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Deutschland.
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nische Strafgesetzbuch einen Ersatz für die Todesstrafe gefunden hat, der den Verurteilten vielleicht härter trifft, als wenn er gleich aus der Welt geschafft würde, sondern darauf, daß ein Großstaat den Versuch macht, ohne Tötung im Strafwege auszukvmmen, die Entbehrlichkeit der Todesstrafe durch die Praxis nachznweisen, sei es vorerst auch nur nach Einrichtung des Ergastalo. Der Versuch wird gelingen, dessen sind wir voller Zuversicht. Italien hat seit 1877 keine Hinrichtung
mehr gesehen und die seitdem gemachten Erfahrungen ließen es nicht bedenklich erscheinen, den thatsüchlichen Zustand zum rechtlichen zu erheben. Erweist sich dieser aber als haltbar, so werden auch die übrigen Nationen Stellung zu nehmen haben, und die jetzt in Fluß geratende Reform wird zunächst mit dem rückständigsten Teile des Strafsystems, der Todesstrafe, anf- rüumen müssen. Für Deutschland zeigt jeder Tag die Haltlosigkeit der Behauptung von der abschreckenden und sühnenden Wirkung der Todesstrafe nach einer anderen Seite: seit 1880 hat bei uns der Henker wieder volle Arbeit; aber wenn auf der ersten Seite eines Blattes über seine Thütigkeit berichtet wird, so kann man sicher sein, ans der zweiten von einem neuen Morde zu leseil. Freilich nirgends als in Deutschland ist die Staatsleitung so rasch zur Hand, einem sich zeigenden sozialen Gebreste mit einem Strafparagraphen zu begegnen, und es wird daher auch wohl noch lange währen, bis hier die maßgebenden Faktoren zu der Überzeugung gelangen, daß Zu- und Abnahme der Verbrechen und zumal der Kapitalverbrechen von etwas ganz anderem abhängig ist, als von dem jeweiligen Inhalt des Strafgesetzbuchs. Unser Trost ist, daß es zu dämmern beginnt.
Wier Wriefe.
Ein Lebensbild.
Von
Theodor von Sosnosky.
I.
Wohlgeboren
F r ä n lei n E m m a Schild
in
Wien,
VII. Lindenbaste 50, II.
Wien, den 24. Mai 188l.
Verehrtes Fräulein!
Verzeihen Sie, daß ich es trotz Ihrer energischen Abweisung meiner Person und meines Briefes nochmals wage, Sie zu belästigen. So ungern ich mich auch der Post bediene, da sie Ihnen möglicherweise Unannehmlichkeiten bereitet; ich kann nicht anders! Gäbe ich diese Zeilen einem Dienstmann, so würden Sie ihn abermals abweisen. Es bleibt mir also kein anderer Weg, mich Ihnen zu nahen, als dieser. Und ich muß mich Ihnen nahen! Sie ziehen mich unwiderstehlich, mit magnetischer Kraft an. Ich muß Sie sehen, sprechen, Ihre Verzeihung erlangen für meine Kühnheit. An dieser tragen Sie übrigens nur selbst Schuld, mein Fräulein: warum sind Sie so schön, so bezaubernd? Schon darum müssen Sie mit mir nachsichtig sein! Aber wenn Sie mich noch hundertmal znrückwiesen, ich würde immer wiederkommen, bis ich aus Ihrem schönen Munde die beseligenden Worte der Verzeihung höre. Und ist cs denn ein Verbrechen, daß ich, vom Zauber Ihres Wesens gefesselt, Ihnen zu nahen gesucht habe? Aber selbst wenn es eins wäre, hat nicht auch der Verbrecher das Recht, sich zu verteidigen oder doch seine Neue zu zeigen? Warum also nicht auch ich? Milde ist eine weibliche Tugend, üben Sie dieselbe, mein Fräulein, und zeigen Sie mir, daß Sie mir
vergeben dadurch, daß Sie mir gestatten, Sic morgen abend nach Hanse zu begleiten. Ich werde mir erlauben, um sieben Uhr unauffällig in der Nähe jenes Hauses in der Mariahilfer Straße zu warten, aus dem Sie getreten, als ich das erste Mal so glücklich war, Sie zu sehen. Hoffentlich verlassen Sie es morgen zur selben Zeit! Ich konnte leider absolut nichts Bestimmtes darüber erfahren, wann Sie von Ihrem Hause fortzugehen und wann Sie dahin zurückznkommen pflegen. So habe ich denn nur diesen Anhaltspunkt. Sollte ich wirklich das Malheur haben, Sie morgen nicht zu treffen, so wird's mir doch gewiß an dem Wochentage gelingen, an dem ich Sie damals gesehen, kurz: gelingen wird's mir bestimmt; denn ich werde alles dnransetzen, meinen Wunsch zu erreichen. Das einfachste wäre freilich, Sie teilten mir selbst mit, wann und wo ich Sie sprechen könnte; aber das wage ich kaum zu hoffen. Für jeden Fall gebe ich Ihnen, mein Fräulein, meine Adresse an und sehe morgen auf der Post nach, falls Sie es vorzögen, poste rastaiwo zu schreiben.
