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stillation mit Palmarosaöl besprengt, so daß die Dämpfe der beiden Produkte bei der Destillation sich innig vermengen. Dieser letzteren Art wird der Vorzug gegeben. Und wenn auch die Einfuhr von solchem Surrogatöl sogar direkt verboten ist, so wird doch auf dem Wege des Schmuggels immerhin eine genügende Quantität über die Grenze gebracht. Damit über die Sache auch ihre komische Seite habe, so ist auch das Palmarosaöl fast regelmäßig auch - schon verfälscht, — und zwar mit Terpentinöl — so daß man sich unwillkürlich fragt, was denn überhaupt wohl an irgend einem Rosenöl, das in den Handel kommt, noch thatsächlich echt sein kann. Ein Mittel, wie gesagt, die Verfälschungen ihrem Grade nach festzustellen, giebt es nicht, — nicht einmal für den Händler, geschweige denn für den Laien, der nunmehr wissen wird, was er von „echtein Rosenöl" zu halten hat.
Es erübrigt nun noch des Handels mit dem Rosenöl zu gedenken, der das Bild echt orientalischen Gepräges zeigt, nämlich das der Unreellitüt und des Wuchers.
Wir haben bereits gesehen, in welch kaum glaublicher Weise die Verfälschungen betrieben werden, und das getreue Pendant dazu ist der Handel.
Der Hauptsitz des Handels ist Kasanlik und Konstantinopel. In ersterer Stadt befassen sich acht Firmen mit dem Ankauf, sechs bulgarische und zwei deutsche, und zwar in folgender Weise: Etwa einen Monat nach der Ernte senden die Häuser ihre Agenten in die Rosenöl produzierenden Dörfer, da der Bauer nicht mit seinem Produkt zur Stadt zieht, sondern mit stoischer Gelassenheit wartet, bis man zu ihm kommt, und nun beginnt der Handel. Die Kaufverträge, deren Präparatoren oft einen ganzen Monat dauern, werden stets mit jedem Dorfe auf einmal gemacht. Jeder Bauer bringt seine Flasche mit Rosenöl herbei, das sogleich auf den „Gefrierpunkt" untersucht wird, d. h. ob es, wie oben erwähnt, bei fünfzehn Grad fest wird. Hierzu wird das Ol in einem kleinen Fläschchen in Wasser von dieser Temperatur getaucht, und je tiefer der Gefrierpunkt sich stellt, desto geringer wird der Preis, weil die Verfälschung eine entsprechend größere ist, — je höher aber der Punkt des „Gefrierens" steigt, etwa auf sechzehn oder siebzehn Grad, desto mehr steigt auch das Produkt im Preise. Daß jedoch dieser letztere bei großer Konkurrenz der Käufer kein allzu hoher werde, dafür sorgen die „Ringe" der Agenten, die sich nach Analogie der modernen gewerbsmäßigen Auk- tionsbesncher die Preise nicht durch gegenseitiges Treiben verderben. Außerdem aber haben meist schon die Händler ein gewisses Vorkaufsrecht, da der Bauer oft einen Vorschuß erhalten hat, der ihu dann verpflichtet, seinem Darleiher das Ol zuerst anznbieten, und nur wenn dieser sich weigert, den etwa von der Konkurrenz gebotenen höheren Preis auch seinerseits zu zahlen, darf er es frei verwerten. Der Preis wechselt naturgemäß je nach Angebot und Nachfrage: kleine Ernten bringen, gerade wie bei unserer Landwirtschaft, — hohe, gute Ernten geringe Preise. Im Handel selbst schwankt der Preis je nach Qualität und Jahrgängen zwischen achthundert bis neunhundert Francs per Kilo, — während der Preis des in Südfrankreich gewonnenen Ols sogar bis achtzehnhundert Francs steigt. Und es wird klar, wie lohnend die Verfälschung ist, wenn man bedenkt, daß das zu derselben verwandte Palmarosaöl höchstens bis fünfzig Francs per Kilo kostet, so daß also der Gewinn sich für jedes zur Vermischung gelangte Doppelpfund des gedachten Surrogats auf mindestens achthundert bis neunhundert Francs beläuft.
Einen wichtigen Abschnitt in der Kultur der Rosen bildet das Jahr 1872; da der Preis damals ein enormer war chier- zehnhnndert Francs per Kilo), wurden die Pflanzungen ausgedehnt und demgemäß natürlich in den folgenden Jahren wieder der Preis gedrückt. Infolge des Preisrückganges wurden wieder die Felder nicht sorgfältig bebaut, was naturgemäß abermals eine geringere Produktion und ebenso eine Preiserhöhung zur Folge hatte; auf diese Weise schwanken die Erträgnisse ans und nieder.
