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bis dahin noch nicht zuſammen berufen worden war, und die Abneigung des roͤmiſchen Hofes vor einer ſolchen Verſammlung auch immer deutlicher hervortrat. Auch waren ſeine eifrigen Be— muͤhungen, welche er ſich bei den katholiſchen Fuͤrſten, dem roͤ— miſchen Könige und dem Kaiſer zur Herſtellung eines dauernden Religionsfriedens gegeben hatte, völlig fruchtlos ausgefallen, theils weil man zu einem ſolchen Frieden, oder wenigſtens zur Erfuͤllung der Bedingungen, welche die evangeliſchen Fuͤrſten feſt— geſtellt wiſſen wollten, uͤberhaupt nicht geneigt war, theils weil man katholiſcher Seits den Kurfuͤrſten wegen eines heimlichen Einverſtaͤndniſſes mit den Reformatoren im Verdachte hatte. Der Anlaß dazu nemlich war von ihm im Jahre 1538 dadurch gegeben worden, daß er mit Melanchthon eine Unterredung uͤber die Maaßregeln und Mittel gehabt hatte, durch welche eine Kir— chen- und Religionsverbeſſerung in ſeinen Laͤndern am beſten be— wirkt werden koͤnnte.
So beſchloß alſo Joachim II. gegen das Ende des Jahres 1539 einen oͤffentlichen Schritt, über welchen in feinem Innern laͤngſt entſchieden war, zu thun, und die gereinigte Lehre des Evangeliums, wie ſie durch Luther wiederhergeſtellt worden, in die Mark einzufuͤhren. Dagegen wollte er die Verbindung mit dem Kaiſer und den katholiſchen Fuͤrſten und den Weg zu einer moͤglichen Ausgleichung der roͤmiſchen mit der evangeliſchen Kirche ſich dadurch erhalten, daß er das Aeußere des Gottesdienſtes, Ceremonien, Meſſe, die ſieben Sacramente u. ſ. w. beibehielt. Hatte Joachim J. ſich darin geirrt, daß er die Lehre der roͤmiſchkatholiſchen Kirche für ganz unverfaͤlſcht und alſo gar keiner Ber; beſſerung fuͤr beduͤrftig hielt, ſondern nur glaubte, die aͤußere Geſtaltung, das Disciplinariſche der Kirche ſei einer Reformation benoͤthigt, fo wählte Joachim II. mit viel richtigerer Erkenntniß dieſen Ausweg, daß er die urſpruͤngliche Lauterkeit der chriſtlichen Lehre wiederherſtellte, und es der Zeit, oder vielmehr den Wir kungen der Lehre ſelbſt uͤberliöß, die Form und Erſcheinung der Kirche ſo zu geſtalten, wie es ihren lebendigen Principien und ihrer fortſchreitenden Entwickelung gemäß fein würde.
Zum feierlichen Tage, an welchem Joachim ſammt feiner Familie und feinem Hofſtaate das heilige Abendmahl in beiderlei