Heft 
(1889) 33
Seite
554
Einzelbild herunterladen

Seite 554.

Deutschland.

^ 33.

IV.

Hochwohlgeboren

Herrn Carl Dobrensky von Dobra k. k. Rittmeister

in

Prag.

Altstadt, Kvmgshvfergasse 31.

Wien, den November 1888 . Lieber Frennd!

^ Richtig! Denk Dir! Neu­lich geh ich mit meiner Fran und mit meinem Schwiegervater am Ring spazieren: da seh ich am Arm eines älteren Herrn eine Dame herankommen, die mir sehr bekannt vorkommt. Es war Emma! Weißt, die schöne Emma aus meiner Jnfanterie- zeit her. Du erinnerst Dich doch noch auf ihre Photogra­phie? Sie sieht noch immer famos aus, fast besser, verführe­rischer als damals, nur ein ganz kleines bisserl -ptmses, um die Augen herum sieht man's, auch rou^a scheint sie nötig zu haben! Aber wie gesagt, noch immer sehr frisch. Ob sie mich erkannt hat, weiß ich nicht; sie that wenigstens nichts der­gleichen, was mir sehr lieb war. Mein Schwiegervater machte mich ans sie aufmerksam und sagte, sie sei die Maitresse ihres Begleiters, eine kleine Schauspielerin a. D., die es vorzieht, statt von der Gage, von der Liebe zu leben. Er fragte mich auch, wie sie mir gefiele.So so," sagte ich und that ganz gleichgültig. Wenn er wüßte! wenn sie < meine Fran) wüßte! - Na, vielleicht treff ich die Emma im Fasching einmal irgendwo, und wir setzen dort fort, wo wir vor sieben Jahren aufgehört haben. Veäsrsuio! Nochmals alles Schöne zum Namens­tag und Handkuß an Deine verehrte Mama.

Dein alter Freund

Fritz.

tilm dir KkdkiltiW drs Kiichschks

im Organismus und in der Nahrung der Menschen und der Tiere.

Nach einem im naturwissenschaftlichen Verein zu Jena gehaltenen Bortrage.

Von

S. Tcruöes-WArt'clöu. (Schluß.)

«ln 8nle 8nlu«.»

M^tz^ie Entziehung des Salzgenusses ist eine der größten und quälendsten Entbehrungen, die der Mensch selbst vvr vorübergehend erdulden kann, und wird dies MNZWL nie ohne Nachteil für seine Gesundheit geschehen können.

Die Entziehung von Salz ans Rücksichten der Ökonomie, welche russische Edelleute an ihren Leibeigenen übten, soll nach Barbier zu einem Zustande von Hydrämie und Skorbut ge­führt haben. Wenn einzelne Volksstümme, z. B. die Flas- kalaner (Preseott), kein-Salz zu ihrer Nahrung benutzt haben wollen, wenn das Urvolk des indogermanischen Stammes, die Arier, ebenfalls kein Salz besaßen (Fick), so ist die Einführung aus einem anderen Wege, bei Küstcnbewohnern z. B. durch die salzhaltige Atmosphäre, anzunehmen. Direkte Versuche von Verson beweisen, daß schon wenige Tage nach Entziehung der Kochsalzzufuhr Völle des Magens, Eingenommensein des Kopfes und allgemeine Mattigkeit sich einstellen.

In kleinen Dosen genossen, steigert Kochsalz die Speichel­sekretion, sowie die Absonderung der Laabdrüsen (Grntzner), und indem es zugleich die Thätigkeit der verdauenden Fermente ver­stärkt, vermag es die Digestion ebenso der eiweißartigen, wie

der amyloiden Nahrnngssnbstanzen zu beschleunigen. Durch den von ihm ausgehenden Reiz auf die Verdauungsschleimhaut erhöht dasselbe auch zugleich die motorische Thätigkeit des Ma­gens, fördert die Resorption des sauren Mageninhaltes, sowie seinen Übertritt in den Darm, und trügt auch hier in gleicher Weise zur beschleunigten Digestion der noch ungelöst gebliebe­nen Nahrnngssnbstanzen durch die verdauenden Fermente, des pnnkreastischen Saftes, außerdem Zur Förderung des Über­ganges medizinisch angewandten phosphorsauren Caleiums (^L-chetelig), sowie der Eisenpräparate ans dem Darme in die Saftmasse bei.

