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kirchlichen Verhaͤltniſſe die Kirchenverſammlung, welche Paul III. auf Carls V. Anſuchen bald ausſchreiben würde, abzuwarten und hatte ihm verſprochen, ſelbſt alles Mögliche beizutragen, daß ſolche aufs ſchleunigſte gehalten werde. Hierauf antwortete Joachim im October des Jahres 1539 feinem Schwiegervater: „Er wüßte, daß der König nebſt andern Tugenden auch die be: ſitze, daß er fromm ſei und die Wahrheit liebe. Er nehme alſo keinen Anſtand, ihm zu berichten, daß er, auf frommes Anra— then und in den Schranken, die einem chriſtlichen Fuͤrſten geſetzt find; diejenigen Öffentlichen Gebrechen abzuändern vorhabe, welche in den Kirchen feines Landes anzutreffen wären. Er ſehe hiebei fo wenig auf das Verlangen der Unterthanen, als auf die Bei ſpiele anderer, ſondern glaube, daß es die Pflichten des Ober— herrn mit ſich bringen, die Kirchen in Auſſicht, ſonderlich dann zu behalten, wenn bei entſtandenem Religionszwieſpalt es vor zuͤglich noͤthig ſei, geſchickte Lehrer zu verordnen, und wenn zu überlegen ſei, wie das Anſehen des Gottesdienſtes und die Kir chenzucht auf die beſte Weiſe aufrecht erhalten werde. In die— ſen Schranken habe er zu bleiben beſchloſſen und ſich vorgeſetzt, nichts gegen die Lehren der allgemeinen Kirche Chriſti, von wel chen ihn keine Gewalt abbringen ſolle, anzunehmen, auch dem Anſehen der Biſchsͤfe nichts zu entziehen. Dieſen Vorſatz habe er zwar bereits dem Könige in feinem vorigen deutſch abgefaß— ten Schreiben berichtet; er erſehe aber aus der Antwort des Köͤ— nigs, die in ſolchen Ausdruͤcken abgefaßt waͤre, welche der Kur fuͤrſt nicht vermuthet, daß man ſeinen vorigen Brief vielleicht haͤrter uͤberſetzt, wenigſtens die eigentliche Abſicht des Kurfuͤrſten nicht genau vorgetragen habe. Er verehre den König in kindli— cher Ergebenheit, und wuͤnſche aus dieſer Urſache, daß auch in Polen ſowohl alle ſeine kuͤnftigen Handlungen als Rathſchlaͤge gut geheißen wuͤrden. Er wolle daher ſich weitlaͤufiger erklaͤren, und ſich von dem Verdacht der Unbeſtändigkeit und einer veraͤn— derten Denkungsart zu reinigen ſuchen. Der König möchte alſo diefes Schreiben mit einer väterlichen Geſinnung durchlefen, und gewiß verſichert fein, daß der Kurfuͤrſt nie von den Pflichten eines Sohnes abweichen werde. Joachim habe bisher allezeit die hoͤchſte Ehre in der wahren Religion und in der Beſtaͤndig