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Deutschland.
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Wasser und Roggenmehl, nicht selten ohne Salz. Die Mittags- und Abendspeise sind Kartoffeln mit Kaffee oder Schmalz bezw. Leinöl, am Sonntag vielleicht einmal Kartoffel- oder Gerstenmehl-Klöße. Fleisch giebt es nur an hohen Festtagen, bisweilen giebt es Heringe; im Sommer sammeln die Kinder Beeren und Pilze.
Die Wohnungszustände sind gleichfalls unerfreulich; dicht zusammengedrängt in niedrigen, stickigen Räumen, die zum Arbeiten, Wohnen, Kochen, Schlafen dienen, bei verschlossenen Fenstern leben die schlesischen Handweber ein freudloses Dasein, zu Grunde gerichtet durch die lange, aufreibende Sitzarbeit, durch eine beklagenswerte Unterernährung, schlecht behaust, frühem Siechtum verfallend. Feucht sind die Zimmer; dichten Staub, der die Lungen zerstört, wirbelt das Garn auf; die Brust fortwährend gegen die Lade gestemmt, an freiem Atmen gehindert, nach vorn gebeugt, sitzt der Arbeiter am Stuhle. Nach den Angaben des Breslauer Gewerbehygienikers Hirt leidet immer die Hälfte der Weber an irgend einer Krankheit: 70 Prozent aller Erkrankungen kommen auf die Atmnngsorgane, darunter 30,7 Prozent ans chronische Bronchialkatarrhe und allein 25 Prozent ans die Lungenschwindsucht. Der unzureichende Verdienst der Weberfamilie hat einen niedrigen stmucknrck of lits zur Folge, die Beschäftigung wie die Lebensführung üben ihren unheilvollen Einfluß auch auf die Gesund- heits- und Sterblichkeitsverhültnisse der Kinder ans. In Lan- deshnt, Lauban n. s. f., wo die Textil-Hausindustrie gedeiht, ist die Sterblichkeit der Kinder im ersten Lebensjahre die höchste, die im preußischen Staate überhaupt beobachtet worden ist. Im preußischen Staate wurden in den Jahren 1875 bis 1882 von 1000 Geborenen 40,8 totgeboren, und 224,7 starben bis zur Vollendung des ersten Lebensjahres; in dem schlesischen Weberbezirk Bolkenhain betrugen die entsprechenden Ziffern 72,1 bezw. 423,8. Die Kinder, unter den elendesten Verhältnissen geboren, werden künstlich ernährt, die Skrophn- lose grassiert unter ihnen, der Mangel an Aufsicht — muß doch die Mutter daheim arbeiten oder das Kartoffelückerchen bestellen — setzt sie den verschiedensten Führlichkeiten aus.
Daß eine solche Arbeiterkategorie nicht bloß physisch, sondern auch geistig verelenden und verkümmern muß, daß die Entartung immer weiter um sich greift und jede neue Generation stumpfer und schwächlicher macht, leuchtet ein. Aus der hoffnungslosen Misere sich aufzuraffen, fehlt ihnen die Möglichkeit, die wirtschaftliche, wie die physische. Die Verzweiflung treibt sie oft zum Selbstmord. Von je 1000 Gestorbenen endeten z. B. im Landbezirk Liegnitz 16,5 durch eigene Hand. Von den bekannten Selbstmordursachen fielen ans Nahrungsverfall, Arbeits- und Erwerbslosigkeit in Preußen 6,61, in Schlesien 7,59 Prozent. Ist es nicht eine grausame Ironie auf die moderne Civilisation, daß nach den amtlichen Feststellungen der preußische Sträfling, der hinter den Gittern am Webstnhl sitzt, hinsichtlich der Arbeitszeit, des Arbeitslohnes, der Ernährung und der Gesundheitsverhältnisse „im allgemeinen erheblich besser gestellt ist, als die Mehrzahl der freien Arbeiter, namentlich die der Hausindustrie!" Die Insassen der Strafanstalten dürfen instruktionsmüßig nur zehn bis zwölf Stunden gewerblich beschäftigt werden, für den größten Teil derselben wird ein Bruttodnrchschnittsverdienst von 50 Pfg. bis zu 1 Mk. erzielt, während der freie Hausweber sechzehn Stunden mit Weib und Kind um den gleichen Lohn sich plagt. Der Häftling ißt zweimal wöchentlich Fleisch, bekommt täglich zweimal warme, reichliche Speise, darf täglich eine Stunde im Grünen sich ergehen, schläft in gut gelüfteten Räumen . . . .
