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Deutschland.
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in Hand saßen sie gesenkten Hauptes da. So traf sie die Mutter.
Da erhob sich Christa. Die Not stärkte ihr den Mut und die Thatkraft. „Gott ist allmächtig. Er speist die Hungrigen und tröstet die Bedrängten, und wird auch uns nicht verlassen!"
„Uns?! Uns, Christa?" Berthold sah wie zu einer Heiligen zu ihr auf.
„Uns!" gab sie fest zurück. Jetzt erschien das blasse, kränkliche Mädchen Berthold schön; aber er schüttelte weinend, wehmütig den Kopf.
„Was bedeutet denn das nur?" fragte Frau Dobeneck endlich.
„Scheiden — von — — von — — ach mein Gott!"
Christa wußte, was ihm auf den Lippen schwebte, ihr entzücktes Herz sagte es ihr; aber sie dankte Gott, daß er's nicht ausgesprochen hatte.
Berthold gab endlich nach und wollte fürs erste wenigstens noch bleiben. Ein geringes Stipendium wurde ihm zuerkannt, einige Privatstunden brachten ihm drei Mark in der Woche, die beiden Fleischtage wurden auf einen herabgesetzt, die kleine hochgelegene Wohnung mit einer kleineren noch höheren vertauscht-und es ging — es ging, wenn auch der
Hunger freilich oft nur durch trockenes Brot und Kartoffeln gestillt werden konnte.
„Ich muß Euch verlassen," flüsterte Berthold eines Tages Frau Dobeneck zu, als er sah, wie beide Frauen bis tief in die Nacht hinein nähten. „Es ist Kirchenraub, den ich an Euch begehe."
„Berthold — — bleib-denn-" sie schluchzte
laut — „Sie sind mir ein Sohn geworden -- — — und Christa — — —"
„Mutter," flüsterte Berthold, die alte Frau inbrünstig umschlingend und ihre feuchten Augen mit Küssen bedeckend. „Mutter, heiß geliebte Mutter!" — Und er trat Christa freudig entgegen — und blieb.
(Schluß folgt.)
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Von
Aleöicus.
I.
^^N ärztlichen Kreisen erwartet man mit Spannung die in den nächsten Monaten zu fassenden Beschlüsse, die eine Neugestaltung der medizinischen Prüfungen herbeiführen werden. Es „ hat sich herausgestellt, daß die jetzt im Staatsexamen der Ärzte gestellten Ansprüche den praktischen Bedürfnissen nicht mehr entsprechen, und die neu entstandenen Ärztekammern waren die ersten, die in dieser Hinsicht Wandlung verlangten.
Die Frage, um die es sich hier handelt, interessiert weit über die eigentlichen Fachkreise hinaus und verdient im eigensten Interesse des Publikums, nicht minder freilich auch des ärztlichen Standes, einer öffentlichen Diskussion.
Bei einem Vergleich des medizinischen Studiums in Deutschland und in Frankreich drängt sich uns die Überzeugung auf, daß aus unseren medizinischen Hochschulen die Ausbildung eine
wesentlich theoretische ist, während die Franzosen mehr die praktische Ausbildung im Auge behalten.
Wann beginnt denn nun diese Verschiedenartigkeit der Lehrmethode? Deutsche und Franzosen müssen dieselbe Vorbildung besitzen, wenn sie znm medizinischen Studium zugelassen werden wollen; sie müssen dieselben Gegenstände lernen, auf der deutschen sowohl wie auf der französischen Universität; und werden schließlich, wenn sie die Berechtigung zur Ausübung der ärztlichen Praxis erlangen wollen, fast nach ganz gleichem Maßstabe geprüft. Und dennoch ist der Unterschied ein ziemlich großer.
Daß der französische Student, wenn er „Bachelier" geworden — sonst wird er an der Universität nicht eingeschrieben — meist älter ist als der deutsche Abiturient, sei nur nebenbei erwähnt, obwohl es nicht ganz gleich ist, ob man die Medizin mit siebzehn bis achtzehn oder im Alter von zweiund- zwanzig Jahren zu studieren beginnt. Was aber gewöhnlich vergessen wird, ist die Thatsache, daß der Franzose viel länger studiert als der Deutsche; während wir hier in Deutschland meist vier und ein halbes Jahr studieren, — und in diese neun Semester wird auch dasjenige eingcschlossen, in welchem der Militärpflicht genügt wird — sind die französischen Studenten verpflichtet, sechs Jahre ohne irgendwelche Unterbrechung auf der medizinischen Fakultät und ans den Krankenhäusern und Kliniken zu verbringen, bevor sie zum Praktizieren zngelassen werden. Wer wollte da ein Plus von zwei Jahren Studiums geringschützen?
Nun besteht aber noch ein Unterschied, der unseres Erachtens der bedeutendste und folgenschwerste ist. Wir haben es bereits oben erwähnt, daß auf den medizinischen Fakultäten Frankreichs der praktischen Äusbildnng des Arztes mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, als auf den unserigen. Von der richtigen Voraussetzung ausgehend, daß der Arzt in erster Reihe Praktiker sein müsse, hat man in Frankreich das sog. „Internat" und „Externat" an den stets mit der Universität verbundenen Krankenhäusern eingeführt. Diese Einrichtung besteht darin, daß die Studenten auf Grund einer von ihnen abzulegenden Prüfung als Hilfsassistenten an dem Hospital ausgenommen werden, wo sie aber mir ein halbes Jahr verbleiben dürfen, — mit Rücksicht darauf, daß es auch die anderen erlangen. Die Einteilung ist derart, daß jeder Student in den letzten drei Jahren seines Studiums — die ersten drei Jahre sind der Anatomie, Physiologie, Physik, Chemie, Zoologie und Botanik gewidmet — je ein Jahr auf der inneren, chirurgischen und Frauenklinik znbringt, das erste Halbjahr außerhalb der Klinik wohnend, das zweite in der Klinik, wo er außer der Verpflegung auch noch — wenn er bedürftig ist - ein monatliches Honorar empfängt.
Wie anders bei uns in Deutschland. Sind auch die Studenten der Witzblätter für gewöhnlich übertrieben, so muß man doch zugeben, daß selbst die Mediziner, wenn auch die fleißigsten, viel zu wünschen übrig lassen. Wie viele vernachlässigen Kollegien und Kliniken! Diese Vernachlässigung braucht freilich nicht — und das ist ja gerade das Schlimme — einen Durchfall im Examen herbeizuführen. Was wird denn im ärztlichen Staatsexamen verlangt? Etwa praktisches Können, erworben im fleißigen Besuch der Kliniken? Nein; wer viel und mit einigem Verständnis über irgend ein Kapitel aus der Pathologie sprechen kann, der bekommt eine gute Note — und selbst ohne Verständnis soll es schon gegangen sein. Die deutsche medizinische Litteratur ist reich an trefflichen Lehrbüchern; wer sie auswendig gelernt, muß aber nicht notwendig ein guter Arzt „sein. Das Studium der Medizin gipfelt vielmehr in der Übung am Krankenmaterial, — und diese eben fehlt auf den deutschen Universitäten.
Wem ist es nicht zur Genüge bekannt, wie die Herren Kandidaten ins Staatsexamen „steigen?" Repetitionskurse werden mit schwerem Gelde bezahlt, Assistenten oder andere junge Ärzte „pauken" den zukünftigen Ärzten die Kenntnisse ein, die für das Examen nötig, durchaus nötig sind, und nach eini-