Druckschrift 
Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
Entstehung
Seite
169
Einzelbild herunterladen

169

Inen das fie bei feinem wort gehalten reichlich belonet, Wo Ich dan E. L. mit leib und gut zu dienen weis, Sol mich E. L. willig haben, Wir haben alle uf E. L. gehofft. Laſt unnſer hoff­nunge nit zu einer leren ſchellen werden, Ich bit E. L. freuntlich E. L. wolle diß mein ſchreiben nit anderſt dan freuntlich vermer ken, und daran nit ungefallen haben, daß Ich E. L. villerley antzeige, das E. L. aus hoher vernumfft ſelbſt wiſſen, dan warlich Ich main's treulich und gut, unnd wil ja pillich ſein das einer dem andern In den hochwichtigen ſachen, die Gotes ehre betref­fen, trewlich freuntlich und ernſtlich ermane. Ich zweivel nit E. L. werde mir ein gute chriſtliche Antwurt geben, E. L. zu dienen bin Ich willig, Wil E. L. hiermit dem Almechtigen bes velhen, der gebe E. L. zu Irem heirat glugk und heile. Datum Immenhuſen Sontag nach Margarethe. Anno ect. XXXV. VI) Philips von gotsgnaden L. z. H.

Auf dieſe Weiſe wurde Joachim II. von vielen Anhaͤngern der evangeliſchen Kirche angegangen, und ſo dringend als wahr­haft gebeten, der erkannten Wahrheit nicht zu widerſtreben, fon: dern ſich oͤffentlich für dieſelbe zu bekennen. Allein ſchwerlich wuͤrden dieſe ernſten Mahnungen ihren Zweck erreicht haben, wenn nicht der Kurfuͤrſt von Brandenburg eben als ſolcher zu­folge einer gewiſſen innern Nothwendigkeit zur Losſagung von der roͤmiſchen Kirche und zur Einfuͤhrung der Reformation in feinen Ländern getrieben worden wäre. Sein Land hatte ſchon waͤhrend der Regierung ſeines Vaters, wenn auch heimlich, der neuen Lehre gehuldigt, er ſelbſt gehörte aber ebenſo dieſem Lande an wie ſeine Unterthanen, und ſo war, abgeſehen davon, daß es ein Characterzug des Hohenzollernſchen Hauſes iſt, den herr ſchenden Zeitgeiſt durch weiſe Maaßregeln in ſeiner Entwicklung zu foͤrdern, der Zug und das Walten des um ihn her verbreite­ten Geiſtes der Hauptgrund, daß er der Verbreitung der evan­geliſchen Lehre in ſeinem Lande keinen Widerſtand entgegenſetzte. Die erwähnten politiſchen Verhaͤltniſſe aber und die Ruͤckſichten fuͤr Kaiſer, Reich und Papſt beſtimmten ihn doch ſo weit, daß

*) v. Nommel, Philipp der Großmüthige, Landgraf von Heſſen, III. 69 72