Das Textilgewerbe.
von August Soerster.
Die Entwicklung der Textilgewerbe in der Provinz Brandenburg ist nicht ganz einfach zu schildern, weil das Land aus mehreren, zu verschiedenen Zeiten mit ihm verschmolzenen Gebietsteilen besteht, während ein so bedeutender Teil, wie die Altmark seit s8j7 von ihm abgetrennt und mit der Provinz Sachsen vereinigt ist. Es werden daher Berlin und die Mittelmark, Uckermark und prignitz, die Neumark und die Niederlausitz getrennt zu behandeln sein. Freilich wird diese Scheidung nicht so weit gehen, daß etwa Jüterbog, das erst seit j8t5 zu Brandenburg zählt, von seiner märkischen Nachbarschaft getrennt wird, oder daß Schwiebus, Trossen, Sommerfeld, Züllichau u. a. Gebiete, weil sie erst später erworben sind, nunmehr von der Neumark getrennt behandelt werden. Andererseits durfte Cottbus nicht aus der Niederlausitz ausgeschieden werden, weil es 350 Jahre länger brandenburgischer Besitz ist. Zm allgemeinen ist jedoch die getrennte Behandlung durch die langjährige politische Zugehörigkeit zu anderen Staaten notwendig, da, wie vor allem in der Niederlausitz, dadurch auch die Entwicklung der Textilgewerbe stark beeinflußt worden ist.
Bis zu dem unseligen Dreißigjährigen Ariege stand das deutsche Textilgewerbe, also auch in der Ostmark, aus einer Höhe, die hinter der anderer europäischer Gebiete nichts weniger als zurückgeblieben war. Zn Norddeutschland wurde nach einem merkwürdigen, jahrhundertelangem Stillstände, in dem kaum der geringste Fortschritt in den Techniken des Spinnens, Webens, Färbens, Bleichens, Aurichtens zu verzeichnen war, t530 die große Erfindung des Spinnrades durch den Steinmetz und Bildschnitzer Jürgens in Watenbüttel bei Braunschweig gemacht, während von Sachsen aus im t6. Jahrhundert die Erfindung des Aulier- und Aettenstuhles eine mächtige Anregung auch in die Mark trug. Zn der zweiten Hälfte des s7. Zahrhunderts mußte allerdings von neuem begonnen werden, um ein leistungsfähiges Textilgewerbe zu schaffen. Denn große Armut lastete schwer auf dem früher tonangebenden deutschen Gewerbe. Sie erklärt es zum Teil, daß trotz der Anstrengungen wohlmeinender und tätiger Fürsten eine Dberflügelung durch Frankreich, die Niederlande und England nicht abzuwenden war. Das englische Patent, das Lewis Paul für die Erfindung der Maschinenkrempel nahm, datiert von s7^8; aber schon s762 betrieb Robert Peel eine Anzahl solcher Maschinen, während der ungeheure Fortschritt von dem Spinnen mit einem Faden zur gleichzeitigen Herstellung von 8, 20, ^00 und mehr Fäden durch den Barbier und Friseur Richard Arkwright und in einer anderen gleichwertigen Form j783 und 1785 durch die Weber Zames Hargreaves und Samuel Lrompton erreicht wurde. Nach der Erfindung der Dampfmaschine durch Zames Watt (j78j) waren j7Z2 bereits Hunderte von Maschinenspinnereien in England mit Dampfbetrieb im Gange. Dem gegenüber steht die etwas dürftige Tatsache, daß die Berliner noch j7stO gegen dis „Feuermaschine" Einspruch erhoben, daß die erste Dampfmaschine in der Landeshauptstadt erst 1,801 aufgestellt, die erste