Ich hoffe, daß diese Zeilen das Glück haben, von Ihren schönen Augen gelesen zu werden, denn es wäre mir sehr unangenehm, wenn man mich über Ihren Namen falsch unterrichtet Hütte, und der Brief in andere Hände käme.
In der bestimmten Hoffnung, Sie morgen abend von der Aufrichtigkeit meiner Rene überzeugen zu dürfen, bleibe ich mit glühender Verehrung Ihr ganz ergebener
Fri tz Baron Üb erb ach k. k. Lieutenant.
III. Hcumnrttknserne.
II.
Wohlgebvren
F r ä nlein E m m a S ch i l d
IN
Wien,
VII. Lindengasse 50, II.
Wien, den 28. Juni 1881.
Meine einzige herzige Emmy!
Da sitze ich in meinem kahlen Zimmer und glühe noch im Nachgefühle Deiner Küsse. Emmy, Emmy, Du hast keine Idee, wie ich Dich liebe, sonst könntest Du nicht so abweisend bleiben, so hartnäckig meiner Leidenschaft widerstehen. Nein, Du liebst mich nicht! Ich glaube Deinen Beteuerungen nicht, denn dann würdest Du mich nicht so quälen! Oder glaubst Du, daß es keine Qual ist, an Deiner Seite zu sein, Dich im Arme zu halten, Deine heißen Küsse zu fühlen, Deine runden Arme an den meinen, Deinen wogenden Busen an meiner Brust! Und dabei soll ich ruhig bleiben! Ich wäre kein Mann, wenn ich es bliebe. Du verstehst es nicht, was lieben heißt, wenn Du von der Maßlosigkeit meiner Forderungen, von gar fügen Sünden sprichst. Du kennst sie eben nicht, die Freuden der Liebe, also rede nicht! Meine Wünsche sind berechtigt, denn ich bin jung und liebe Dich. Es ist keine garstige Sünde, die ich von Dir verlange, sondern das süße, beseligende Glück der Liebe. O, gewähr' cs mir! Du liebst mich nicht, wenn Du mich nicht erhörst. Oder willst Du, daß ich die Gluten, die mich verzehren, im Schlamme der Straße kühle statt im Schnee Deines Leibes? Verzeih, wenn ich zu kühn spreche, aber ich kann mich nicht mehr bezähmen hier in der nüchternen Einsamkeit meines Jnnggesellenzimmers, angesichts des freudlosen Lagers überkommt mich ein rasendes Verlangen nach Dir, nach Deinen Küssen, nach Deinem Leibe, Deiner Liebe. Wohntest Du allein und nicht bei Deiner Tante, die ich jetzt am liebsten zu allen Teufeln wünsche, — verzeih! — ich käme zu Dir, um Dich in meine Arme zu Pressen und mir das Glück zn erzwingen, das Du mir so grausam vorenthältst. Die armselige Stunde, die wir täglich zusammen sind, genügt mir nicht