in jetziger Zeit für interessant, für Neurastheniker zu gelten. Ein Individuum, das irgend eine der zahllosen und proteusartigen Erscheinungen der Nervenschwäche bietet — und kaum irgend jemand wird wohl nicht eins der gleich zu schildernden Symptome zu einer Zeit an sich bemerkt haben — ist noch nicht als neurasthenisch anzusehen. Wie auch bei anderen Leiden, sind besonders bei den Affektionen im Bereiche des Nervensystems die Menschen ge
neigt, ans einer einzigen oder einigen wenigen Erscheinungen zu schließen, daß sie mit einer bestimmten Affektion — dies ist in unserer Zeit am häufigsten die Neurasthenie — behaftet sind. Nichts aber gerade ist unrichtiger und unheilvoller als ein solcher Schluß. Nur genaue Kenntnis der gesamten einschlägigen Verhältnisse, umfassende Untersuchung aller Funktionen und Organe ermöglicht es, eine solche Krankheit wirklich richtig zu erkennen, und ferner ist, wie wir gleich sehen werden, auch die unrichtige Einbildung und übertriebene Deutung einzelner Krankheitsznstünde bereits eins der vielen Zeichen von Neurasthenie oder noch weiter der Hypochondrie. Es ist daher dringend geboten, sich nicht grübelnden und quälenden Gedanken über angebliche Leiden zu überlassen, da eben dadurch ein nervöser Zustand verschlimmert und thatsächlich ein Nährboden für weitere Erkrankungen des Nervensystems geschaffen, selbstverständlich aber nicht das geringste gewonnen wird. Diese kleine Zusammenstellung, die keinen Anspruch ans Vollständigkeit erhebt, soll nur bezwecken, vor Augen zu führen, daß es unmöglich ist, ans einem Symptom die Nervenschwäche herznleiten, da gerade das entgegengesetzte in vielen Füllen ebenfalls eine Erscheinung der Neurasthenie sein kann: so ist bei manchen Patienten Schlaflosigkeit, bei anderen geradezu Schlafsucht - immer znsammengehalten mit den anderen Erscheinungen - Zeichen von Nervenschwäche. Leider nun ist diese nicht allein bei der gebildeten Bevölkerung in den Städten, sondern auch bereits in den Arbeiterkreisen und ans dem Lande verbreitet. Auch unter diesen beginnen die „Nerven" eine Rolle zu spielen, wenn auch glücklicherweise unsere Bauern noch nicht in dem Grade „nervös" sind, wie es heute bei Damen und Herren der feinen Gesellschaft Mode ist. Immerhin gelangen auch unter jenen zahlreiche sogenannte „funktionelle Nervenerkrankungen" zur Beobachtung.
Man unterscheidet bisher funktionelle und organische Krankheiten, und nimmt gewöhnlich an, daß bei den letzteren eine Veränderung im Ban der betroffenen Teile als Grund für die im Leben erkennbaren Erscheinungen vorhanden ist, während bei den ersteren sich zwar ebenfalls krankhafte Symptome im Leben, also Veränderungen der Funktionell eines oder verschiedener Organe, zeigen, jedoch weder während des Lebens, noch nach dem Tode deutliche Veränderungeil der Organe nachge- wieseil werden können. Nun ist aber das Entstehen einer Funktion ohne ein Organ, welches diese verrichtet, nicht denkbar. Man kann also wohl nur sagen, daß bei den funktionellen Erkrankungen es mit den bisherigen Hilfsmitteln noch nicht gelungen ist, Organveründernngen nachznweisen; sicherlich aber sind solche vorhanden. Jeder krankhaften Veränderung der Funktion liegt also auch eine Veränderung in einein Organ zu Grunde, und wenn letztere durch geeignete Faktoren wieder gehoben ist, hört das Organ ans, krankhafte Erscheinungen zu äußern, und die Gesundheit ist wiederhergestellt. Von diesem Standpunkte ans muß auch die Neurasthenie, welche zu den funktionellen Nervenkrankheiten gezählt wird, beurteilt werden. Sie ist in ihren geringsteil Gradeil überhaupt nicht als Krankheit anzusehen, während sie in ihren schwersten Formen vollkommen ansgebildete Krankheiten darstellt. Sie bildet nur die Anlage zu verschiedenen Nerven- und Geisteskrankheiten, zur Hysterie, Hypochondrie, Epilepsie, sie ist das Feld, ans welchem jene gedeihen, sie ist die Disposition zu diesen Krankheiten, und in geringen Graden nur eben diese. Überschreitet sie den geringen Grad, so wird sie zu einer bestimmt ausgesprochenen Krankheit, zur Hysterie, Hypochondrie, Epilepsie, Psychose leichten und leichtesten Grades. Es ist daher die Behauptung, daß fast alle Angehörigen der gebildeten und gelehrten Stünde Neurastheniker sind, übertrieben, da sonst die genannten Krankheiten, welche als Abkömmlinge oder Fortsetzungen der Nervenschwäche zu gelten haben, bei weitem noch zahlreicher Vorkommen müßten, als sie glücklicherweise beobachtet werden, wenngleich andererseits nicht geleugnet werden kann, daß diese Äffektionen gegen früher in starker Zunahme begriffen sind. Die Anfänge