Die Stunde der hansindustriellen Weberei hat geschlagen, ihre Vernichtung wird in absehbarer Zeit eine vollendete That- sache sein. Die Sozialpolitik hat keinen Anlaß, das Verschwinden einer Betriebsweise, die derartige Zustände erzeugt, zu bedauern. Sie hat aber dafür zu sorgen, daß der Üeber- gang von der Heimarbeit zur Fabrikindustrie sich so vollzieht, daß die Arbeiterschaft geschont und in ihrer Situation gehoben werde, sie hat vorderhand die Kontrolle, welcher die Fabrik
industrie unterliegt, auch ans die Hausindustrie auszudehnen, damit eine sorgfältige Gewerbeinspektion die schlimmsten Schäden beseitige und die Umwandlung unter möglichst günstigen Auspi- cien für die Hausindustriellen beschleunige.
Wechselstrom oder
Die Kardinal frage der Elektricitätswerke.
Von
W. Werörrow, Ingenieur. (Fortsetzung.)
ber warum da noch ein Kampf zwischen Gleich- und - Wechselstrom? Weshalb werden angesichts solcher Vorteile nicht durchgängig Wechselstromcentralen mit Transformation der Spannung gebaut? — Nun, auch dieses System hat eben seine Fehler; freilich sind schon viele der ihm anfangs anhaftenden Mängel beseitigt worden, wie z. B. der Umstand, daß Wechselstromdynamos im Betriebe weit mehr Aufmerksamkeit und Regulierung bedurften wie Gleichstrommaschinen, daß ferner die Messung des Stromes, die zur Feststellung des Konsums an den einzelnen Verbrauchsstellen unerläßlich ist, hier lange ein ungelöstes Problem blieb, daß die Bogenlampen unruhiger brannten, als beim Gleichstrombetrieb und manches andere; doch bleiben vor allem noch zwei Übelstände, welche der allgemeinen Verwendung von Wechselströmen noch recht hinderlich sind: das sind die bisher noch nicht oder doch unbefriedigend gelösten Aufgaben der Ladung von Accnmulatoren und des Motorenbetriebes.
Über Accnmulatoren ist in den letzten Jahren so viel gesprochen und geschrieben worden, daß ich mit wenigen Worten darüber hinweggehen kann. Sie bedeuten für die Elektricitüts- werke dasselbe, wie die Gasbehälter für die Gasanstalten. Der Betrieb einer Gasanstalt geht Tag und Nacht, Alltags und Sonntags ununterbrochen fort, und darin beruht nicht zum geringsten Teil ihre Rentabilität. In einem großen maschinellen Betrieb bedeutet nämlich jede Unterbrechung einen Verlust.
So wie eine Maschinenfabrik nicht nur in der „Saison" arbeitet, d. h. in der Zeit, wo gerade Absatz für ihre Erzeugnisse vorhanden ist, sondern auch die übrige stille Zeit hindurch, nämlich ans Vorrat, so arbeiten auch die Gasanstalten, die Wasserwerke und unzählige andere Betriebe auf Vorrat. Nur die Elektricitätswerke thnn es größtenteils noch nicht. Ihre Magazine würden die Accumnlatoren sein; denn diese speichern durch einen chemischen Prozeß Elektricitüt auf, um sie später wieder abzugeben, nur sind sie zur Zeit, was die Anforderungen an Einfachheit, Billigkeit und Betriebssicherheit betrifft, noch nicht ausgebildet genug, um allgemeine Verwendung zu finden. Doch 'werden sie ohne Zweifel noch weiter vervoll- kommt werden und alsdann eine wichtige Stütze der elektrischen Centralen bilden, d. h. derjenigen, die mit Gleichstrom arbeiten. Sie sind es heute schon bei vielen kleinen Stationen und in allernenester Zeit auch bei einigen größeren städtischen Anlagen. Sv hat in Berlin die vortreffliche Belenchtungsstation des neuerbanten Krankenhauses am Ürban, welche etwa elfhundert Glühlampen und achtundzwanzig Bogenlampen unterhält, eine ziemlich bedeutende Accumulatorbatterie erhalten, welche es gestattet, bei Tage und spät nachts, wenn nur ein Teil der Lampen funktioniert, den kostspieligen Maschinenbetrieb ganz zu unterbrechen. Noch rationeller würde es sein, wenn die Maschinenanlage, welche etwa hundertnndvierzig Pfd. betrügt, entsprechend schwächer wäre und durchgehend, arbeitete, in den Stunden starken Lichtverbrauchs unter Beihilfe der Batterie, während in der Zeit schwachen Konsums die überschüssige Maschinenkraft znm Laden derselben benutzt würde. Eine ältere Anlage mit Accumulatorbetrieb ist die Blockstation in der Neuen Friedrichstraße. An großen städtischen Anlagen sind Accnmulatoren für die Centralstationen in Königsberg,