mit der Huͤlfe Gottes kein Ende nehmen ſollte, durch nichts un terbrochen würde, fo habe er dieſerhalb gebeten, daß man ſeiner Gemahlin die Gruͤnde ſeines Vorhabens bekannt mache, da ſie ohnedies verſichert ſei, daß die Religion ihm am Herzen liege und er alle ungerechte Rathſchlaͤge verabſcheue. Da er in ſeinem Eheſtande Gottes Ehre nicht aus den Augen ſetze, fo habe er ſich oft mit ſeiner Gemahlin im Gebet vereinigt, und mit ihr von Gottes Rathſchluß, von der Hoffnung des ewigen Lebens und von den durch Chriſtum erhaltenen Wohlthaten ſich unter redet, wobei er jederzeit den Troſt gehabt, daß er bei feiner Ge: mahlin eine wahre Frömmigkeit wahrgenommen. Weil nun der Kurfuͤrſt wuͤnſche, noch fernerhin einen angenehmen und ſeligen Eheſtand zu fuͤhren, ſo wolle er ihr gerne erlauben, diejenigen Kirchengebraͤuche beizubehalten, deren Gebrauch ihr annehmlich ſcheine. Er bete inbrunſtig zu Gott, daß er beider Gemuͤther zu feiner Ehre lenke und führe. Er erſuche zugleich den König, dies ſes nicht unguͤtig zu nehmen, und ſo, wie er bisher ſich jederzeit vaͤterlich liebreich bezeigt, auch kuͤnftig ſich hierin durch nichts ändern zu laſſen. Er wolle ſichs im Gegentheil zur hoͤchſten Pflicht machen, ſich ſo zu betragen, wie es einem Kinde gegen den allerbeſten Vater gezieme. Zugleich erſuche er den Koͤnig, jemanden an ihn abzuſchicken, dem er ſeine Meinung in dieſen Sachen ausfuͤhrlicher entdecken koͤnne, und der zugleich ſeiner liebſten Gemahlin bezeuge, daß der König feine guͤtige Geſinnung gegen den Kurfuͤrſten in nichts geaͤndert habe. Schließlich wuͤn— ſche er dem Koͤnige, daß ihn Gott noch lange Jahre bei allem Wohlſein erhalten möge.“*)
Eine aͤhnliche Rechtfertigung uͤberſandte Joachim zugleich auch dem Kaiſer: vor dieſem konnte ſeine Beſorgniß auch nicht mehr ſo groß ſein, theils weil derſelbe jetzt ſchon mehr an ſolche Uebertritte gewöhnt, theils weil die allgemeine Kirchenverſammlung, welche er zur Beilegung der Kirchentrennung in Deutſchland von dem Papſt zu erwirken zuverſichtlich verſprochen hatte,
*) Dies aus Melanchthons Feder gefloſſene Schreiben ſteht in der Lond ner Ausgabe der Melanchthonſchen Briefe lib. 1. ep. 55 und iſt von da
in Seckendorfs Hiſtorie III.§. 75 aufgenommen.