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mentlich denen feines Magdeburgiſchen und Halberſtaͤdtiſchen Kirchſprengels manche von der katholiſchen Kirche abfuͤhrende Freihei— ten, z. B. den Genuß des Abendmahls in beiderlei Geſtalt, ge, ſtatten muͤſſen. Ja er gewaͤhrte ſogar, um aus den Truͤmmern des einſtuͤrzenden Kirchenthums noch ſo viel Vortheil als moͤglich zu ziehen, den Landſtaͤnden und Staͤdten dieſer geiſtlichen Fuͤr— ſtenthuͤmer gegen Uebernahme feiner Schulden und Zahlung be— traͤchtlicher Geldſummen die Erlaubniß, ihr Religions- und Kir— chenweſen ganz nach ihrem Gefallen einzurichten). Er hatte erkannt, daß den religioͤſen Forderungen der Zeit nicht geradezu widerſtrebt werden duͤrfe und daß es beſſer ſei, in einigen Stuͤcken nachzugeben, als durch hartnaͤckigen Widerſtand eine gewaltſame Trennung zu veranlaſſen. Er ermahnte zwar noch immer ſeinen Neffen, ja an der Religion ſeiner Vaͤter feſtzuhalten und ſich nicht durch die Hinneigung zu den lutheriſchen Ketzereien Gott und die Welt zu Feinden zu machen; allein ſeine Ermahnungen wurden immer ſchwaͤcher und druͤckten je laͤnger je mehr die Ueberzeugung aus, daß er ſelbſt nicht mehr recht an einem mit Erfolg zu leiſtenden Widerſtand glaube.
Der Herzog Georg von Sachſen, der Schwiegervater Joa— chims II., war zu Anfang des Jahres 1539 geſtorben, und fein Bruder Heinrich, der ihm in der Regierung folgte, hatte mit ſolchem Eifer und ſolcher Eile die Reformation bei ſich eingefuͤhrt, daß da zu Oſtern noch lauter katholiſche Prieſter den Gottesdienſt hielten, zu Pfingſten ſchon alle Kanzeln mit evangeliſchen Pre— digern beſetzt waren. Von dieſer Seite her hatte alſo Joachim nicht nur nichts zu fuͤrchten, ſondern ſelbſt den lauteſten Beifall und die kraͤftigſte Unterſtuͤtzung, wenn er ihrer beduͤrfen ſollte, zu erwarten. Sein anderer Schwiegervater, der König Sigis— mund J. von Polen, lebte zwar noch und forderte wiederholt die Erfuͤllung der in dem Heirathscontrakte eingegangenen Bedin— gung, daß der Kurfuͤrſt den alten Glauben nicht verlaſſen ſolle; allein Joachim wußte ſeine Maaßregeln im Bezug auf die Re— ligionsangelegenheit ſehr gruͤndlich gegen ihn zu vertheidigen. Sigismund hatte ſeinen Schwiegerſohn aufgefordert, wegen der
*) Leo, Lehrbuch der Univerſalgeſchichte III. 160.