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Wie es nun bei unserem Weinbau einen guten oder vollen, einen Durchschnitts- und einen geringen Herbst giebt, so variieren auch die Rosenernten innerhalb dieser Skala, und beläuft sich demgemäß die gesamte bulgarische Rosenölproduktion auf fünfzehnhundert bis dreitausend Kilogramm, so daß man den Durchschnitt wohl auf zweitausendzweihundert Kilogramm annehmen kann. Das schlechteste Jahr innerhalb der letzten zwei Dezennien war 1872 mit fünfzehnhundert Kilogramm, mittlere Jahrgänge finden sich in der Zeit von 1879 bis 1885, gute sind diejenigen von 1886 bis 1888, und „sehr gute" endlich 1871 und 1889. Wie der heurige Sommer sich anläßt, steht zur Zeit der Niederschrift dieses Aufsatzes noch nicht fest.
Außerordentlich interessant sind einige kulturhistorische und wirtschaftliche Schlaglichter, welche die Broschüre auf bulgarische Verhältnisse wirft. So wird z. B. mitgeteilt, daß die Bauern für die erwähnten Vorschüsse auf die Ernte die Kleinigkeit von zwölf bis vierundzwanzig Prozent Zinsen an die Händler zahlen müssen, ein Maßstab, für den uns geradezu das Verständnis fehlt. Ferner betrügt der Tagelohn der Frauen für die Feldarbeit durchschnittlich sechzig Centimes oder einen Franc, je nachdem sie von dem Bauern beköstigt werden oder nicht. Gleich niedrig sind die Akkordlöhne; für das Kilo Rosenblütter erhält die Pflückerin — zwei Centimes, und man kann sich eine Vorstellung von der Ergiebigkeit dieser Arbeit machen, wenn man berücksichtigt, daß durchschnittlich tausend Rosen erst ein Kilo Blätter geben. Im übrigen giebt ein Hektar gewöhnlich dreitausend Kilo Blätter oder ungefähr drei Millionen Rosen, und diese drei Millionen Rosen wiederum ein Kilo Rosenöl. — Nicht minder interessant ist, daß die sämtlichen bei der oben geschilderten Destillation benötigten doch höchst einfachen Geräte nicht in Bulgarien selbst hergestellt werden, sondern zum wesentlichen Teile importiert werden müssen; das vorgearbeitete Kupfer bezieht man aus England, die Flaschen aus Ungarn u. s. w.
Im übrigen ist die Kunst, Rosenöl zu gewinnen, erst seit ungleich jüngerer Zeit bekannt, als man gewöhnlich annimmt, und den arabischen Märchen, in denen es eine so große Rolle spielt, ist es wohl erst von den moderneren Erzählern eingefügt worden; es kann sich vielmehr bei denselben nur um durch Destillation gewonnenes Rosenwasser gehandelt haben. Erst im siebzehnten Jahrhundert kam man nach persischen Schriftstellern darauf, das Ol selbst wieder aus dem Rosenwasser auszuscheiden, und zwar aus Anlaß der Feste, welche der Mogul Jehan Ghir bei seiner Vermählung mit der Prinzeß Nur Jehan veranstaltete. Mit echt orientalischem Luxus ließ er Büche Rosenwassers durch die Gürten seines Palastes laufen, und da der Prinzeß auf dem Wasser schwimmende Kügelchen anffielen, befahl sie, dieselben zu sammeln, und so entdeckte man das Rosenöl. Ihr zu Ehren hieß denn auch thatsächlich lange Zeit die Krone aller Düfte „Parfüm Jehanghiry."
Die Nachfrage nach diesem herrlichsten aller Wohlgerüche wächst denn auch von Jahr zu Jahr. Und mit der steigenden Nachfrage steigt auch die Kultur in ethischer Beziehung in jenen jahrhundertelang durch die türkische Mißwirtschaft gekuechteten uud von der Natur so reich gesegneten Gegenden, so daß zu hoffen ist, neben der Königin der Blumen werde auch alsbald die Königin der Menschheit in dieselbe einziehen, nämlich geistige Regsamkeit, Arbeitslust und höhere Gesittung.
Österreichische Grenzwanderungen.
Vvn
Wolfgang Kirchbach.
I.
sagt, es habe ein jeder Mensch seinen eigenen Duft, seinen eigenen Geruch, und manche wollen sogar einen besonderen Seelendnft ausfindig gemacht haben, der die Menschen zu einander zieht, Zuneigung und Abneigung be-
Deutschland.