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Deutschland.
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nicht zum Bewohnen da sind. Ich vermute auch, daß die baupolizeilichen Gesetze in Österreich andere sind, als in den Staaten des Deutschen Reiches; denn die Art und Weise. Häuser zu bauen. Hintertreppen und Seitenstiegen anzulegen, die Häuser förmlich aneinander zu kleben, an Flußufern gewisse immer wiederkehrende Landschaftsbilder hervorzubringen durch die Art, wie man mit schrägen Pfeilern förmliche Wasserburgen baut, und alles so lauschig und malerisch dreinsehen macht, auch das wird sich wohl auf gewisse Bauordnungen oder Nicht-Ordnungen zurückführen lassen, welche auf Einheitlichkeit des Staatswesens Hinweisen.
Traulich berührt jeden Reichsdeutschen, der nach dem östlichen Brnderreiche hinüberkommt, vor allem die große Einheitlichkeit der Mundart, die über das ganze Land zu herrschen scheint. Man nennt's im Reiche den „österreichischen Dialekt." Doch giebt es gerade hier gewisse Unterschiede, welche man nicht vergessen sollte. Tritt man von Bayern aus ins Östland, so herrscht allerdings bis hinunter nach Wien die Sprache der Bayern selbst, welche als eine große einheitliche Stammes- gesellschast bis hinter Augsburg sitzen. Dort kommen dann die „Schwaben." Aber im Österreichischen spricht man die Mundart doch etwas anders als in Bayern; denn schon die Kehlen sind weicher, wie die Menschen weicher zu sein scheinen. Selbst im Hochgebirge walten Unterschiede. Es ist kein Zufall, daß Anzengruber und Rosegger ihre bayrisch-österreichische Mundart ganz anders schreiben, als der Münchener Mnndartdichter Karl Stieler. In Wien selbst aber hat sich unter der schulmüßigen Einwirkung des Hochdeutschen auf die Mundart eine Sprache gebildet, die durchaus nicht mehr die Beugungs- und Ableitungsgesetze der eigentlichen Mundart befolgt, sondern hochdeutschen Sprachgebrauch mit der Mundart zu jenem eigentümlich gemütlichen Deutsch vermischt, das wir als „weanerisch" bezeichnen.
Ganz ähnlich wie nun aber die Stadtsprache des Berliners durch die Versetzung von Beamten, durch das Znrückflnten der Großstadtbevölkerung in die Landesteile selbst nach Halle und weiter nach Obersachsen hinein manchen Berliner „Aeeent" verpflanzt. so hat in Österreich das Wienerische sich an alle Grenzen zurückverschlagen. Denn da sitzen in den Grenzstädten überall Offiziere. Beamte und andere Leute, welche im Wiener Prater das wahre Deutsch gelernt haben und nun unwillkürlich den Wiener „Ton" auch unter die Leute tragen. Mancher Wanderer kann dadurch leicht über den wahren Stammescharakter der Grenzbevölkerung getäuscht werden.
Vor einiger Zeit saß ich in einem kleinen böhmischen Städtchen am Fuße des Erzgebirges, nicht weit von dem altberühmten Kloster Ossegg. Da war ein Gastwirt, der sprach drei Sprachen. An einem Tisch neben mir saßen zwei Arbeiter im Sonntagsanzuge. welche eine scharftönende Sprache redeten, bei welcher sie die Lippen und den Mund immer bewegten, als hätten sie etwas recht Böses oder Schauerliches zu sagen. Natürlich war es tschechisch. Ich hörte lange zu; dann sprachen sie auf einmal nicht mehr tschechisch, sondern der eine Arbeiter fiel in eine mir wohlbekannte Sprache, die deutsch hieß und die reinste Gemütlichkeit echten sächsischen Blümchenkaffees verriet. Da sprach der andere Arbeiter auch deutsch; es sollte wohl „deutschböhmisch" sein, wenigstens radebrechte er einige Mitlauter und Selbstlauter auf eine fremdartige Weise; sehr bald aber merkte ich. was die Glocke geschlagen hatte; es war nur ein verdorbenes Bajuwarisch. Das dauerte eine Weile; dann sprachen sie wieder tschechisch und stellten sich sehr unheimlich dabei.