Wie durch Natrinmbikarbonat, ebenso wird durch Kochsalz einerseits eine größere Nahrungsaufnahme unter Steigerung des Appetits ermöglicht, andererseits ein gärnngshemmender Einfluß ans den Magen und in einem gewissen Grade auch ans den Darminhalt ansgeübt. Nicht ohne Nutzen bedient man sich daher des Salzes oder kochsnlzreicher Speisen (He­ringe, Pökelfleisch) bei Appetitlosigkeit, Indigestion und Dys­pepsie nach Überladung des Magens.

Die Bedeutung des Kochsalzes für den menschlichen wie tierischen Organismus entspringt ans der bekannten Zusammen­setzung und dem Verhalten des Blutes. In der Blutflüssig­keit, dem Plasma,' ist keiner der anorganischen Bestandteile in irgendwie so erheblicher Menge enthalten, wie das Kochsalz, von welchem Tiere und unter welchem Ernährungszustände man auch das Blut untersuche; dies Verhältnis bleibt, nur wenig schwankend, fortwährend das gleiche, ja es ergiebt sich, daß das Blut selbst solcher Tiere, denen das Salz absichtlich längere Zeit vorenthalten wird, immer eine unveränderte Menge von Kochsalz enthält.

Eine Hanptleistnng des in der Blutflüssigkeit vorhande­nen Kochsalzes ist, wie namentlich schon Justus v. Liebig sehr- schön hervorhob, rein physikalisch ans der Eigenschaft aller Salzlösungen beruhend, ans salzfreie oder ärmere Flüssigkeiten, welche durch eine Membran von ihnen getrennt sind, nach Art einer Pumpe Flüssigkeit ansangend zu wirken; setzt man in ein Gefäß voll Wasser eine mit Salzlösung gefüllte und mit einer tierischen Membran verschlossene Röhre, so sieht inan nach kurzer Zeit, den Gesetzen der Schwere entgegen, die Flüssigkeit in letzterer immer mehr zunehmen und in die Höhe steigen; gleichzeitig aber kann man Nachweisen, daß das vorher ganz salzfreie Wasser des äußeren Gefäßes immer salzhaltiger wird, daß also ein Teil der Salze der Salzlösung in nmgekehrter Richtnng wie das Wasser durch die Membran hindurch ge­gangen ist. Es teilt die Kochsalzlösung diese Eigenschaft mit allen anderen Salzen; da aber im tierischen Organismus das Kochsalz, wie erwähnt, das vorwiegende Salz ist, so ist natür­lich diese physikalische Wirkung in jenem hauptsächlich seine Leistung. Da diese aussangende Wirkung der Salzlösungen sich noch steigert, wenn man sie alkalisch, die äußere Flüssig­keit aber schwach sauer macht, so begreift sich leicht,daß in dem Ticrkörper alle Bedingungen vereinigt sind, um das Ge­fäßsystem durch das salzhaltige alkalische Blut zu der vollkom­mensten Säugpumpe zu machen, welche ohne Hahn und Klap­pen, ohne mechanischen Druck ihre Dienste verrichtet" hLiebig). Auf dieser rein physikalischen Wirkung beruht die leichte Auf­saugung des verdauten sauren Speisedreies in die Blutflüssig­keit; erleichtert wird sie noch durch das rasche Vorüberströmen der letzteren. Hierauf beruht auch der Stoffwechsel aus den lebendigen Zellen; auch letztere, die Nerven, die Mnskelzellen bekommen bei ihren Lebensvorgüngen einen sauren Inhalt, und es muß infolgedessen auch durch ihre Membran hindurch ein Flüssigkeitsstrom in die umspülende Blntmassc übertreten; dieser Strom wird um so stärker sein müssen, je salzreicher das Blut ist. Indem aber die in der Zelle gebildeten Berbrennungspro- dnkte in dieser Weise fortwährend entfernt werden, erhält auch die Zelle selbst immerfort ihre normale Fnnktivnsfühigkeit wie­der. Während ein blutleerer Muskel schon nach einer Reihe

' Bergt. Ranke: Physiologie x>. 350.