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Deutschland.
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verwandelte. „Die Warrants sind — na, Dn begreifst es doch nicht! Auf Eurem Seminar in Wesel hast Du das natürlich nicht gelernt, sondern die ägyptischen und babylonischen Könige," setzte er mit ironischem Lächeln hinzu, „und was Du dort nicht gelernt hast, das lernst Dn nicht mehr zu. Aber soviel wirst Dn wenigstens klein kriegen: Warrants sind das Barometer oder, wenn Dn es noch klarer haben willst, das Thermometer für die Montankurse." Dabei schaute er sie mit niederdrückender Überlegenheit an.
„Ach so!" seufzte Frau Lneie.
„Du thust am Ende noch so, als sei es Dir nicht recht, wenn die Montanknrse steigen?"
„Ach, lieber Karl, als Dn noch Direktor warst und Freude am eigenen Schaffen hattest, da hast Dn kaum je von dergleichen gesprochen."
„Ja, aber ich bin doch gottlob nicht mehr Direktor! Soll man denn sein Leben lang für andere schuften? Das heißt, eigentlich wünschte ich wahrhaftig, ich wäre noch Direktor, wenn auch mir für ein paar Tage, — ich wollte es dem Gesindel schon zeigen, was 'ne Harke ist."
„Wen meinst Dn, lieber Karl? Was für Gesindel?"
„Wen ich meine?! Das fragst Du mich noch?" Er schob seine Frau mit einem verächtlich mitleidigen Blick förmlich bis in die fernste Ecke des Eßzimmers.
„Ich habe es ja nicht böse gemeint, lieber Karl."
„Das fehlte auch noch! — Ich frage Dich, ob man nicht wild werden soll über diese Streikerbande! Gerade jetzt, wo man mal seine Freude hat an dem kräftigen Zug nach oben nach den zweimal sieben mageren Jahren."
„Ach, bester Karl, wir haben doch zu leben, reichlich, und unser guter Junge wächst so prächtig heran, und — —"
„Ja doch, ja doch; aber wenn man sich so lange für andere abgerackert hat, dann möchte man sich mal gründlich zur Ruhe setzen und znm ruhigen Genuß kommen. Aber lassen einen die Kerle dazu kommen? Ich frage Dich! — Na, heute werden sie's aber spüren! Die 187er fackeln nicht lange. Ihren Hanptmann kenne ich. Die werden es den Angstmeiern und Lümmerschwänzchen in Berlin beweisen, daß es mit der Gemütlichkeit und Weichlichkeit nichts ist. Weichlicher Arzt macht faule Wunden. Ich hab's vom Landrat gestern im Kasino: rotten sich die Kerls heute wieder auf dem Kaiser-Wilhelmsplatz zusammen und faulenzen dort herum und gehen nicht auseinander und grölen, so wird dazwischen gefeuert und zwar scharf."
„Um Gottes willen, Karl, das wäre ja schrecklich!"
„Schrecklich? Sehe ich nicht ein. Was soll dabei Schreckliches sein? Das ist eben einfach Staatsraison!"
„Staatsraison?"
„Ja, Staatsraison! Ordnung muß sein, liebes Kind, das hat ja doch wohl selbst in Eurer Mädchenschule gegolten. Auf Ordnung ist die Welt, ist der Staat gegründet, und wenn inan der unverschämten Bande nicht mal blank die Zähne zeigt, so sind wir alle keinen Augenblick unseres Lebens sicher."
Er sah sie mit einem durchdringenden staatsmännischen Blick an, hartnäckig, herausfordernd, fo daß sie ihre Angst vor einem Gespräch hierüber bekämpfen mußte und ihm erwiderte: „Du hast doch immer selbst gesagt, die Bergleute sind die ordentlichsten Arbeiter, und uns haben sie noch nie etwas gethan."
„Hat sich was mit ordentlich! Eine schöne Ordentlichkeit! Ordentlich, solange wie es dauert. Jetzt scheint es damit am Rande zu sein. — Hier kannst Du's lesen, bitte, schwarz auf weiß, eine Depesche im Börsenknrier, wenn Du's mir nicht glaubst. «Die ganze Belegschaft der Grube ,Deutsches Volks- glücll hat sich dem Ausstand angeschlossen.» Eine Grube, auf der ich siebzehn Jahre Direktor gewesen bin! Nun frage ich Dich, warum die Kerls sogar da streiken? Alles habe ich für sic gethan: eine Badeanstalt, eine Kleinkinderbewahranstalt, einen Liederkranz, einen gegenseitigen Verein zur Pflege von hilfebedürftigen Wöchnerinnen habe ich für sie gegründet, und jetzt streikt diese unverschämte, undankbare Bande auch! — Das wird heute 'ne schöne Börse in Berlin werden!"
Der ganze Ernst der Lage war dem Herrn Geheimen Kommerzienrat in die Glieder geschlagen. Erregt sprang er vom Stuhl auf und trottete wie ein zorniger Bär durchs Zimmer mit Schritten, unter denen trotz des dämpfenden geknüpften Smyrnateppichs die Dielen dumpf schlitterten. — „Ob ich telegraphiere, er soll verkaufen?" -- Dann mit einem Blick auf die Uhr: „Ach, dazu ist es schon zu spät. — Nein, vielleicht doch nicht, wenn man dringend —. Aber heute ist ja iu Berlin auch alles in bodenloser Verschmetterung. — Oder am Ende zukaufen? Ja, wenn man wüßte, daß es morgen hier ruhig ist. Aber der Henker mag wissen, wie es in einer Stunde hier aussieht. Es ist zu toll, — man muß es gehen lassen, wie es will."
Er setzte sich wieder an den Tisch und goß ein Glas von dem dunkelroten Volnay hinunter, ohne abzusetzen. Dann griff er aufs neue nach Messer und Gabel.
„Lueie, sind denn heute keine Kieler Sprotten da?"
„Die sind noch nicht gekommen."
„Was heißt das: noch nicht gekommen?"
„Ich habe nach Kiel geschrieben, wie Dn gewünscht hast; aber sie sind noch nicht gekommen."
„Wieder so eine Bummelei! — Na, aber ein bißchen Lachs hast Du ja da; in der Not frißt die Katze auch die kleinen Fische." — Dann siel ihm ein, daß dies Sprichwort einen sehr guten Witz darstelle, und er lachte gurgelnd und kauend in unterbrochenen Stößen.
„Ach, Karl, es ist doch schrecklich!" sagte Lneie ganz leise.
„Schon wieder mit Deinem Schrecklich! Oder meinst Dn, weil die Sprotten aus Kiel noch nicht angekommen sind? Da wären wir endlich einmal einverstanden."
„Nein, aber daß sie auf die Bergleute schießen wollen, und dabei bleibe ich!" Sie hatte es mit etwas erhobener Stimme gesagt, und nun erschrak sie über ihren Mutanfall.
(Schluß folgt.)
Aöotf HSastian.
Von
Dl. Ths. Achelis.
e ruhiger das neu erstandene Deutsche Reich sich seiner überseeischen Besitzungen annimmt und dieselben als wohlerworbene, wenn auch vielleicht erst in ferner Zukunft ergiebige Quellen des nationalen Wohlstandes zu konsolidieren und darum klar abzngrenzen versucht, um so mehr ist es Pflicht, auch der Männer zu gedenken, welche zuerst