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Deutschland.
Seite 799.
„Wie heißt denn der Baron?"
„Baron von Schwarz," erwiderte Carl und schien im Klange dieses Namens Beruhigung für seine Aufregung zu finden. Ja, das war ein Prachtmensch, der konnte erzählen, der hatte die Welt gesehen. Kurz, das vom Schwerte der heiligen Justitia so unversehens getroffene Opfer ließ sich beschwichtigen, Franz that Geld aus seinem Beutel, die Zimmer- rechnnng wurde beglichen und elegant, wie einem Modejournal entstiegen, machte sich Heilmann selbst auf den Weg, um den Gerichtsvollzieher herbeizuholen.
Hast Du die Mieze gesprochen, wollte Franz dem Enteilenden Nachrufen; aber schon war er, „wie Gna im Fluge, jugendlich ungestüm" die Treppe hinuntergeglitten. Sollte Mieze sich verlaufen haben?
Es klopfte. „Herein!"
In der Thür erschien Drnmmond, der Journalist. Er wollte Heilmann besuchen und beschäftigte sich zunächst mit dessen Cigarrenvorräten. Dabei hörte er sich mit satanischem Lächeln den melodramatischen Vortrag an, zu welchem sich Franz mit kläglicher Miene „ans erhabenem Pfühl," dem noch ungeordneten Bette, zurecht gesetzt hatte. Als aber der Name des Barons dem Gehege der Zähne entflohen war, sprang Drummond wie elektrisiert in die Höhe.
„Das ist ja himmlisch!" rief er aus und läutete nach dem Hausknecht.
„Sie werden sehen," erklärte er dem verblüfft dreinschauenden Maler, „wie geschickt die Muse des Lustspiels den Knoten der Verwicklung geschürzt hat. Der Knoten läuft sicher im Namen Schwarz zusammen. O, ich kenne ihn, es ist himmlisch."
August Noack, seines Zeichens Hausknecht, trat jetzt auf und bekundete, das Zimmermädchen Franziska habe ihm gesagt, der Herr auf Nummer 12 sei gepfändet worden. Dies habe er dem zur Zeit der Pfändung abwesenden Portier wiedererzählt und dieser habe gesagt, da werden wir wohl zusehen müssen, wie wir zu unserem Gelds kommen.
Trotz allen Nachforschens blieb August Noack bei seiner durchleuchteten Darstellung, und es wurde nunmehr die besagte Franziska zum Verhöre vorgefordert. Ehe dies jedoch beginnen konnte, trat eine neue Person in die Erscheinung. Sie war in dunkelblaues Tuch gekleidet und hatte silberne Knöpfe. Es war der Mann, welcher die Oblaten mit dem Reichsadler läßt aufgehen über Gerechte und Ungerechte.
„Sie haben mich rufen lassen?" fragte er Drummond, der eine Verteidigungsstellung angenommen hatte. „Wollen Sie zahlen?"
„Nein!" erklärte dieser, belustigt von der Ahnungslosigkeit des Gerichtsvollziehers. „Wen haben Sie denn eigentlich gepfändet?"
Der Beamte stutzte einen Augenblick.
„Nun, Sie oder den Herrn da. Ich habe im Aufträge von Wentzel u. Co. wegen einer vollstreckbaren Forderung von 450 Mark gepfändet."
„Aber wen?" rief Drummond.
„Den Baron von Schwarz," entgegnete der Mann des Gesetzes.
„Das dachte ich mir gleich!" sagte Drummond trocken. „Aber Sie sind an den Unrechten geraten. Geben Sie die Sachen nur frei! Hier wohnt der Maler Carl Heilmann."
„Aber das Mädchen dort," bemerkte der Gerichtsvollzieher, indem er auf Jungfer Franziska deutete, „sagte mir doch, hier wohnt der Baron. Ich habe in ihrer Gegenwart das Pfändungsprotokoll aufgesetzt und ihr eine Abschrift davon zur Weiterbeförderung an Herrn von Schwarz übergeben."
Während dieser Auseinandersetzung hatte sich auch der Cerberus des Hotels eingefunden.
„Wie kommen Sie dazu zu sagen, daß hier der Baron wohnt," fuhr er die etwas blöde dreinblickende Franziska an. „Wo ist das Pfändungsprotokoll, Sie, Pute, Sie?"
„Ich bin ja noch nicht lange hier im Dienste," erklärte die Unglückliche weinend. „Ich glaubte doch, hier wohnt der Herr Baron, und da habe ich mich heute früh nicht hineingetraut. Und als dann der Herr auf Nummer 12 Lärm gemacht hat, da hat der Herr auf Nummer 11" — „der Baron," schaltete Drummond ein — „mich gefragt, was los ist, und da habe ich es ihm gesagt und habe ihm das, das" — „das Pfündungsprotokoll," ergänzte der Gerichtsvollzieher — „gegeben, und da hat er es gelesen und hat gesagt, die Sache wäre gut."
Sie war es wirklich.
„Da soll ja ein Donnerwetter dreiuschlagen!" schrie der Portier und wurde von den Anwesenden in diesem Wunsche unterstützt. „Also zum Baron wollten Sie?"
„Natürlich," entgegnete der Mann, welcher der blinden. Justiz seinen Arm geliehen hatte.
„Den werden Sie wohl nicht kriegen," sagte der Portier, „er ist heute vormittag mit einer Dame, die ihn abholte, nach München gefahren."
„War sie in Hellblau?" fragte Franz etwas kleinlaut.
„Stimmt," murmelte der Portier, „es war wohl so eine!" und damit ging er auf seinen Posten, während der Gerichtsvollzieher sich und seine Sache dem unbefriedigten Carl, der jetzt über ihn hereinbrach, erklärte, und unter vielen Entschuldigungen die Siegel löste.
„Was ist eigentlich mit diesem Baron los?" erkundigte sich Heilmann, als er inmitten seiner Freunde das Hotel verließ.
„Na, den kenne ich schon lange," erwiderte Drummond. „Er ist das, was der Augenblick von ihm verlangt: Reporter, Schriftsteller, Agent, Rentier, je nachdem, was ihr wollt."
Also auch Rentier! Carl dachte dabei an einen gewissen Hundertmarkschein, an eine schwache Stunde und an das unzerreißbare Band, das ihn von nun an mit dem Baron verknüpfen sollte.
„Ja," fuhr Drummond fort, „er gehört dem großen Orden derer an, welche «die Lilie auf dem Felde» zum Sinnbild erkoren haben. Sie halten das Gelübde der Armut unverbrüchlich. Schwarz lebt auch sonst wie ein Mönch, er schreibt nämlich, wie die Klosterbrüder weiland, die Bücher anderer ab. Ich kann aber leider nicht verschweigen, daß es in Feuilletonform geschieht. Schon in allen Stadtteilen bin ich ihm begegnet. Eines Tages taucht er im Westen auf und wird während mehrerer Monate ein geschätztes Mitglied irgend eines gewichtigen Stammtisches. Ich sage Ihnen, der versteht es, die Philister einzuwickeln, wie man zu sagen pflegt. Ge-