Waren sie nun Tschechen oder Deutsche?! Ich wußte es nicht; aber was mein Gastwirt war. das erfuhr ich bald. Er trat heran; erst sprach er ein Weilchen tschechisch mit den Leuten, dann wurde das „Wienerische." das „Bajuwarische" daraus, und nach einem Weilchen kam das allerschönste, ausgebildetste voigtlündische Sächsisch zum Vorschein. Ja. er sprach drei Sprachen, dieser Mann, der hier mit seinen Vätern seit alter Zeit haust, wie viele seiner deutschen Brüder, die bald oben
nach dem Erzgebirge oder dem Voigtland hinaufsteigen, bald sich wieder ansiedeln unten in der nordböhmischen Ebene; aber ganz zweifellos unverfälschte Obersachsen, Thüringer, voigtlündische Franken sind und die „österreichische Aussprache" eigentlich nur spaßeshalber mitmachen zur Bekundung ihrer Landesangehörigkeit.
(Fortsetzung folgt.)
Klingens Toüesphnntnsieen.
Von
0n. Alfred Gotthold Meyer.
<l,6 grogre cle I'Nomine winventer, weine noi ei non nn untre.»
(NN1'A6N.)
ch^n den stetig sich mehrenden Kümpfen, welche dem geistigen Leben unserer Tage klarer und klarer den Charakter einer gärenden Übergangsepoche verleihen, bleiben die bildenden Künste sichtlich im Hintertreffen. Ihre Zeit scheint noch nicht gekommen. Der Anschauung jenes vielbesprochenen anonymen Herolds deutscher Kunst, welcher sein stolzes Zukunftsbild in der Gestalt eines Malers verkörpert, steht die öffentliche Meinung vorerst noch schroff entgegen. Ihr sind die Namen der jüngsten Dichter und Musiker noch immer weitaus geläufiger als die der zeitgenössischen Vorkämpfer im Reich der Bildnerei. Wohl veranlaßt auch in diesem eine durch Eigenart hervorragende Schöpfung bisweilen einen Streit der Meinungen, aber die Gemüter beruhigen sich meist rasch, und der Schlachtruf verhallt durchgängig schneller als im Zeltlager litterarischer Kritik.
Dieser Thatsache gegenüber spricht die erregte, meist zu einem künstlerischen Glaubensbekenntnis erweiterte Erörterung, welche jedes neue Werk Max Klingers zu veranlassen pflegt, gewichtig für feine hohe Bedeutung. Schon sein erstes Debüt auf der 78 er Kunstausstellung hatte in diesem Sinne einen völlig eigenartigen Erfolg: eine begeisterte Anerkennung wurde in der gleichen Zeitschrift, welche sie veröffentlichte, im Einverständnis mit der Redaktion widerrufen. Dies selbst in den wechselvollen Annalen unserer Kunstkritik seltene Schauspiel wiederholte sich, freilich weniger drastisch, genau zehn Jahre später in den Spalten eines kunsthistorischen Fachblattes, wo auf ein vorsichtig rühmendes Referat über Klingers Illustrationen zu „Amor und Psyche" ein in beißende Satire gekleideter Bannspruch der ganzen Klingerschen Kunst folgte. — Und in der Zwischenzeit war Klinger auf dem selbstgewählten Pfad rüstig vorwürtsgeschritten; inzwischen war unter den kritischen Scharmützeln der Tageslitteratur, die jedem neuen „Opus" folgten, die mustergültige Schilderung seiner Persönlichkeit und Kunst aus der Feder Georg Brandes' erschienen, die ihn. ihn allein von den Fachgenossen, jenem erlauchten Kreis der „modernen Geister" zuführte. — Diesen Ruhmestitel vermag heute selbst der erbittertste Gegner dem Künstler nicht mehr streitig zu machen. Er dankt ihn ganz sich selbst, denn er hatte den Mut. sich treu zu bleiben. „Individualismus ist die Wurzel aller Kunst; dem Individualismus gehört die Zukunft." In diesem Sinn hätte der geistvolle Prediger dieses Glaubenssatzes mit gleichem Recht an Stelle Rembrandts unfern Klinger zu seinem Schutzheiligen erheben können. — Die Grundzüge dieser Individualität hat Brandes bereits 1882 mit meisterhaften Strichen gezeichnet: so bleibt auch alles, was sich über Klingers spätere Thütigkeit sagen läßt, nur ans eine nähere Durchführung und Ergänzung dieser Skizze beschränkt. Aber es gehörte seltenes Feingefühl und ungewöhnlicher Scharfblick dazu, um aus den bis 1882 vorliegenden Werken Klingers ein Charakterbild zu entwerfen, das heute noch zu Recht besteht. Brau-