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Geschichte der Reformation in der Mark Brandenburg / Adolph Müller
Entstehung
Seite
178
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ſelikeit unſer aller entfaen mochten; Zeuverſichtligk E. e. f. g. werden ſich hirinnen irer vorigen geſchenen zuſage nach gnedigli chen und unabſchleglichen ertzeigen. Das ſeint wir umb dieſel bige E. c. f. g. als unſern gnedigen herren in aller undertheni keit ungeſpart unſer leib und gutt zeu verdienen ſchuldigk. Bit ten das hiebeneben mit gegenwertigen E. c. f. g. gnedigk ſchrift­lich antwortten. Datum Berlin Sunabents nach Valentini Anno im 39ſten. gehorſamſte unterthane.

Burgermeiſter und Rethe Beider Stette Berlin und Colln.*)

Wir ſehen hieraus deutlich, daß wie ſehr ſich auch die Bi ſchoͤfe von Havelberg und Lebus die Sache der roͤmiſchen Kirche angelegen ſein ließen, daß wie ſehr auch die Moͤnchsgeiſtlichkeit alle ihr zu Gebote ſtehenden Mittel aufwandte, um das Volk bei dem alten Kirchenglauben, den Wallfahrten, dem Ceremonien dienſt u. ſ. w. zu erhalten, die Zeit dennoch in der Mark fuͤr die hierarchiſche Herrſchaft voruͤber war, und das lebendigſte Gefuͤhl fuͤr eine reinere und geiſtigere Auffaſſung des Chriſten thums in den Gemuͤthern Platz gegriffen hatte. Dem Kurfuͤr ſten Joachim konnte dieſer religioͤſe Zuſtand feiner Unterthanen nicht verborgen bleiben, und er Hätte dem Charakter feiner Fa: milie ganz untreu werden, und ſelbſt ſeiner Ueberzeugung und ſeinem Gewiſſen die druͤckendſten Feſſeln anlegen muͤſſen, wenn er politiſcher und verwandſchaftlicher Ruͤckſichten halber laͤnger haͤtte anſtehen wollen, die Herrſchaft der geiſtigen Richtung ſei ner Zeit und feines Volkes oͤffentlich anzuerkennen. Auch hatten jene politiſchen und zum Theil auch ſeine verwandtſchaftlichen Verhaͤltniſſe ſich etwas verändert, und fo geſtaltet, daß er mit geringerer Sorge vor dem Urtheile der katholiſchen Fuͤrſten an die Einführung der Reformation in feinen Ländern denken konnte. Sein Oheim, der Erzbiſchof von Mainz hatte, obwohl er im Ganzen ſeinen Geſinnungen uͤber die Lehre Luthers treu geblie­ben war, dennoch einem großen Theile ſeiner Unterthanen, na:

*) Fidicin, hiſtoriſch- diplomatiſche Beiträge zur Geſchichte der Stadt Berlin, 2. 336.