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Deutschland.
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„Und wer ist sie?"
„Sie ist Dein jetziges Leben; so wie Du dir's gewünscht und dir's geschaffen," gab er zur Antwort. „Geh' nun zu ihr; dieser gehörst Du jetzt."
Und ich ging. Ich wollte die reizlose Gestalt umfangen —
sie küssen-aber ruhig, leidenschaftslos wies sie mich
zurück. „Das ist nicht nötig," sagte sie; „Du brauchst mich nicht zu lieben; das verlange ich nicht. Nur ruhig und vernünftig ertragen mußt Du mich."
„So tanze mit mir!" rief ich.
„Auch das nicht," entgegnete sie ruhig. „Mit mir tanzt man nicht! Mit Tanz und Freude — Jugend — Glaube — Liebe — Hoffnung — und Genuß bist Du fertig! Siehe da — dort stehen zähneklappernd die Gespenster aller dieser. Du hast sie alle gewaltsam getötet. Nun bleibe nur ich Dir; ich bin die Prosa des Lebens — und ich führe Dich — denn mutig genug bist Du, wenn auch unklug — zur Wahrheit."
Und sie nahm mich bei der Hand und führte mich hin zu der mächtigen Gestalt, die ihre Schleier und Hüllen von sich warf und nun ganz nackt vor mir stand. Aber selbst die Strahlen, welche von ihrem Körper ausgingen, waren nicht im stände, mich zu blenden. Ich ertrug sie ruhig und ohne mit der Wimper zu zucken. Ohne jede Erregung betrachtete ich die gigantische Gestalt und dachte: Kein Wunder, daß auf sie kein Flecken fallen kann! Kein Wunder, daß sie ewig rein und keusch bleibt! Kein Sterblicher würde diesen Leib umfassen wollen — kein Sterblicher diese blassen, ruhigen Lippen küssen — kein Sterblicher sie besitzen wollen! — —
Ruhig betrachtete ich sie — und hoheitsvoll lächelte sie auf mich herab.
„Kannst Du meineu Anblick ertragen?" fragte sie alsdann.
„Ja," sagte ich, „er ist gar nicht einmal so fürchterlich, wie ich geglaubt. Nur so mächtig — so überwältigend groß und strenge! Sage, warst Du immer so?"
„Immer!" antwortete sie ruhig und unbewegt. „Immer! Ich bleibe mir stets gleich! So war ich — so bin ich — und so bleibe ich bis ans Ende aller Tage!" —
„Immer so unerschütterlich fest, ruhig und leidenschaftslos?" fragte ich schaudernd.
„Immer!" antwortete sie wiederum; „und so mußt auch Du jetzt werden! Du hast alles andere von Dir abgeschüttelt; nun mußt Du Priester in meinem Tempel werden — und mich — nur mich anbeten!" —
Ein Grauen schüttelte mich.
„Immer nur Dich?"
„Gewiß!"
„Aber kommen denn auch andere je zu Deinem Tempel?"
„O ja; aber sie sind klüger als Du."
„Inwiefern?"
„Du hast unklug gehandelt; denn Du bist noch jung und hättest noch jahrelang mit den reizenden, rosenfarbenen Gestalten Dich freuen können. Sie gehören zu Dir und Deinem Alter. Allmählich wären sie dann ganz von selbst blasser und blasser geworden und Dir entschwunden — aber Dein ganzes ferneres Leben hindurch hätten Dich ihre Genien als süße Erinnerungen begleitet! — Sieh dort jenen Greis! Siehst Du — auch er ist in meinem Tempel — aber er sieht glücklich und zufrieden aus, nicht wahr? Siehst Du die rosen
farbenen Engelein, die ihn freundlich umspielen — ihn trösten und erheitern? Das sind seine guten Genien — das sind seine Jugenderinnerungen! Ruhig und sanft sind sie eines natürlichen Todes gestorben — und doch bleiben sie für ihn ewig lebendig! Du aber hast die Deinen mit rauher Hand selbst getötet — lange, lange vor der Zeit! Du hast das Glück und die Freude, die Liebe, die Hoffnung, den Genuß und die Illusionen der Jugend — alle, alle hast Du mit frevler Hand gemordet, und wenn sie Dir je wiederkehren, so thun sie es nur als grimme, zähneklappernde, jammernde Gespenster! Aber Du wolltest sie ja nicht mehr. Du wolltest ja Wahrheit schauen. Nun schaust Du sie — macht Dich der Anblick glücklich?"
„Nein, nein!" stöhnte ich.
„Weil es eine Unnatur war — und weil ich die Stimme der Natur bin," antwortete das gigantische Weib — „und schon — siehst Du — schon rächt sich an Dir die Natur. Noch lauge mußtest Du mil den rosenbekrünzten Illusionen tanzen, bevor Du zu nur kamst. Du bist zu früh — viel, viel zu früh gekommen!"
Schluchzend warf ich mich zu ihren Füßen nieder.
„So gieb mich wieder frei," flehte ich; „laß mich noch einmal zurück. Mache sie noch einmal lebendig, alle, die ich mit frevler, übermütiger Hand gemordet. Ich will sie in meine Arme nehmen — an meine Brust sie drücken — sie hegen und pflegen." — —
„Zn spät, zu spät!" entgegnete sie mit ihrer unerschütterlichen Ruhe, „Du gehörst uns — uns allein — Deinem jetzigen Leben und mir."
Und die graue, anmntslose Gestalt, die inein Leben nun war, trat auf mich zu und streckte die Hnud nach mir aus; — — in Verzweiflung sprang ich auf — — über mir in den Lüften hörte ich leises Jammern und Wehklagen; ich wußte, es waren meine Gemordeten, die vor dem Richterstuhle des Höchsten mich verklagten. — — - -
„Laß mich fort!" rief ich aus. „Nein, ich kann Deinen Anblick nicht ertragen — ich will ihn nicht ertragen — und wie wahnsinnig verbarg ich mein Antlitz in den Händen. Indessen — die Strahlen, die von ihrer Gestalt ausgingen, drangen durch und durch in meine Angen hinein.-— —
„Es ist zu spät!" sagte sie noch einmal — und das Leben packte mich an den Schultern; — ein Schauder durchrieselte mich — ein Verzweiflungsschrei entfuhr mir — —
Lollektiv-Ligentum oder Individualbesitz.
Von
Prof. 0v. Ludwig Stein (Zürich).
ir haben bisher folgendes festgestellt: Der Gedanke des Eigentums, d. h. der Aufspeicherung von Gütern für die Zukunft, entsteht erst im vorgeschritteneren Stadium der Wildheit und hat zunächst bewegliche Güter, wie Nahrungsmittel, Gerätschaften, und nach der Domestikation der Tiere den Viehbestand zum Inhalte. Sobald aber die Viehzucht als Reichtumsquelle entdeckt wird und das Weide-