Heft 
(1889) 50
Seite
802
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Deutschland.

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Staßfurt und Barmen teils ausgeführt, teils projektiert, und man verspricht sich für die Zukunft noch viel von diesem wertvollen Hilfsmittel der Elektricitütswerke.

Dieses Vorteils nun entbehrt das Wechselstromsystem gänzlich; man kann durch einen Strom von stetig wechselnder Richtung wohl die einfache Wirkung der Wärmeerzeugung Her­vorbringen; aber für die komplizierten chemischen Vorgänge im Accumulator taugt nur der Gleichstrom. Eine Wechselstrom­anlage muß also beständig, solange auch nur ein einziges Glühlümpchen in der Stadt brennt, mindestens eine ihrer Maschinen in Betrieb haben, ohne die von derselben hierbei überschüssig erzeugte Kraft irgendwie verwenden zu können; andererseits müssen so viel Dynamos vorhanden sein, daß die­selben auch dem größten, innerhalb eines Jahres stets nur . einmal, am 23. oder 24. Dezember, eintretenden Bedarf ge­nügen; während eine Anlage mit Accumulatoren mindestens um ein Drittel kleiner sein dürfte und darum auch billiger her- znstellen wäre, d. h. wenn erst der Preis der Accumulatoren wesentlich niedriger geworden sein wird. Dies ist der schwerste Mangel des Wechselstromsystems; weniger von Bedeutung, weil gegründete Aussicht zu seiner baldigen Beseitigung vorhanden, ist die Schwierigkeit des Motorenbetriebs. Zwar ist es schon gelungen, durch Wechselstrom Elektromotoren zu treiben, wie das ja in der Natur der Sache liegt; denn da in den Dynamomaschinen beider Systeme lediglich mechanische Arbeit in Elektricität umgesetzt wird, so muß es auch möglich sein, diese elektrische Energie wieder in die Form mechanischer Be­wegung znrückzuführen. Wie indessen die Wechselstromdynamos noch lange nicht den hohen Grad von Vollkommenheit erreicht haben, den ihre Rivalen beispielsweise in den riesigen, von Siemens und Halske hergestellten Dampfdynamos in den neuen Berliner Centralstationen aufweisen, so liegt auch die Technik der Wechselstrommotoren noch ziemlich im Argen. Der Wirkungsgrad derselben ist ein niedriger, das Anlaufen geschieht nicht von selbst und ist von einem bedeutenden Fun­kensprühen begleitet, und so haften ihnen noch einige Mängel an, die der ältere Gleichstrommotor bereits überwunden hat. Nun könnte es scheinen, als ob dies für die Errichtung von Centralstationen ohne Belang sei; denn bis jetzt ist allerdings der Motorenbetrieb von elektrischen Centralen aus, wie die Berliner Elektricitütswerke in ihren Jahresberichten selbst zngeben, noch von sehr geringem Umfang, trotz der großen Zugeständnisse, die die genannte Gesellschaft den Konsumenten elektrischer Energie zwecks des Maschinenbetriebes zugebilligt hat. Doch kann sich dieses Verhältnis in kürzester Zeit ändern und zwar durch die Einführung des elektrischen Betriebes der Straßenbahnen. Diese würden, in Berlin allgemein dnrch- geführt, einen beträchtlichen Teil der Energie, die uns in den Centralen zur Verfügung steht und die bisher tagsüber fast gänzlich latent bleibt, konsumieren und dadurch dieselben in weit höherem Grade zu lohnenden Unternehmungen machen, als sie es bisher sind. Man kann sagen, daß das in den Elektricitüts- werken angelegte Kapital jetzt nur in den wenigen Abendstunden arbeitet und sich verzinst, während es, um vorteilhaft angelegt zu sein, ohne Unterbrechung arbeiten müßte. Dieses Ziel würde erreicht sein, wenn die Dampfkessel und die Dynamos in regel­mäßig fortdauerndem Betriebe wären; tagsüber würde der Strom für die Straßenbahnen und die für Fabrikzwecke an­geschlossenen Motoren zu liefern sein, während die überschüssige Kraft in die Accumulatorbatterieen zu leiten ist; wenn bei stei­gendem Lichtverbrauch am Abend der Strombedarf größer und größer wird, hat man die ganze Energie der Dynamos in die Leitungen zu senden und, wenn dieselbe nicht mehr genügt, allmählich die in den Batterieen anfgespsicherte Elektricität hin- zuzusügen, bis in den späteren Abendstunden, wenn das Licht in den Verkaufslüden und Comptoirs, dann in den Wohnun­gen, Theatern und Restaurants allmählich wieder erlischt, die Accumulatoren nach und nach wieder ausznschalten sind. In den späten Nachtstunden endlich, wo der ganze Strombedarf sich auf einen Teil der Straßenbeleuchtung, einige Nacht-Cafös

und hier und da eine Lampe im Privatgebranch beschränkt, werden schon eine oder wenige Dynamos demselben genügen, und man hat die Kraft der übrigen in die während der Abend­stunden fast ganz entladenen Accumulatoren zu leiten, bis sich dann am Morgen mit der Eröffnung des Straßenbahnbetriebes derselbe Cirkel wiederholt. Hierbei würde allerdings die Zahl der im Betriebe befindlichen Dynamos von den Tagen des größten Lichtverbrauchs im Dezember bis zu den Hellen Mo­naten Juni und Juli stetig sinken und alsdann ebenso regel­mäßig steigen, dasselbe ist ja auch mit der Zahl der angeheizten Ofen in den Gasanstalten der Fall; ja, durch den Sommer und Winter hindurch gleichbleibenden Kraftbedarf der Motoren würde sich der Betrieb der Elektricitütswerke sogar noch regel­mäßiger gestalten, wie der der Gasanstalten, bei denen die Gasmotoren bisher nur eine verschwindend kleine Rolle spielen und die daher in der Zeit der hellsten Tage nur einen minimalen Betrieb ertragen.

Der maschinentreibenden Energie des elektrischen Stromes wird sich in Zukunft vielleicht noch eine andere Benutzung er­öffnen. nämlich die Bewegung von Fahrzeugen zur Beförde­rung von Briefen und Paketen, etwa in der Weise, wie es jetzt, freilich im kleinsten Maßstabe, durch die Rohrpost ge­schieht. In Berlin füllt sogleich die große Menge jener gelben Postwagen auf, die, ohne vor Privathäusern anznhalten, die Stadt nach allen Richtungen in schnellem Trabe durcheilen und den Paket- und Brieftransport zwischen den Bahnhöfen und den einzelnen Postanstalten, sowie den letzteren unter sich vermitteln. Bei dem ohnehin schon übermäßig anwachsenden Wagenverkehr in den Straßen Berlins bilden diese Postwagen, zumal sie bei ihrem schnellen Fahren und als behördliche In­stitute besondere Berücksichtigung seitens der übrigen Fuhrwerke beanspruchen, ein nicht unwesentliches Hindernis, und sie werden sicherlich später durch mechanische Beförderungsmittel ersetzt werden. Es würden hierzu schon Röhren von dem Durch­messer der Hanptleitnngsröhren für das Leuchtgas, wie sie sich jetzt unter den Berliner Straßen hinziehen, genügen; diese, innen mit einem Schienenpaar versehen und von sich ihnen an­passend geformten Brief- und Paketwagen befahren, würden für den internen Postverkehr einer Großstadt vollkommen hin­reichend sein und denselben an Schnelligkeit und Betriebssicher­heit unvergleichlich fördern. ' Schluß

Dagoberts Traum.

Eine Skizze

von

Anncr Mock. (Schluß.)

kam eine ach berauschend himmlische Gestalt ans mich zu. Feurig süße Strahlen entströmten ihren Augen; duftig umwehte mich ihr Odem. Weich wie Sammet waren die Arme, mit denen sie mich umfing. Hin­gebend legte sie sich in meinen Arm, während wir tanzten.

Mir," flüsterte sie zärtlich,bleibst Du treu! Ich bin die Liebe!"

Einen Augenblick fast glaubte ich's auch.

Sie war süß- sie war weich sie war warm sie war engelschön!

Aber ich glaubte nicht mehr ich träumte nicht mehr

ich hoffte nicht mehr-nein; auch sie konnte mich

nicht mehr fesseln! Herab riß meine Hand die rosige Wolke.